Eine Überraschung war es für die Verantwortlichen im Landkreis Kulmbach nicht: Dass am Dienstag der sogenannte Sieben-Tage-Inzidenz-Wert, der Aufschluss gibt über das Infektionsgeschehen in einer Region, über die kritische Grenze von 50 gestiegen ist, hat sich schon Tage vorher abgezeichnet.

Die Folgen sind wohl unausweichlich: Für den Landkreis Kulmbach gelten ab sofort verschiedene Kontaktbeschränkungen - vorläufig bis einschließlich 22. September. Voraussetzung dafür, dass dann das öffentliche Leben wieder läuft wie in den letzten Wochen, ist freilich, dass sich der extreme Anstieg der Infektionszahlen der letzten Tage nicht fortsetzt.

Derzeit gibt es im Landkreis 41 Menschen, bei denen eine Corona-Infektion nachgewiesen wurde. 38 davon waren erst in den letzten Tagen positiv getestet worden. Ein weiterer Anstieg ist nicht ausgeschlossen. Noch nämlich stehen rund 200 Tests aus - ausschließlich an Personen, die direkten Kontakt mit Infizierten hatten.

Vier Klassen in Quarantäne

Beim Landkreis Kulmbach ist man sich sicher, dass die meisten der Infektionen auf eine private Feier junger Leute zurückzuführen ist. Einige Gäste haben sich dort angesteckt und das Virus weitergetragen an Familienmitglieder, Arbeitskollegen, Sportkameraden - oder an Mitschüler.

Besonders arg getroffen hat es die Carl-von-Linde-Realschule. Dort sind mittlerweile vier Klassen in Quarantäne. Eine weitere Klasse musste am Beruflichen Schulzentrum in Quarantäne geschickt werden - insgesamt nach Aussage von Gesundheitsamts-Chefin Camelia Fiedler etwa 150 Schüler und 20 Lehrer.

Dieses Infektionsgeschehen bezeichnete Landrat Klaus Peter Söllner als besonders bedauerlich, sei doch noch gut eine Woche zuvor am 7. September der Landkreis Kulmbach der einzige in Bayern ohne eine aktive Corona-Infektion gewesen.

Nun greift das, was Oliver Hempfling, Kopf des Krisenstabes im Landkreis, als das Frühwarnsystem des Freistaates Bayern bezeichnet. Bei einem Sieben-Tage-Inzidenz-Wert von 35 gelte es, wachsam zu sein. Werde der Wert von 50 überschritten, müssten Maßnahmen getroffen werden, um das Infektionsgeschehen einzudämmen.

Im Landkreis soll das mit einer Allgemeinverfügung erreicht werden. Die gilt zunächst einmal für eine Woche. In dieser Zeit, werde man die Entwicklung beobachten und dann entsprechend reagieren. Das heißt nichts anderes, als dass die Beschränkungen auch über den 22. September hinaus gültig bleiben könnten, sollten die Infektionszahlen nicht deutlich sinken.

Fußball: Alles noch offen

Vage bleibt die Verfügung, was den Sport angeht. Für den Trainingsbetrieb sind die Regelungen klar (siehe Ziffer 5). Ob im Fußball am Wochenende ein Spielbetrieb möglich ist, sei, so Landrat Söllner, noch nicht endgültig entschieden. Auch hier hänge es letztlich davon ab, wie stark und auf welchen Wegen sich das Virus weiterverbreite. "Wir sind im Gespräch mit den Verantwortlichen des Fußball-Kreises und werden wohl am Donnerstag oder Freitag zeitnah eine Entscheidung treffen."

Folgen hat die Kulmbacher Corona-Welle auch für Kliniken, Alten- und Pflegeheime, Schulen und Kindergärten. Für das Klinikum Kulmbach und die Fachklinik Stadtsteinach ist bereits ein umfassendes Besuchsverbot erlassen worden. Alten- und Pflegeheime sind gehalten, individuelle Besuchsregelung zu treffen.

Wie Schulamtsleiter Michael Hack erläuterte, bleibt die zu Schuljahresbeginn angeordnete Maskenpflicht auch im Unterricht über die ursprünglich angedachte Zwei-Wochen-Frist hinaus zunächst bestehen und wird auf die Grundschulen ausgeweitet. Maskenpflicht besteht Hack zufolge auch im Sport- und im Musikunterricht. Neu ist Hack zufolge, dass Kinder, die bisher mit leichten Krankheitssymptomen wie etwa einem Schnupfen am Unterricht teilnehmen durften, jetzt dafür eine Unbedenklichkeitsbescheinigung eines Arztes benötigen.

Rainer Blüchel, beim Landkreis zuständig für Kindertagesstätten, machte deutlich, dass man zunächst auf die Teilung von Kindergartengruppen und ähnliche Maßnahmen verzichte. Allerdings gelte ab sofort eine Maskenpflicht für das Personal und die Auflage, feste Gruppen zu bilden. "Auch wir warten ab, was sich entwickelt."