Der Text ist an Hässlichkeit kaum zu überbieten: Zweimal kommt das A...-Wort vor; der Empfänger sei "zu blöd... etwas zu unternehmen". Da hilft es auch nichts, dass auf der Vorderseite der Postkarte die Kulmbacher Altstadt samt Plassenburg im schönsten Frühlingslicht prangt.

Was die Nachricht für Martina Frisch besonders bitter macht: Sie ist an ihren Mann Edgar gerichtet, der im Juni 2019 verstorben ist. Kein Einzelfall, berichtet sie uns. Ähnliche Postkarten steckten immer wieder in ihrem Briefkasten. Dass einige davon gar keine Briefmarke tragen, also vom Verfasser offensichtlich persönlich eingeworfen worden sind, beunruhigt sie manchmal. "Da steht so jemand vor unserem Haus..." Da hilft es auch nicht, dass ihr verstorbener Mann eigentlich gar nicht gemeint ist, obwohl seine Adresse auf den Karten steht.

Kulmbacherin erhält beleidigende Post - die gar nicht für sie bestimmt ist

Die Redaktion der Bayerischen Rundschau kennt einige regelmäßige Leserbriefschreiber. Einer der eifrigsten: Edgar Frisch, wohnhaft in Kulmbach-Ziegelhütten. Vor allem die Stadtpolitik und die heimischen Politiker kommentiert er in kurzen Abständen. Seine Meinung ist meist sehr eindeutig - was offensichtlich nicht jedem gefällt.

Einer (oder eine?) von jenen, die nicht einverstanden sind mit dem, was Frisch schreibt, verspürt offensichtlich den Drang, das dem Verfasser auch mitzuteilen. Statt aber auf die Leserbriefe mit einem Leserbrief zu antworten - wie es durchaus üblich ist - schreibt er (oder sie?) Postkarten. Und vergreift sich dabei nicht nur ganz erheblich im Ton, sondern auch in der Anschrift. "Unser" Edgar Frisch nämlich steht nicht im Telefonbuch, ist also auf diesem Wege nicht zu finden. Der andere, längst verstorbene, schon.

Dass der Schreiber der bösen Karten einem Irrtum aufsitzt, wenn er sich der Adresse aus dem Telefonbuch bedient, ist ihm vielleicht gar nicht bewusst. "Auch als mein Mann noch gelebt hat, haben wir oft Post für den anderen Edgar Frisch bekommen", sagt Martina Frisch. Sogar Gutachten zu einem Autounfall seien da dabei gewesen.

Schmerzlicher Irrtum: Briefe an verstorbenen Mann addressiert

Es ist schmerzlich für Martina Frisch, dass sie immer wieder solche Post aus dem Briefkasten ziehen muss. Deshalb hat sie sich nun an uns gewandt. Ob wir da was tun könnten?

Wir können hier nur einmal in aller Deutlichkeit feststellen: Der Leserbriefschreiber Edgar Frisch ist nicht identisch mit jenem Edgar Frisch, der mit einer Adresse in Weiher im Kulmbacher Telefonbuch steht. Und wir finden den Ton der anonymen Schreiben absolut inakzeptabel!

So sieht das übrigens auch Anne Höfer, Pressesprecherin des Polizeipräsidiums in Bayreuth, die wir in dieser Sache um Rat gefragt haben. Es gehe um eindeutige Beleidigungen, sagt sie. Zudem werde hier ein Name missbräuchlich genutzt - eine der Karten ist mit "Ihr Dr. Guttenberg Karl-Theodor" unterschrieben. Nicht nur wir gehen davon aus, dass er es mit Sicherheit nicht war, der den Text verfasst hat.

Anzeige erstattet

Anne Höfers Empfehlung: "Ich würde mit den Karten zur Polizei gehen, damit geprüft wird, ob hier ein Straftatbestand vorliegt."

Das hat Martina Frisch gestern getan: Sie hat Anzeige bei der Polizei erstattet. Und als sie nach Hause kam, erneut einen Brief aus dem Postkasten geholt, der wohl wieder für Edgar Frisch in Ziegelhütten bestimmt war. Absender: ein angeblicher Georg Bergmann aus Kulmbach, offensichtlich ein Fan unseres Leserbriefschreibers. Im ordentlich frankierten Kuvert: Die Kopie eines der gedruckten Leserbriefe des "echten" Edgar Frisch und ein Ausschnitt aus einer fränkischen Tageszeitung, in der es um die Vorgänge innerhalb der Baugenossenschaft Kulmbach geht - versehen mit der handschriftlichen Anmerkung "Bitte auch so einen Leserbrief erstellen".