Der Campus kommt. Doch wann, und welches Gesicht wird er bekommen? Fragen, die noch lange nicht geklärt sind. Geduld ist gefragt: Vor dem Jahr 2032 werden wohl kaum Studenten auf dem Güterbahnhofsareal studieren. Dessen sind sich auch Gründungsdekan Stephan Clemens und Campus-Koordinatorin Susanne Strebin bewusst.

Der Wettbewerb

2023 soll ein Architektenwettbewerb ausgelobt werden. Gedanken, wie sich das Universitätsgelände einmal präsentieren könnte, haben sich vorab aber schon Architektur-Studenten der Hochschule Coburg gemacht, die ihre Visionen am 9. Juli, dem "Campus-Tag", von 10 bis 15 Uhr der Öffentlichkeit in der alten Villa auf dem Spinnereigelände in Kulmbach präsentieren.

Die alten Bahnhofsgebäude

Zu den Studenten des siebten Semesters, die das Zehntausende Quadratmeter große Areal beplant haben, gehören Timo Dötzer und Samuel Kettler, zwei junge Männer, die sich wünschen, dass die noch bestehenden Güterbahnhofsgebäude erhalten bleiben - weil sie das Gelände prägen und für die Kulmbacher Bevölkerung identitätsstiftend seien. Wohlwissend, dass die Gebäude wegen der von der Stadt geplanten Tangente wohl weichen müssen.

Keine Fans der Tangente

Dem Straßenbauprojekt stehen Dötzer und Kettler skeptisch gegenüber. Wie auch ihr Professor Frank Lang: "Mehr Straßen führen selten zu weniger Verkehr." Auch Gründungsdekan Stephan Clemens ist "kein Freund der Tangente", die den hinteren Bereich des Areals, auf dem Grünflächen geschaffen werden sollten, belasten würde. Die neue Straße würde auch nur Teile des Verkehrs abfangen, so Clemens. Was ihm wichtig ist: Es müssten fußläufige Verbindungen geschaffen werden zu Unternehmen wie Kulmbacher Brauerei, Ireks und Raps, aber auch zum Max-Rubner-Institut und zur Lebensmittelfachschule.

Die Kreuzung

Wie das Campusareal mit der Innenstadt verbunden werden kann? Hier sei etwa eine Überbauung der Spinnerei-Kreuzung ("Sie ist das Nadelöhr") mit einer Brücke eine Option, sagt Professor Lang, der von einer Herausforderung spricht. Der Güterbahnhof ist aus seiner Sicht als städtische Restfläche für den Campus prädestiniert, das Areal sei aber auch schon vorstrukturiert aufgrund benachbarter Firmengebäude.

Neue Perspektiven

Eine neue Perspektive des Lernens und Lehrens, aber auch die Verknüpfung mit der Stadtgesellschaft haben die Studenten bei der Gestaltung des Unigeländes im Auge gehabt. Sie sollten einen nachhaltigen Campus entwerfen, in dem ressourcenschonend gebaut wird. "Sparsame Architektur" ist das Ziel, der Flächenverbrauch soll minimiert werden. "Man muss sich auch die Frage stellen, ob alles gedämmt sein muss", sagt Timo Dötzer, der sich Gebäude vorstellen kann, die großen Gewächshäusern ähneln und in denen dann auch Pflanzen wachsen. "Man kann an den Lebensmitteln forschen, sich von ihnen aber auch ernähren. Das ist passend für einen Campus für Lebenswissenschaften."

Das Treppenhaus

Er und Samuel Kettler haben in ihren Entwurf ein Terrassenhaus integriert, in dem Appartements errichtet werden könnten. In den oberen Stockwerken seien wie in in vielen Geschäftshäusern der Altstadt private Räumlichkeiten untergebracht, im unteren Bereich gebe es öffentliche Zonen. Mit einer Stahlgerüstkonstruktion könne "die Natur umbaut werden", sagt Samuel Kettler. Ohnehin sollte die Natur auf dem Campus mit seinen hierarchiefreien Lern- und Arbeitsräumen das verbindende Element sein.

"Resonanz überaus positiv"

Die fünf studentischen Arbeiten, die am Campus-Tag gezeigt werden, wurden bereits Vertretern des Ministeriums, der staatlichen Bauverwaltung und der Universität vorgestellt. "Die Resonanz war überaus positiv", sagt die frühere Bauabteilungsleiterin an der Regierung von Oberfranken, Marion Resch-Heckel, die den Kulmbacher Campus-Aufbau begleitet.

Beeindruckt zeigte sich auch Gründungsdekan Stephan Clemens, der den Elan und das Engagement der Stundenten bewunderte, der bei den Real-Planungen für den Campus indes eines sehr vermisst: Koordination. "Jeder macht zwar für sich seine Hausaufgaben, es fehlt aber eine zentrale Stelle."

Auch Kinosaal wurde schon genutzt

Koordination, die gerade im Uni-Alltag immer wieder gefragt ist. Einmal war ein Kino im Cineplex Hörsaal, zurzeit weichen Studenten und Professoren in die Tanzschule Barbic oder Räume eines Pfarrzentrums aus. "Wir hoffen, dass wir im September in die Spinnerei-Räume einziehen können", sagt der Gründungsdekan, der sich der Tatsache bewusst ist, dass es noch viel Zeit braucht, bis aus den Campus-Visionen Realität wird.