Beim Blick auf die Anzeigetafeln an den Tankstellen wird Jonas Günthner derzeit schwindlig. Der junge Mann muss täglich 90 Kilometer fahren, um von zu Hause zu seinem Ausbildungsplatz und zurück zu kommen. Jonas ist in Wirbenz bei Speichersdorf zu Hause und macht eine Ausbildung zum Anlagenmechaniker bei der Firma Schwender in Thurnau: Im zweiten Lehrjahr bleiben ihm von seinem Lohn rund 800 Euro netto, 340 Euro davon fließen in den Tank - und das nur für die Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstelle. "Das ist erschreckend, wenn man sieht, wie schnell das Geld weg ist. Bis zu 1,62 Euro diese Woche für einen Liter Diesel, das tut schon weh."

Die Preise, die für einen Liter Benzin oder Diesel fällig werden, klettern gefühlt stündlich in die Höhe. Nach einigen Jahren mit eher moderaten Spritpreisen, sind die Kosten in den vergangenen zwei Wochen explodiert.

Wer wie Jonas auf ein Auto angewiesen ist, hat keine Wahl und muss den Tank voll machen. Dasselbe gilt für seinen Arbeitgeber. Auch für sein Unternehmen stellen die hohen Benzinpreise eine enorme Belastung dar, sagt Hans Schwender. Die Mitarbeiter sind mit den Fahrzeugen viel auf Baustellen und im Kundenservice unterwegs: "Die Spritkosten bei uns im Betrieb liegen bei 300.000 Euro im Jahr. Wir rechnen angesichts der aktuellen Entwicklung mit Mehrkosten in Höhe von mindestens 100.000 Euro." Es sei leider nicht möglich, bei laufenden Projekten diese Kosten beim Kunden geltend zu machen. "So drückt die zusätzliche Belastung das Ergebnis. Bei zukünftigen Kalkulationen müssen wir dies bei Wartungs- und Reparaturarbeiten berücksichtigen", sagt Schwender, weiß aber auch, dass es kaum möglich sein wird, alle Kosten umzulegen.

Es sei ärgerlich, so der Handwerksmeister, dass diese Entwicklung vor allem den ländlichen Raum trifft. Einige seiner Mitarbeiter, die täglich weite Strecken pendeln, dürfen teilweise Betriebsfahrzeuge nutzen, so dass sie die erhöhten Kosten nicht allein tragen müssen. "Bei der Beschaffung von Betriebsfahrzeugen wollen wir verstärkt E-Fahrzeuge berücksichtigen, die durch eine eigene Solartankstelle versorgt werden."

Große Probleme bringt die Preissteigerung beim Sprit auch für die Taxiunternehmen mit sich: "Das Defizit bleibt an uns hängen, denn wir können die Kosten nicht einfach an unsere Kunden weitergeben", sagt Monika Gräf, Inhaberin des Kulmbacher Taxiunternehmens Gräf: "Wir rechnen feste Tarife pro Kilometer ab." Das Hauptgeschäft der Taxifahrer sind Krankenfahrten, am Wochenende auch Diskofahrten. Die Entgeltsätze sind mit den Krankenkassen und dem Landkreis vereinbart. "Wenn die Benzinkosten auf dem Niveau bleiben oder gar noch weiter steigen, wird eine Preiserhöhung aber unvermeidlich sein", so Monika Gräf. Die Kulmbacher Taxiunternehmen werden sich untereinander abstimmen, ob und wann sie eine Tariferhöhung beantragen.

Auch Fahrstunden werden teurer

Diejenigen, die Auto- und Lkw-Fahrer ausbilden, spüren den Preisdruck an den Zapfsäulen ebenso unmittelbar. "Das Thema Energiepreise beschäftigt uns seit einigen Wochen ganz gehörig", sagt Michael Möschel, Geschäftsführer der Verkehrsakademie Kulmbach. "Ein Lkw braucht 35 Liter Diesel auf 100 Kilometer. Diese Kosten müssen wir weitgeben." Man warte noch einige Wochen ab, um zu sehen, wie weit die Preise steigen, danach werde man die Fahrstunden-Tarife anpassen.

Das trifft jetzt jeden

Zu einer Belastung werden daneben die Heizkosten, denn mit dem Dieselpreis steigen auch die Preise für Heizöl und Gas. "Schlecht ist, dass in dieser Hochpreisphase der Winter vor der Tür steht. So trifft es jeden Haushalt und jeden Unternehmer", so Möschel. "Wir müssen unser Schulungszentrum mit 1500 Quadratmetern Fläche beheizen und rechnen mit 50 Prozent höheren Heizkosten als im Vorjahr."

Für viele Unternehmen komme erschwerend dazu, dass sie mit Aufträgen im Verzug sind, nachdem durch die Corona-Pandemie in etlichen Bereichen Materialknappheit herrsche. Nachträglich für Produkte und Lieferungen die Preise zu erhöhen, komme selbstverständlich nicht in Frage. Und so blieben die Unternehmen auf den Mehrkosten sitzen. Die Konsequenzen seien noch nicht absehbar, aber Möschel ist überzeugt: "Die Energiekosten werden Preis- und Inflationstreiber."

Und wie reagieren die Privatkunden an den Tankstellen? Herbert Bauer, der mit seinem Bruder und seinem Sohn die Avia-Tankstelle in Trebgast betreibt, spürt sofort einen deutlichen Umsatzrückgang, wenn der Dieselpreis über 1,50 Euro steigt: Dann ist plötzlich Totenstille an unseren Zapfsäulen. Sinkt der Preis, sind die Kunden wieder da."

Der 73-Jährige, der seit mehr als 50 Jahren den Familienbetrieb führt, beobachtet das Verhalten seiner Kunden: "Die Leute achten heute auf jeden Cent, wollen sparen, selbst wenn es nur um kleinste Beträge geht." Wer günstig tanken wolle, solle das nicht morgens zwischen 6 und 8 Uhr tun. Da sei es immer am teuersten.

Geringerer Umsatz an der Zapfsäule bedeutet für Herbert Bauer auch, dass er weniger verdient. Ob 1,30 oder 1,70 Euro - sein Verdienst pro Liter ist immer gleich, aber er verkauft weniger. Auch im Shop. Wer nicht tankt, holt sich keine Snacks.Kritisch werde es, wenn die Hochpreisphase länger dauert. "Dann tragen sich die Personalkosten für Öffnungszeiten von 6 bis 20 Uhr nicht mehr."

Jonas Günthner hofft, dass die Preise nicht noch weiter steigen, denn er würde von seinem Geld gerne noch etwas anderes kaufen als Sprit. Gleichzeitig ist der 18-Jährige sehr umweltbewusst und sieht Vorteile darin, wenn das Autofahren teuer ist: "Es bewirkt halt doch, dass viele Leute auf unnötige Fahrten verzichten. Aber wenn man darauf angewiesen ist, weite Strecken mit dem eigenen Auto zur Arbeit zurückzulegen, dann ist das hart."