"Es tut unendlich weh", sagte Rodel-Olympiasieger Felix Loch, der fassungslos war. "Es ist so traurig", lautete der Kommentar von Top-Rodlerin Natalie Geisenberger, als sie die Bilder von der Bob- und Rodelbahn am Königssee zu Gesicht bekommen hatte, die nach dem Unwetter im Berchtesgadener Land am Wochenende einem einzigen Trümmerfeld glich. Teile der Anlage hat die Flut fortgespült.

Sanierung nach Tod eines Rennrodlers

Fassungslos ist neben vielen Spitzenathleten auch ein Kulmbacher, der eine enge Bindung zu der oberbayerischen Sportanlage hat: Harald Fleischmann von der Firma Holzbau-Fleischmann, die an der Generalsanierung in den Jahren 2010 und 2011 beteiligt war. Die Bahn war damals für 30 Millionen Euro erneuert worden, weil nach dem Tod des georgischen Rennrodlers Noda Kumaritaschwili, der bei den Olympischen Spielen in Kanada aus der Bahn katapultiert worden war, die Sicherheitsvorkehrungen erhöht werden mussten. Die Firma Holzbau Fleischmann, die damals noch im Mainleuser Ortsteil Heinersreuth beheimatet war, hat das Start-, Ziel- und Funktionsgebäude errichtet, die schalenförmige Überdachung der Kunsteisbahn und die Bahnabweiser aus Holz gefertigt. Bis zu 18 Beschäftigte waren über ein Dreivierteljahr am Königssee im Einsatz und haben für die Sicherheit der Sportler geschuftet.

An Wettkämpfe ist nicht zu denken

Die werden jetzt durch das Unwetter ausgebremst. An Wettkämpfe ist in der kommenden Saison nicht zu denken, denn dort, wo die Bob- und Rodelbahn stand, befindet sich nun ein Gemisch aus Geröll, Baumstämmen und verbogenem Metall "Es ist unfassbar", sagt Harald Fleischmann, nach dessen Worten der Klingerbach, der die zerstörerischen Geröllmassen angespült hat, die die Bahn in kürzester Zeit zerstört haben, normalerweise ein Bächlein mit einem Bett von nur einem bis zwei Metern Breite ist. "Dass der Bach so eine gewaltige Zerstörungskraft hatte, ist unvorstellbar", erklärt der Geschäftsmann, der erfahren hat, dass die Gesteinsbrocken ganze Teile der Bahn mitgerissen haben, das Starthaus der Bobfahrer zum Teil eingebrochen ist.

Großer Rückschlag

Für die Olympia-Vorbereitungen ist das ein großer Rückschlag. In der kommenden Saison werden am Königssee keine Wettkämpfe stattfinden. Doch der Wiederaufbau der Anlage wird schon ins Visier genommen. Thomas Schwab, der Generalsekretär des Bob- und Schlittenverbands für Deutschland (BSD), sagte zuletzt, er hoffe, "dass wir die Bahn bis Oktober 2022 wieder hinbekommen". Geschockt ist auch Alfons Hörmann, der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes. "Das ist besonders bitter: Alles war so toll umgebaut. Gerade jetzt, wo es dem Sport in der Corona-Krise wieder besser geht, ist das ein neuer Tiefschlag. Ein ganz herber Rückschlag", sagte er der Deutschen Presse-Agentur.

Neues Projekt in Oberhof

Ob die Firma Holzbau Fleischmann am Wiederaufbau beteiligt sein wird? Die Arbeiten werden sicherlich neu vergeben. Harald Fleischmann wird sich an der Ausschreibung beteiligen, denn sein Unternehmen hat sich inzwischen auch auf den Wintersport spezialisiert. In der kommenden Woche wird ein Team aus Kulmbach nach Oberhof ausrücken, wo der Eiskanal für die Rodel-WM 2023 umgebaut wird.

"Wir errichten in Holz-Massivbauweise unter anderem die Startgebäude für die Herren, die Damen und die Jugend sowie das Zielhaus", sagt Harald Fleischmann. Schon im September müssen die Arbeiten abgeschlossen sein. "Denn dann wird der Eiskanal schon wieder vereist." Damit die deutschen Topathleten trainieren können, denen das Unwetter eine Anlage geraubt hat.