Wer im gesetzten Alter ist, der kennt aus seiner Schulzeit Holzbank, Schiefertafel, Kreidestücke, vielleicht noch den Overhead-Projektor. Heute halten immer mehr PCs, Laptops und Tablets Einzug in die Klassenzimmer, auch interaktive Panels, (siehe Bild oben), digitale Tafeln, die einem großen Fernseher gleichen.

Die Schule wird - was viele schon lange vor der Pandemie gefordert hatten - digitaler. Der Freistaat wolle den "Digital-Turbo" einlegen, hat Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) erklärt - nach einem Kaltstart in der Corona-Krise, der, so Söders Einschätzung, gelungen sei. Bis 2024 sollen aus Landes- und Bundesmitteln nun zwei Milliarden Euro fließen.

"Es geht um Sowohl-als-auch"

Digital wird aufgerüstet. Hat die alte Schulwelt damit völlig ausgedient? Werden Schiefertafeln, Hefte und Federmäppchen, die klassischen Schulbücher in naher Zukunft aus dem Klassenzimmer verbannt? Eine Frage, die Bianca Simon mit einem klaren Nein beantwortet. Es müsse das Ziel sein, beides sinnvoll zu nutzen, um einen Mehrwert zu schaffen, erklärt Bianca Simon, die im vergangenen Schuljahr an der Neudrossenfelder Schule unterrichtet hat und medienpädagogische Beraterin für digitale Bildung in den Schulamtsbezirken Kulmbach und Bayreuth ist. Ihre feste Überzeugung: "Es geht nicht um ein Entweder-oder, sondern immer um ein Sowohl-als-auch." Das Digitale und das Analoge müssten sich ergänzen. Wo welches Medium sinnvoll eingesetzt werden kann, sei eine Frage, die der jeweilige Lehrer beantworten müsse.

Eine Bereicherung

Dass Kinder das Lesen und Schreiben auch analog lernen müssten, stehe außer Frage. Doch seien die digitalen Medien eine Bereicherung. Lehrer könnten Erklärvideos zeigen, Schüler eine Buchbesprechung oder ein Referat digital ausarbeiten, es den Mitschülern auf dem Display präsentieren. Der Schüler müsse da nicht mehr unbedingt vor der Klasse stehen, sagt Simon, die deutlich macht, dass der immense Stellenwert moderner Medien beim Homeschooling in der Corona-Zeit deutlich geworden sei. Aus den da gemachten Erfahrungen habe man gelernt: Künftig soll Simon zufolge verstärkt auf Videokonferenzen gesetzt werden. Es gebe diesbezüglich einen neuen Server, auf den 25 Grundschulen aus Kulmbach und Bayreuth Zugriff hätten.

Kein rechtsfreier Raum

Ein Aspekt, der in der Medienerziehung eine wichtige Rolle spielt: Es gehe darum, den Schülern einen mündigen Umgang mit den Medien nahezulegen. Das Internet sei kein rechtsfreier Raum, so Simon. Fakenews würden verbreitet, Bildrechte müssten ebenso wie das Urheberrecht beachtet werden. Grundlegendes Wissen könne man auch schon Grundschulkindern vermitteln, sagt die Digitalberaterin, die auf eine Studie es Deutschen Jugendinstituts verweist, nach der 26 Prozent der Sechsjährigen im Internet unterwegs sind, bei den Achtjährigen 63 Prozent. "Wir müssen den Kindern und Jugendlichen beibringen, welche Rechte und Pflichten sie haben und wie sie digitale Medien reflektiert und mündig einsetzen können."

Die Lehrer, für die es Vorbildungsmaßnahmen gebe, seien gefordert. Dass ältere Kollegen eine Blockadehaltung einnehmen würden, sei ein Vorurteil. "Das hat absolut nichts mit dem Alter zu tun." Sie kenne genügend ältere Kollegen, die wissbegierig und medienkompetent seien. Es gebe auf der anderen Seite auch junge Lehrer, "die zwar neue Medien konsumieren, sie aber nicht sinnvoll in den Unterricht einbinden."

"Digitaler Schulatlas"

Ein weiteres Manko hat Simon ausgemacht: An etlichen Schulen mangelt es nach wie vor an der technischen Ausrüstung. Surfer seien überlastet, hier und da gebe es noch kein Glasfaser-Verbindung. "Da ruckelt das Internet schon mal." In München hat man das erkannt. Bis September soll ein "digitalen Schulatlas" erstellt werden, sagt Söder, um einen Überblick über die Breitband- und Wlan-Versorgung zu bekommen.

Kinder aus Familien, in denen es an digitalen Geräten mangelt, können jetzt auf Leihgeräte zurückgreifen. Der Freistaat hat ein Sonderbudget aufgelegt. Dass jedes Kind im Klassenzimmer über ein Tablet verfügen muss, hält Bianca Simon für übertrieben. Drei Schüler, die sich sein Tablet teilen, das ist ausreichend. "Das regt ja auch das vernetzte Denken an."