Schönes Wetter und Wochenende - Kenner wissen, da kann man sich die Anfahrt zum Görauer Anger gleich sparen, wenn man nicht inmitten einer Menschenmasse wandern will. Das gleiche gilt für Rehberg und Kessel und die etwas weiter entfernt liegenden Ausflugsziele in Fichtelgebirge und Fränkischer Schweiz, wo sich an sonnigen Samstagen und Sonntagen eine regelrechte Blechlawine über die dortigen Wanderparkplätze und Dörfer ergießt.

Corona hat die Situation verschärft, denn die Menschen können nicht verreisen und sind quasi gezwungen, ihre Freizeit in der eigenen Heimat zu verbringen. Und die bietet gerade für Wanderbegeisterte im Kulmbacher Land und seinem nächsten Umfeld schier unendliche Möglichkeiten - auch abseits der ausgetretenen Pfade. Man kann zum Beispiel stundenlang durch den Frankenwald streifen, ohne einem anderen Menschen zu begegnen - selbst an einem Frühlingswochenende. Dafür braucht es lediglich eine Tour-Auswahl abseits der großen Routen. Das Angebot ist riesig und wird auf den entsprechenden Internetseiten von Frankenwaldverein und Frankenwald-Tourismus bestens präsentiert. Noch dazu ist das Wegenetz perfekt ausgeschildert, so dass man praktisch ohne Wanderkarte losziehen kann.

Wandern mit "Hinterindien"

Die benötigt man auch nicht, wenn man nach einer Tourenempfehlung des Online-Wanderportals "Hinterindien" läuft, denn detailreiche Wegbeschreibungen und dazu passende, stimmungsvolle Fotografien sind das Markenzeichen von Heiko Hartmann. Der 46-jährige Kulmbacher hat im Jahr 2000 damit begonnen, fränkische Wander- und Ausflugsziele ins Internet zu stellen. Aus den bescheidenen Anfängen ist mittlerweile eine in ganz Franken und darüber hinaus bekannte Wander-Plattform geworden mit einer von Heiko Hartmann selbst gestalteten, professionellen Homepage, plus Facebook-, Instagram- und Tiktok-Auftritt. 40 000 Besucher zählt seine Homepage jedes Jahr, fast 3000 Follower hat er bei Facebook, 750 Abonnenten bei Instagram. Seine 120 Tourenvorschläge sind außerdem bei der Wander-App Komoot zu finden. "Oft werde ich überregional angesprochen, die Seite hat inzwischen einen hohen Bekanntheitsgrad", erzählt der 46-Jährige.

Die Wanderlust wurde Heiko Hartmann quasi in die Wiege gelegt, schon als Kind war er mit der Familie in der fränkischen Heimat unterwegs. Heute läuft er am liebsten mit Freunden oder auch mal alleine, "das ist meditativ". Jeden Sonntag ist er unterwegs, und im Sommer - wenn es abends länger hell ist - auch unter der Woche. Die Ergebnisse seiner Streifzüge durch Franken bereitet er dann für seine Internet-Fangemeinde auf. Manchmal muss er eine Tour drei Mal gehen, bis er alle Informationen und Bilder zusammen hat. Die Gestaltung fürs Internet - die Nutzung ist mit mobilen Endgeräten gut möglich - dauert dann noch mal einige Abende. So zeitaufwendig "Hinterindien" für Heiko Hartmann auch ist - es ist ein Hobby. Hauptberuflich arbeitet der Kulmbacher in einer Werbeagentur im Coburger Land.

Unterwegs in ganz Franken

Dem "Hinterindien"-Macher ist es wichtig, mit seinen Touren ganz Franken abzudecken - vom Höllental im Nordosten bis zum Petersberg bei Bad Windsheim im Südwesten, vom Großen Brombachsee im Süden bis zu den Gleichbergen hoch im Norden. Selbst den Süden Thüringens - das historische "Henneberg-Franken" - schließt er mit ein. "Wir haben eine wunderbar vielfältige Region, von den mittelfränkischen Ebenen im Nürnberger Land bis zu 1000 Meter hohen Bergen im Fichtelgebirge. Die Bandbreite ist der Hammer."

Und genauso vielfältig sind auch seine Tourentipps - in Länge, Anspruch und Ziel. Natürlich hat er die Klassiker wie Ochsenkopf, Staffelberg und Mainzusammenfluss im Programm, die dürfen nicht fehlen. Aber oft nimmt er seine Follower eben gerade in die hintersten Winkel Frankens mit und stellt der breiten Öffentlichkeit Runden vor, die man so nicht auf dem Plan gehabt hätte. "Wir leben in einer Region, die den etablierten deutschen Urlaubsgebieten in nichts nachsteht und durchaus mit manch Exotischem überrascht", sagt er aus voller Überzeugung. Der Name "Hinterindien" ist also Programm.

Die Leute entdecken ihr eigene Heimat

Das haben in der Pandemie auch viele andere Menschen erkannt. "Der Trend zum Wandern und zurück zur Natur kam schon vor Corona auf, aber er hat sich durch den Lockdown natürlich multipliziert", sagt Heiko Hartmann, der anhand des Feedbacks festgestellt hat: "Die Leute haben den Reiz der Heimat jetzt nachweislich für sich entdeckt und wissen nun, dass es vor unserer Haustür auch schön ist." Selbst der Wanderprofi entdeckt auf seinen Touren durch das Kulmbacher Land und Franken immer noch Neues und hat spannende Begegnungen. So wie neulich an der Rotmainquelle im Lindenhardter Forst, wo er auf ein Fernsehteam des Bayerischen Rundfunks traf und spontan Dreharbeiten für die Sendung "Wir in Franken" entstanden.

Fast jeden Tag versorgt Heiko Hartmann seine Fangemeinde in den sozialen Medien mit "hinterindischen" Momenten. Doch am besten ist es, sie selbst zu erleben. "Wer die Hinterindien-Touren wandert, der lernt ganz Franken kennen", verspricht er.

Hier findet man Wandertipps

www.hinterindien.de

www.frankenwaldverein.de

www.frankenwald-tourismus.de

Wandertipps der Redaktion

Steigla Achatzmühlenweg

Den Frankenwald kann man auf 32 Frankenwald-Steigla erkunden. Die bestens markierten Rundwege in unterschiedlichsten Längen gelten als die schönsten Wanderrouten in den Landkreisen Kulmbach, Kronach und Hof. Man kann sie ab dem jeweiligen Ausgangsort bedenkenlos auch ohne Wanderkarte laufen. Im Landkreis Kulmbach gibt es neun Steigla. Eines davon ist der Achatzmühlenweg, der ab Marienweiher auf 11,4 Kilometern durch Wälder und über Wiesen führt. Das Motto "Stille hören" wird auf der beschaulichen Strecke mit wunderschönen Ausblicken und alten Martern voll erfüllt.

Start: Ortsmitte Marienweiher; Länge: 11,4 km; Dauer: ca. 3,5 Stunden; Steigla-Markierung

Hornschuch-Pfad Kasendorf

Rund um Kasendorf gewährt der 8,5 Kilometer lange Fritz-Hornschuch-Naturpfad spannende Einblicke in Geologie, Geschichte und die Natur der Region. Die Wanderer passieren den Pfarrwald mit den prähistorischen Hügelgräbern und das Felsentor bei Reuth, können Ausblicke vom Sonnentempel und Magnusturm auf Kasendorf genießen und sogar einen Abstecher zur Friesenquelle machen. Der Hornschuch-Naturpfad ist vor allem für Familien eine abwechslungs- und lehrreiche Tour.

Start: Wanderparkplatz am Ortseingang Kasendorf; Länge: 8,5 Kilometer; Dauer: ca. 3 Stunden; Markierung: Balken weiß-blau

Thiesenring Bad Berneck

Der Thiesenring ist der große Wanderweg rund um Bad Berneck und gilt als einer der schönsten Wanderwege in Nordbayern. Die zehn Kilometer lange Rundwanderung besticht durch eine Vielfalt an Aussichtspunkten, historischen Stätten (Burgen, Bergwerke), Naturschönheiten und dem Wechsel zwischen Wald und Lichtung, Berg und Tal. Die Tour ist anspruchsvoll, aber kurzweilig.

Start: Dendrologischer Garten Bad Berneck; Länge: 10 Kilometer; Dauer: ca. 3,5 Stunden; Markierung: rote Tanne

Felsenlabyrinth Ebneth

Die Ebnether Keller sind vor allem für Familien ein lohnendes Ausflugsziel. Die imposanten Felsformationen befinden sich im Wald (Wanderparkplatz am Fernsehumsetzer) und sind seit mehr als 40 Jahren als Naturdenkmal geschützt. Die Sandsteinfelsen dienten früher als Lagerraum für Bier und Lebensmittel und sind vor allem für Kinder ein wahrer Abenteuerspielplatz. Die Gegend um das Felsenareal kann man auf verschiedenen Wanderwegen erkunden.

Startpunkt: Wanderparkplatz am Ortsrand von Ebneth; verschiende Rundwanderungen möglich