Das Verbotsschild kommt weg, die Tiefgarage ist bald wieder freigegeben für Elektro- und Hybrid-Autos. Alles eitel Sonnenschein also? Nicht für Jürgen Öhrlein. Der ehemalige Kreisrat, Ingenieur und bekennende E-Mobilist zweifelt erheblich an der Notwendigkeit der geplanten hohen Investitionssummen der Stadt Kulmbach für einen etwaigen Brandfall. Die Rede ist von 80000 Euro für den ertüchtigten Brandschutz. "Das sind Kosten, die nichts mit der Wirklichkeit zu tun haben - wenn das jeder Mehrfamilienhausbesitzer mit Tiefgarage stemmen müsste, das wäre ja Wahnsinn", sagt Öhrlein im Gespräch. Und er verlangt nach Antworten.

Herr Öhrlein, selbst nach der Sitzung des Stadtrats und dem vermeintlich begrabenem Kriegsbeil zwischen E-Auto-Fahrern und der Stadt zweifeln sie an der Richtigkeit des Beschlusses. Warum?

Jürgen Öhrlein: Das tue ich, allerdings. Und zwar schon deshalb, weil der erste logische Fehler ja nicht behoben wurde: Man geht immer noch davon aus, dass E-Autos gefährlicher sind als Verbrenner. Von dieser falschen Annahme leitet sich die Entscheidung des Stadtrats ab, 80000 Euro für den Brandschutz in der Tiefgarage zu investieren. Um das zu bewerten, muss man sich überhaupt einmal mit dem Brand eines E-Fahrzeugs in der Tiefgarage auseinandersetzen. Danach ist abzuwägen, welcher Kostenansatz für die Brandbekämpfung notwendig wird.

Das müssen Sie genauer erklären.

Bei einem Fahrzeugbrand allgemein, meist durch eine Kurzschlussreaktion bei älteren Autos ausgelöst, kommt es beim Kabelbrand anfänglich zu einer Rauchbelastung. Diese Rauchentwicklung wird von einer Brandmeldeanlage durch Rauchmelder erkannt, die Alarmierung der Feuerwehr ist die Folge. Das Feuer breitet sich in den ersten Minuten relativ langsam aus, so dass fünf bis zehn Minuten vergehen, bis der Rauch und die Flammen den Innenraum erreichen. Dann kommt es zu einer sehr intensiven Rauchentwicklung.

Bis zum Eintreffen der Feuerwehr entwickelt sich der Fahrzeugbrand weiter, und nun entsteht auch Hitze. Diese löst die Sprinkleranlagen aus. Der Gefahrenbereich wird mit Wassernebel großflächig abgekühlt. Das Löschwasser prallt auf einen Sprühteller, der es gleichmäßig über den Brandherd verteilt. Dabei wird das Feuer entweder mit wenigen Sprinklern gelöscht oder zumindest der eigentliche Brandherd stark abgekühlt. Sollte sich der Brand weiter ausbreiten, springen benachbarte Sprinkler an, sodass großflächig ein Wassernebel über dem Brandherd und benachbarte Autos liegt.

Ist das in Kulmbach anders?

Nun ja, üblicherweise gibt es in brandgefährdeten Objekten Rauchabzugsklappen, die in einem solchen Fall öffnen und Heißluft und Rauch aus dem Gefahrenbereich nach außen ableiten. Diese Rauchabzugsklappen fehlen offensichtlichen in Kulmbach, möglicherweise ein Zugeständnis an die Bierwoche und den Zeltaufbau. Beim Eintreffen der Feuerwehr ist also davon auszugehen, dass die Sprinkleranlage die benachbarten Fahrzeuge vor Brand schützt und der eigentliche Brandherd abgekühlt wird. Aufgrund fehlender Rauchabzugsklappen ist von einer starken Rauchentwicklung auszugehen, die das Auffinden des Brandherdes erschwert.

Das Fahrzeug wird dann mit Wasser/Schaum abgelöscht und kühlt ab, bis es mittels Hydraulik-Autolift - kostet um die 400 Euro - aus der Tiefgarage nach außen geschoben werden kann. Am Ausgangstor kann es dann vom Abschleppdienst abgeholt werden. Bei dem Brandfall in der Tiefgarage wurde zum Abtransport des Pkw laut Presse diese Aktion praktiziert. Es ist also davon auszugehen, dass der Feuerwehr nicht nur diese Teile bekannt sind, sondern sich sogar im Zugriffsbereich der Kulmbacher Feuerwehr befinden. Darüber schweigt man, weil das vorhandene System zu einfach ist und dann keine Investitionen durchsetzbar sind.

Nun gelten die Bedenken der Feuerwehr aber dem Brand eines E-Autos.

Richtig. Der Unterschied zwischen dem Brand eines E-Fahrzeugs und eines Fahrzeugs mit Verbrennungsmotor ist wesentlich: Bei einem Verbrennungsmotor mit gefüllten Benzintank besteht akute Explosionsgefahr, wenn das Fahrzeug in Vollbrand gerät. Dies gefährdet die Einsatzkräfte der Feuerwehr und beeinflusst massiv die Brandbekämpfung. Bei einem E-Fahrzeug fehlt diese Energiequelle Benzin, hier ist im Regelfall ein Lithium-Akku an der Fahrzeugunterseite eingebaut. Wenn beim E-Auto ein Kurzschluss entsteht, ist der Brandablauf vergleichbar mit dem beim Verbrennungsmotor. Auch hier ist das Verbrennen der Kunststoffteile mit der Rauchentwicklung das Hauptproblem. Auch hier wird durch die Sprinkleranlage die Temperatur begrenzt, sodass eine Löschschutzdecke der Größe sechs mal acht Meter von der Feuerwehr über das brennende Fahrzeug gezogen werden kann. Wegen der fehlenden Sauerstoffzufuhr erstickt der Brand, ohne dass zusätzliche Löschmaßnahmen notwendig werden. Durch diese Decke kann kontaminiertes Löschwasser stark reduziert werden.

Was ist mit der Batterie?

Nach dem Abkühlen des Fahrzeuges ist möglicherweise die Lithium-Batterie weiterhin aktiv und kann innerhalb von maximal 48 Stunden neue Brände auslösen. Aufgrund fehlender Sauerstoffzufuhr durch die Brandschutzdecke ist ein neuer Brand über Stunden hinweg ausgeschlossen. Auch hier wird mit Hydraulik-Autolift das Fahrzeug um drei bis fünf Zentimeter angehoben und von vier Leuten zum Ausgang geschoben. Und nochmals: Es besteht beim E-Auto keine Explosionsgefahr und das Fahrzeug kann dann vom Abschleppdienst ab dem Tor der Tiefgarage mittels Seilwinde herausgezogen und abtransportiert werden. Der weitere Ablauf bleibt dem privaten Abschleppunternehmen überlassen, ob er einen "Rescue Bag" einsetzt, das Fahrzeug auf dem Schrottplatz ausbrennen lässt oder medienwirksam im Wasser versenkt, spielt keine Rolle mehr.

Sie halten die geplanten Investitionen also für übertrieben?

Es ist völlig unverständlich, wenn hier bei der Stadt ein Beschluss des Stadtrats einstimmig gefällt wird, dass zum Herausziehen eines abgelöschten Fahrzeugs ein Teleskoplader im Wert von 80 000 Euro angeschafft werden soll. Dies ist reine Geldverschwendung, und gerade Kulmbach sollte sich angesichts der hohen Verschuldung vor solchen Aktionen hüten. Es ist nachvollziehbar, dass der Bauhof sich über einen Teleskoplader freuen würde, aber bitte nicht mit der Begründung, dieser sei für die Brandbekämpfung in der Tiefgarage notwendig. Hätten die Verantwortlichen im Bereich der Tiefbauabteilung und Verwaltung nach Alternativen gesucht, zum Beispiel den Maschinenring oder Baufirmen kontaktiert, die solche Geräte bereithalten können, wäre auch diese preisgünstige Leasing-Lösung überlegenswert gewesen. Eine Neuanschaffung eines zigtausende Euro teuren Geräts für einen Brand eines E-Autos, der nach Erfahrungswerten in den nächsten zehn Jahren nie eintreten wird, ist unverantwortlich.

Wie lautet Ihr Vorschlag?

Vielleicht sollte man einen Teil des eingesparten Geldes in die Anschaffung eines E-Fahrzeugs für die Tiefbauabteilung investieren, damit die dort zuständigen Stellen endlich verstehen, dass die E-Mobilität die Zukunft ist und kein höheres Gefahrenrisiko beinhaltet als ein Auto mit einem Verbrennungsmotor.

Auch wenn das Ereignis vielleicht selten eintritt, sind die Kosten doch anscheinend immens. Die Stadt beziffert die Folgen des jüngsten Brandes auf 200000 Euro.

Für mich als Techniker ist nicht nachvollziehbar, dass die Sanierung diese Summe verursacht haben soll. Es handelt sich um ein neu gebautes Objekt, bei dem alle gültigen Brandschutzvorschriften und Vorkehrungsmaßnahmen einzuhalten waren. Das bedeutet, dass Beschädigungen, zum Beispiel der Decke durch Hitze, mit einer Kombination von Sprinkleranlage und feuerbeständigen Bauteilen auszuschließen sind. Wofür ist dann diese Summe aufgewendet worden? Warum fehlen die Rauchabzugsklappen, die einen risikoärmeren Löscheinsatz der Feuerwehr begünstigen würden? Da die Tiefgarage keine Fensteröffnungen hat, sind solche automatisch öffnenden Klappen oder eine spezielle Lüftung für die Brandbekämpfung erforderlich.

Zu klären wäre auch: Ist der Ausbildungsstand der Führungskräfte der Kulmbacher Feuerwehr im Vergleich zu anderen Feuerwehren, die für ähnliche Objekte den Brandschutz gewährleisten, so schlecht, dass nur hier solche kostenintensiven Zusatzmaßnahmen wie etwa der besagte Teleskoplader von der Feuerwehr vorgeschlagen werden? Die Stadt hat, wie erwähnt, akute Finanzprobleme - und auch Wünsche der Feuerwehr müssen sich einem nötigen Konsolidierungskurs unterwerfen.

Das sagt die Stadt

Hat der frühere Kreisrat Jürgen Öhrlein recht, wenn er moniert, dass die Stadt in der Tiefgarage auf Brandschutz, der dem Stand der Technik entspräche, verzichtet - es also keine Rauchabzugsklappen gibt, wie sie andere Kommunen für derlei Einrichtungen haben? Auf diese Frage schreibt uns die Pressestelle der Stadt: "In der Tiefgarage Stadtmitte gibt es keine Rauch- und Wärmeabzugsanlage (RWA), weil in der Tiefgarage eine automatische Löschanlage und eine maschinelle Abluftanlage verbaut sind und somit alle Anforderungen bezüglich des Brandschutzes gemäß GaStellV § 15 Feuerlöschanlagen, Rauch- und Wärmeabzug erfüllt sind. Wie andere Kommunen oder Betreiber von Tiefgaragen die Anforderungen an den Brandschutz erfüllen, steht jedem Betreiber frei (mit RWA oder ohne), es ist jedoch klarzustellen, dass der Brandschutz in der Tiefgarage den Anforderungen beziehungsweise dem Stand der Technik entspricht und auch vom TÜV oder durch Sachverständige abgenommen wurde. Dies erfüllt die Anlage in der Tiefgarage Stadtmitte."

Enorme Aufwendungen

Die Kosten für die Beseitigung der jüngsten Schäden durch einen Fahrzeugbrand im September setzten sich zusammen aus Kosten für Bodenbeschichtung, die eigentliche Brandsanierung, Elektroarbeiten, für Sprinkler-Lüftung, Trinkwasser-Hydranten sowie Malerarbeiten. Gesamtbrutto-Summe: 196593 Euro.

Den aktiven Brandschutz veranschlagt die Stadt mit über 90000 Euro. Dazu zählen ein Bergegerät (Teleskoplader) für etwa 80 000 Euro sowie fünf Feuerlöschdecken für rund 12 000 Euro. Dazu heißt es: "Zunächst muss die Stadt Kulmbach die Decken und den Teleskoplader anschaffen, wie es auch vom Stadtrat beschlossen wurde."

Übrigens: Die Schilder, die ein Parkverbot signalisieren, wurden laut Stadt noch gestern abgebaut. Damit können Elektro- und Hybridfahrzeugen in der Tiefgarage und im Parkhaus Basteigasse wieder abgestellt werden.