Was die Bibel in einer Dünndruckausgabe auf gut 800 Gramm Papier reglementiert, dazu braucht die deutsche Justiz zwei Sammelwerke zu je 2385 Gramm - und zwei Berufsstände: Gesetzgeber und Juristen. "Am achten Tag schuf Gott den Rechtsanwalt" verkündet Werner Koczwara in seinem kabarettistischen Programm auf der Trebgaster Naturbühne.
Und er tut das mit Vorsatz unter dem Mantel der Kunst: Zum einen kann er dafür dann nicht wegen der Verächtlichmachung eines Berufsstands belangt werden, wenn er diesen wahrheitsgemäß darstellt; zum anderen entgeht er so auch einem Strafverfahren wegen Nötigung und vorsätzlicher Körperverletzung, wenn er sein Publikum im Minutenabstand zu Lachanfällen und Baukrämpfen bringt. In jedem Fall wäre Koczwara aber kein Verstoß gegen das Achte Gebot (Du sollst nicht lügen) oder eine Falschaussage vorzuwerfen: Was er in zwei Stunden verkündet, sind Fakten; er hat sich nichts davon ausgedacht.
In früheren Zeiten bestrafte man Taten mit dem Gleichen. Diebstahl zum Beispiel wurde mit dem Abhacken der Hände bestraft. Dies wäre heute allerdings ein Verstoß gegen die EU-Datenschutzrichtlinien, denn damit wäre ein Dieb für jeden als solcher erkennbar. Kein Verstoß wäre hingegen auch heute das Köpfen, denn dadurch bliebe die Anonymität des Betroffenen gewahrt, klärt Koczwara auf.
Kein anderes Volk der Welt hat wie die Deutschen eine derartige Fülle an Gesetzen hervorgebracht. Wir regeln einfach alles: die Eheschließung bei Bewusstlosigkeit und das vorschriftsmäßige Anbringen von Warndreiecken bei Trauer-Prozessionen. Des Weiteren gibt es einleuchtende Paragrafen wie: "Niemand darf gegen seinen Willen aus der Haft entlassen werden". Oder: "In Räumen, die dem Aufenthalt von Menschen dienen, darf nicht gejagt werden." Auch hier zieht Koczwara einen Vergleich zur Heiligen Schrift, die im Grunde als wesentliche Regeln aufstellt: Feinde lieben, Gutes tun und Geld zinslos verleihen. Diese klar verständlichen Vorgaben packen Gesetzgeber dann allerdings in eine Sprache, die selbst Juristen kaum noch verstehen.
Wichtig für Imker ist die Kenntnis, dass ein ausschwärmender Bienenschwarm herrenlos ist, ihm also nicht mehr gehört, wenn er diesen nicht umgehenden verfolgt. Soweit das Sachenrecht. Im Strafrecht ist zum Beispiel der Geschmack von Belang. Bringt eine Frau ihren Mann durch Vergiften einer Suppe um, so differenzierte der Bundesgerichtshof zwei Tatbestände: Schmeckte die Suppe gut, so war es vorsätzliche Tötung, also Mord. Schmeckte die Suppe nicht gut, hätte der daran Verstorbene sie verschmähen können, so war es lediglich Totschlag, bei ganz miserablen Kochkünsten sogar eine minderschwere Straftat.
Werner Koczwara ist seit 18 Jahren mit diesem Programm unterwegs, hat es an die 1500 Mal aufgeführt und es sukzessive erweitert. Ein Programm mit juristischen Vergleichen steht noch aus.