Der Tod ist sein Geschäft. Verstorbene abholen, all die behördlichen und kirchlichen Formalitäten klären, mit den Angehörigen die Traueranzeige für die Zeitung absprechen, sich um die würdevolle Beisetzung kümmern - das alles gehört zum Berufsalltag von Bestatter Frank Stief aus dem Thurnauer Ortsteil Tannfeld.

In kompletter Schutzmontur

"Mit Corona ist aber vieles anders geworden", sagt der 39-Jährige, den ein mulmiges Gefühl beschleicht, wenn er am oder mit dem Virus Verstorbene im Krankenhaus abholen muss. In voller Schutzmontur einschließlich Atemschutzmaske betritt er dann das Klinikum, wo die Toten in den Kühlzellen gelagert werden. Ob er Angst hat, sich anzustecken? "Angst habe ich natürlich, auch wenn ich Schutzkleidung trage."

Lebt das Virus weiter?

Mit acht Corona-Toten hatte er bis dato zu tun. Acht Mal musste er besondere Vorsicht walten lassen. Die uralte Angst, dass Leichen ansteckend sind oder über ihre Haut ein besonderes Gift (das sogenannte Leichengift) absondern würden, ist zwar bei Todesfällen unter normalen Umständen unbegründet - bei Corona möglicherweise aber nicht. Stief weiß, dass vermutet wird, dass das Virus mehrere Tage im Körper eines Verstorbenen weiterleben kann. Was Camelia Fiedler, die Leiterin des Gesundheitsamtes in Kulmbach, bestätigt.

Bestimmte Krankheitserreger können nach dem Tod im Körper weiter existieren, so in der Lunge, die nach dem Tod häufig noch Luft enthält. Wird der Verstorbene bewegt, kann die Luft mit dem Virus aus der Lunge entweichen. Auch eine Infektion durch austretende Flüssigkeiten an Körperöffnungen wie Mund, Nase und Ohren sowie offenen Wunden kann nicht ausgeschlossen werden. "Diese Begleitumstände können auftreten. Deswegen sollen die Bestatter Vorsichtsmaßnahmen treffen", so die Kulmbacher Amtsärztin Camelia Fiedler.

Verband fordert Impfung

Frank Stief geht auf Nummer sicher. Dass er bei seiner Arbeit Schutzkleidung trägt, ist vorgeschrieben, für ihn auch selbstverständlich. Regelmäßig lässt er sich zudem auf Covid-19 testen, denn er ist sich bewusst, dass er zu einer Berufsgruppe zählt, die besonderen Risiken ausgesetzt ist. Der 39-Jährige unterstützt die Forderung des Berufsverbandes, der die Impfung für Bestatter einfordert. "Auch wenn ich ehrlich gesagt schon etwas Angst vor möglichen Nebenwirkungen habe."

Sarg wird desinfiziert

Die Covid-19-Verstorbenen werden in ganz speziellen Leichensäcken, dichten Bodypacks aus verrottbarem Material, transportiert und begraben. Die Außenflächen des Sarges müssen mit einer Sprühdesinfektion behandelt, der Sarg muss von außen als "infektiös" gekennzeichnet werden. Meist würden sich die Verstorbenen und deren Angehörige für eine Verbrennung aussprechen. " Erdbestattungen finden kaum statt", sagt Stief, der die Toten ins Krematorium nach Bayreuth fährt. Auch dort sei man angesichts der wachsenenden Zahl an Leichen inzwischen an den Kapazitätsgrenzen angelangt. "Deshalb wurde auch ein zusätzlicher Kühlcontainer aufgestellt ."In Bayern dürfen Verstorbene frühestens 48 Stunden nach dem Ableben eingeäschert werden. "Anders als etwa in Thüringen, wo es eine zweite Leichenschau gibt", sagt der Bestatter aus dem Thurnauer Land. Weil in den Krematorien viel zu tun ist, dauert es derzeit mitunter etwas länger, bis die Bestatter die Urnen wieder abholen können. Eine Erfahrung, die auch Frank Stief gemacht hat.

Alles geht online

Für ihn und seine Kollegen hat sich nicht nur der Umgang mit den Toten, sondern auch der mit den Angehörigen verändert. Sich mit den trauernden Familienmitgliedern an einen Tisch zu setzen, das ist in Corona-Zeiten nicht drin. "Wenn einer an Covid-19 gestorben ist, werden alle Regularien schriftlich per E-Mail geklärt", teilt der 39-Jährige mit. Kontakte sollten, wo möglich, vermieden werden. "Das ist ein Vorgabe, an die wir uns halten."

Bestattungen werden vertagt

Auch die Anzahl der Trauergäste bei Bestattungen ist pandemiebedingt begrenzt. "Nur der engste Familienkreis darf kommen. Maximal 25 Personen", sagt Stief, der mitteilt, dass viele Angehörige die Beisetzungen deshalb auf das Frühjahr oder den Frühsommer verschieben. "In der Hoffnung, dass sich die Corona-Lage bis dahin soweit entspannt hat, dass wieder mehr Gäste an der Trauerfeier teilnehmen können."

Urnen bleiben im Geschäft

Wo die Urnen mit der Asche der Verstorbenen bis dahin gelagert werden? "Bei uns im Geschäft ", sagt der Bestatter aus dem Thurnauer Oberland, der in den vergangenen Monaten erfahren musste, dass sich mit dem Corona-Virus nicht nur das ganz normale Leben, sondern auch das Geschäft mit dem Tod gewaltig geändert hat.