Der erste Schock hat sich gelegt, ein mulmiges Gefühl bleibt wohl bei allen Beteiligten: Am frühen Samstagmorgen hat ein Feuer ein Fahrzeug des Patientenfahrdienstes des Bayerischen Roten Kreuzes so schwer beschädigt, dass es wohl nicht mehr zu reparieren ist. Die Polizei geht von Brandstiftung aus.
Das ruft wohl nicht nur bei haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitern des BRK-Kreisverbandes Kulmbach eine Reihe von Ereignissen Ende des Jahres 2016 in Erinnerung. Damals hatte es so ausgesehen, als habe man es mit einer ganzen Serie von Anschlägen auf Fahrzeuge und Einrichtungen des Roten Kreuzes zu tun. Mittlerweile geht man von einem zufälligen Zusammentreffen mehrerer Ereignisse aus.
Dass der Brand eines Einsatzfahrzeuges der Kulmbacher Wasserwacht im November 2016 allerdings wirklich ein Anschlag war, steht fest. Ein 35-Jähriger war damals als mutmaßlicher Brandstifter ins Visier der Ermittler geraten, vor Gericht dann aber - trotz erheblicher Verdachtsmomente - freigesprochen worden, weil die Beweislage zu dünn war. Der Vorfall ist also bis heute nicht wirklich geklärt.

Nun hat es erneut gebrannt. Und erneut hat , davon geht die Polizei zum derzeitigen Zeitpunkt aus, jemand das Feuer vorsätzlich gelegt.

Kurz vor 4.30 Uhr am Samstagmorgen hatte eine Frau das Feuer auf dem Parkplatz des BRK an der Wilhelm-Meußdoerffer-Straße bemerkt und einen Notruf abgesetzt. Ein Streifenfahrzeug der Polizeiinspektion Kulmbach war schnell vor Ort. Der Besatzung gelang es, das Feuer am rechten Hinterrad noch vor dem Eintreffen der Feuerwehr zu löschen. Dennoch entstand an dem Fahrzeug erheblicher Sachschaden.

Der Kreisgeschäftsführer des BRK, Jürgen Dippold, der kurz vor fünf Uhr am Morgen von dem Brand informiert worden war, geht davon aus, dass das Fahrzeug, ein Ford Transit, nicht mehr zu reparieren ist. "Der Innenraum ist total verkohlt." Auf rund 27 000 Euro beziffert Dippold die Kosten für ein neues Fahrzeug.
Der durch das Feuer verursachte Schaden beschränkt sich allerdings nicht auf den materiellen Wert des Autos. Der Ford war eines der Autos des Patientenfahrdienstes. Mit ihnen werden zum Beispiel Menschen, die aus gesundheitlichen Gründen nicht in der Lage sind, selbst Auto zu fahren oder öffentliche Verkehrsmittel zu benutzen, zum Arzt gefahren. Täglich acht bis zehn Fahrten würden mit einem solchen Auto organisiert, so Dippold. Damit der Betrieb auch am Montag problemlos laufe, habe man sich schon um Ersatzfahrzeuge von anderen Kreisverbänden bemüht.

"Tief betroffen" sei er, sagt der Geschäftsführer. "So ein Anschlag an sich ist schlimm. Aber dass es ausgerechnet ein Fahrzeug betrifft, mit dem anderen Menschen geholfen wird..."

Dankbar ist Dippold der Polizeistreife, die durch ihr beherztes Eingreifen wohl noch größeren Schaden verhindert habe. Immerhin stehen auf dem Gelände an der Wilhelm-Meußdoerffer-Straße neben den Fahrzeugen des Fahrdienstes auch Einsatzfahrzeuge der Wasserwacht und der Bergwachtbereitschaft Kulmbach-Obermain - einige davon in verschlossenen Garagen, einige aber auch im Freien unter einem Carport in unmittelbarer Nachbarschaft des beschädigten Wagens.

Ob der gleiche Täter wie im November 2016 wieder zugeschlagen hat? Jürgen Dippold will sich da nicht äußern, warnt vor Spekulationen. Aber immerhin: Der BRK-Kreisverband sucht jetzt dringend nach einer abschließbaren und damit sicheren Unterstellmöglichkeit für seine Fahrzeuge.