Kniehoch steht das Gras auf dem Gelände. Ein paar Metall-Bauteile, die aus dem Boden ragen, unter einem Baum eine kleine befestigte Fläche, auf der vielleicht einmal eine Ruhebank stand, die jetzt aber leer ist: Nach einem Spielplatz sieht das nicht aus.
In der Tat: Der frühere Kinderspielplatz in der Blaich zwischen der Blaicher Straße und der Hugo-Hesse-Straße ist stillgelegt. "Vorübergehend", heißt es aus dem Kulmbacher Rathaus. "Wir werden das Gelände sanieren und den Spielplatz neu einrichten", sagt Simon Ries, persönlicher Referent des Oberbürgermeisters. Wann das sein wird, kann Ries noch nicht sagen. Dazu muss die Stadt Kulmbach erst einmal Klarheit haben, was im Boden unter dem ehemaligen Spielplatz los ist.

Rückblende: Anfang Mai hatte die Frage, was denn eigentlich im Blaicher Boden schlummert, für heftige Aufregung in der Stadt und in den Medien gesorgt. Die Kulmbacher Wohnungsbaugenossenschaft will an der Ecke Michel-Weiß-Straße/Ängerlein ein Wohnhaus errichten. Dort aber ist der Boden womöglich erheblich mit Schadstoffen belastet - ein Erbe aus jener Zeit, als unsere Vorfahren dort Müll entsorgt hatten. Die Baugenossenschaft hatte der Stadt Kulmbach vorgeworfen, das Vorhaben zu behindern, weil sich eine detaillierte Beprobung des Geländes schon viel zu lange hin ziehe. Die Stadt hatte gekontert: Ein Gutachten brauche einfach seine Zeit.

Vorsorglich hatte man den Bewohnern der umliegenden Häuser geraten, kein Obst und Gemüse im Garten anzubauen und Kinder nicht auf dem Boden spielen zu lassen.

Ein wenig aus dem Blick geriet bei dieser Diskussion, dass Monate zuvor auch auf dem Spielplatz in der Blaich Bodenproben genommen worden waren. Keine 300 Meter Luftlinie liegen zwischen dem Spielplatz und dem Baugelände. Droht auf dem Spielplatz womöglich Gefahr?
"Dafür gibt es derzeit keinen Anhaltspunkt", beruhigt Simon Ries, verweist aber auch darauf, dass auch hier erst ein Gutachten wirklich Klarheit bringen wird.
Nachdem die Stadt Kulmbach 2016 von einem Kulmbacher darauf hingewiesen worden war, dass man dort, wo heute die Mehrfamilienhäuser in der Michel-Weiß-Straße und in der Hans-Günther-Straße stehen, vor Jahrzehnten Müll abgelagert hatte, und nachdem eine Überprüfung unter anderem anhand alter Karten das bestätigt habe, habe man auf Empfehlung des Landratsamtes an verschiedenen Stellen Proben gezogen, erläutert Ries. Im August Sommer 2017 seien auch auf dem Spielplatz Proben genommen worden. "Gefunden hat man Asche und Ziegelteile. Es hatten vier so genannte Mischproben. Davon waren bei zweien die Benzoapyren-Werte erhöht."

Benzoapyren, auch als Benzpyren bezeichnet, kommt in Steinkohleteer vor, aber auch in Zigarettenrauch oder beim Grillen über Holzkohle und Kiefernzapfen.

Das Landratsamt als übergeordnete Behörde habe daraufhin empfohlen, die obersten 30 Zentimeter des Bodens auszutauschen. Allerdings sei es ausreichend, wenn dies nach der Spielplatzsaison 2017 erfolge.

Der Kulmbacher Stadtrat habe dann - auch im Zusammenhang mit dem Baugrundstück der Baugenossenschaft - beschlossen, eine Detailuntersuchung durchzuführen. Und genau dieser Beschluss ist Simon Ries zufolge der Grund dafür, dass der Spielplatz entgegen der ursprünglichen Planung zu Beginn der neuen Spielplatzsaison nicht wieder hergerichtet wurde: So eine Detailuntersuchung kostet Geld. 15 000 bis 120 000 Euro könnten das im konkreten Fall sein.

Zwar könne die Stadt Kulmbach für diese Untersuchung und für Sanierungsmaßnahmen, die daraus eventuell resultieren, Fördergelder von der Gesellschaft zur Altlastensanierung in Bayern (GAB) bekommen. "Aber dafür müssen wir den vorzeitigen Maßnahmebeginn beantragen und genehmigt bekommen", erläutert Ries. "Erst dann können wir anfangen. Sonst verbauen wir uns die Option auf eine Förderung."

Eine Gefahr gehe von dem Gelände nicht aus, versichert der Rathaus-Sprecher. "Was da im Boden liegt, liegt seit der Nachkriegszeit da. Generationen von Blaicher Kindern haben dort gespielt - und wir haben keine Hinweise darauf, dass das irgendwem geschadet hätte."
Deswegen wurden auch die Schilder, die noch vor wenigen Wochen das Betreten des Geländes verboten hatten, wieder entfernt. Auch der Durchgang zwischen der Hugo-Hesse-Straße und der Blaicher Straße über den kleinen Fußweg ist frei.

Auf ihren "neuen" Spielplatz werden die Blaicher Kinder freilich noch ein wenig warten müssen. In dieser Saison, so viel steht fest, wird sich noch nichts tun. Auf Schildern an den beiden Zugängen zu dem Gelände wird empfohlen, auf die Spielplätze in Unterpurbach und Ziegelhütten oder auf den Bolzplatz im Grünwehr auszuweichen.