Vielleicht haben sich einige Spaziergänger bereits gefragt, warum dieses Jahr zahlreiche Mais- und Gerstenfelder gelbe Ränder haben. In den drei Meter breiten Blühstreifen fallen zunächst die Sonnenblumen auf. Schaut man genauer hin, sieht man Phacelia, Kornblumen, Inkarnatklee, Fenchel, Dill und vieles mehr. Um die bunten Blüten summt und brummt es, denn es handelt sich um eine Bienenweide, eine spezielle Mischung von Pflanzen, die zahlreichen Insekten der Feldflur Nahrung bieten, unter anderem Bienen, Hummeln oder Schmetterlingen.

Die Saatgutmischung hat das Agrarunternehmen Syngenta rund 40 landwirtschaftlichen Betrieben im Landkreis Kulmbach zur Verfügung gestellt, gratis, im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit. "Wir geben das Saatgut kostenlos heraus, um zu zeigen, dass auch wir uns um Biodiversität bemühen", sagt Christian Schneider, Syngentas Saatgut- und Pflanzenschutzberater für Oberfranken.


33 Bierstadel finden Platz

Alle Blühstreifen ergeben zusammen eine Fläche von 100 000 Quadratmetern, das entspricht etwa dem 33-fachen der Fläche des neuen Kulmbacher Bierstadels. Harald Peetz, Zweiter Bürgermeister von Himmelkron und stellvertretender Kreisobmann beim Bayerischen Bauernverband (BBV), ist einer der teilnehmenden Landwirte. Er freut sich über das Resultat. "Die Blühstreifen kommen gut in der Bevölkerung an. Ich werde oft darauf angesprochen", so Peetz.

Neben einer optischen Bereicherung für Spaziergänger seien die teils spätblühenden Arten eine Bereicherung für Imker. So finden Honigbienen den ganzen Sommer über Nahrung. Peetz zufolge haben die Landwirte durch das Fördern der Insekten keinen wirtschaftlichen Zugewinn, denn Mais und Gerste werden durch den Wind bestäubt. Mit dem Anpflanzen der Blühstreifen opfern die Landwirte freiwillig einen Teil ihres Ertrags.


Weg vom Image des "Buhmanns"

In Peetz‘ Betrieb entfallen dieses Jahr von insgesamt 15 Hektar Maisfläche 1,3 Hektar auf Blühstreifen. "Wir wollen signalisieren, dass die Landwirte zur Artenvielfalt stehen", so BBV-Geschäftsführer Harald Köppel. Ihm zufolge gelte es, vom Image des "Buhmanns" wegzukommen und künstliche Klüfte in der Gesellschaft zu schließen. "Die Landwirtschaft gehört in die Mitte der Bevölkerung", so Köppel.

Der Aktion zugrunde liegt der weltweite Aufschrei zum Insektensterben. Verantwortlich gemacht werden vor allem die Intensivierung in der Landwirtschaft sowie der Einsatz von Insektiziden. "Tatsächlich gibt es noch wenig wissenschaftliche Erkenntnisse zu den Ursachen des Insektensterbens", betont Köppel.

Auch Privatleute könnten Maßnahmen ergreifen, etwa indem sie ihre Gärten nicht zu sehr aufräumen oder davon absehen Flächen zu versiegeln. Kommunen könnten auf öffentlichen Flächen ebenfalls Blühstreifen anlegen.


Die Nachfrage steigt

Während der BBV die Landwirte durch ein Rundschreiben auf die Aktion von Syngenta aufmerksam machte, hat Syngentas Vertriebspartner, Harald Hühnlein, die Saatmischung an die Landwirte verteilt. Hühnlein ist seit 1969 Geschäftsführer der gleichnamigen Sämerei in Mangersreuth. Neben Saatgut für Kulturpflanzen gehören Mischungen für Bienenweiden und Wildäcker ebenfalls zu seinem regulären Sortiment. "Saatgut für Blühstreifen habe ich in den letzten Jahren häufiger verkauft als noch vor zehn oder zwanzig Jahren", so Hühnlein.

Innerhalb des Bayerischen Kulturlandschaftsprogramms (KULAP), das seit 1988 den Landwirten Ausgleichszahlungen für umweltschonende gewährt, werden spezielle Blühmischungen gefördert, die Nektar und Pollen für Insekten liefern und Deckung und Nahrung für Wildtiere bieten.