Wow! Was für ein wunderschöner Garten! Wer Günter Reif auf seinem Anwesen im Kulmbacher Ortsteil Kauernburg besucht, ist hin und weg: Genau so stellt man sich ein ökologisches Paradies vor, in dem die Natur und der Mensch gleichermaßen zu ihrem Recht kommen. Zu jeder Jahreszeit blüht etwas auf dem Grundstück, das trotz zahlreicher wilder Ecken sehr gepflegt wirkt.

Baumkletterer und Gipfelstürmer

Günter Reifs besondere Liebe gehört den Rosen, die in seinem Garten üppig blühen und aus ganz unterschiedlichen Gründen besondere Hingucker sind. Da ist zum Beispiel die Rambler-Rose "St. Paul's Himalayan Musk", die einen mächtigen Kirschbaum geradezu überwuchert und im Juni in ein zartrosa Blütenmeer verwandelt, direkt daneben erobert die weißblühende "Bobby James" den Nussbaum.

Schon am Gartentürchen verzaubert die Kletterrose "Girlande d'amour" den Gast mit üppigen schneeweißen Blüten und gesundem dunkelgrünem Laub. Für Rosen-Fan Günter Reif ist das das wichtigste Kriterium, wenn er eine Rose kauft: "Sie muss gesunde Blätter haben. Was soll ich mit einer Rose im Garten, die ständig Rost oder Mehltau hat?" Genauso wichtig: ungefüllte oder nur halbgefüllte Blüten, damit die Bienen und andere Insekten etwas davon haben und leicht an die Pollen kommen. Edelrosen und üppig gefüllte Sorten findet man deshalb bei ihm nicht.

Mehrere Sorten an einer Pflanze

Dass seine Rosen alle gesund und kräftig sind, sieht man sofort. Und noch etwas fällt auf, das den Betrachter verdutzt zwei Mal hinschauen lässt: Manche Rosenstämmchen tragen zwei oder mehr verschiedene Blüten, ein Strauch sogar neun Varianten in unterschiedlichen Farben. Wie gibt's denn sowas?

Das Zauberwort heißt veredeln, und das macht Günter Reif selbst - mit einer ganz einfachen Methode, die er "Veredeln nach Hausfrauenart" nennt. Er braucht dafür einen Trieb einer im Boden verwurzelte Rose, das kann gerne einen kräftiger Wildtrieb sein, ein Stück eines einjährigen Triebs seiner Wunschsorte, ein kleines scharfes Messer und etwas Krepp-Klebeband. Mit ein paar gekonnten Handgriffen sitzt die Veredelung auf dem Trieb. "Das ist eine Spielerei", sagt der Experte, aber es sei auch eine gute Möglichkeit, um einer Rose, die etwas kränklich ist oder nicht blühfreudig ist, neues Leben einzuhauchen .

Verwunschen und ein bisschen wild

Verwunschene Ecken, Natur pur: Der 73-Jährige hat auf seinem Grundstück am Stadtrand seinen persönlichen Gartentraum verwirklicht. Es gibt ein Wildbienenhotel (geschützt durch ein Drahtgitter, damit die Vögel nicht die Brut-Röhren aufpicken können), einen idyllischen Teich, verschiedene Obstbäume, Staudenbeete, ungemähte Wiesenbereiche, Behausungen für Igel, Nistplätze für Vögel, Steinhaufen und Totholz mit bizaren Formen. Letztere sind als Unterschlupf sehr wichtig für viele Kleintiere. "Mancher kritisiert, dass so etwas unordentlich aussieht", bedauert Reif, der seit vielen Jahren Vorsitzender des Gartenbau-Kreisverbands ist und in Vorträgen sein Wissen an Hobbygärtner weitergibt.

Dazu gehört auch sein Appell, dafür zu sorgen, dass im Garten immer etwas blüht, nicht nur im Frühjahr und Frühsommer. Günter Reif zieht deshalb jedes Jahr unzählige einjährige Sommerblumen aus Samen, die er als Jungpflanzen überall in seinen Beeten verteilt, auch in Pflanzschalen, die den Steinhaufen besonderen Charme verleihen. Die Einjährigen blühen dann vom Hochsommer bis in den Herbst hinein und liefern wertvolle Nahrung für Insekten und Schmetterlinge.

Die Mühe im Dienst der Artenvielfalt lohnt sich: 100 verschiedene Wildbienenarten hat Günter Reif in seinem Garten schon fotografiert.