Als Anika Pettrich und ihre Mutter Jutta im Februar 2020 als neue Pächter das Mönchshof-Bräuhaus übernahmen, freuten sie sich darauf, bald auch im großen Mönchshof-Biergarten Gäste bewirten zu können. Corona machte ihnen einen Strich durch die Rechnung. Der Biergarten im April 2021: menschenleer.

Warum sollte man auch dort hinkommen? Essen und Trinken unter den alten Bäumen ist nicht erlaubt.

Ein Besuch lohnt sich seit kurzem trotzdem. Anika Pettrich war erfinderisch. In einer der Verkaufsbuden hat sie in den letzten Wochen eine Mini-Bibliothek eingerichtet - ein Ort, wo sich Bücherfreunde mit Lesestoff zum Nulltarif versorgen oder nicht mehr benötigte eigene Bücher anderen zur Lektüre zur Verfügung stellen können.

"Ich habe mir Gedanken gemacht, wie man die kleinen Hütten im Biergarten beleben kann", berichtet sie. Unter anderem ist dabei die Idee geboren worden, die Hütten Direktvermarktern aus der Region zur Verfügung zu stellen. Bis zur Realisierung dieses Vorhabens wird es noch ein wenig dauern.

Die Idee, einen Ort für den Büchertausch einzurichten, hat hingegen schon Gestalt angenommen: Vor wenigen Tagen wurden in einer der Hütten mehrere Bücherregale montiert. Anika Pettrich hat sie bereits mit Büchern gefüllt, thematisch sortiert nach Romanen, Krimis oder Kochbüchern. Sie hat die Hütte liebevoll dekoriert und eine Tafel mit den Regeln für den Büchertausch beschriftet, ohne die es in Corona-Zeiten nun mal nicht geht.

Nun hofft die Bräuhaus-Wirtin auf weitere Bücherspenden. Und natürlich auf viele Besucher, die das Angebot, sich kostenfrei mit frischem Lesestoff einzudecken, annehmen.

Dass Bücher aus zweiter Hand sehr beliebt sind, beweisen die Kulmbacher seit Jahren immer wieder: Nicht nur der große Flohmarkt, den der Freundeskreis der Werkstatt für Menschen mit Behinderung alljährlich am ersten Adventswochenende in der Kulmbacher Dr.-Stammberger-Halle veranstaltet, ist ein wahrer Besuchermagnet. Gut angenommen wurde auch der öffentliche Bücherschrank, den der Lions-Club Kulmbach-Plassenburg vor etlichen Jahren am Holzmarkt installiert hat. Erst wenige Wochen ist es her, dass dieser Bücherschrank Opfer von Brandstiftern wurde.

"Der Schrank wird aber hergerichtet", versichert Ralf-Herbert Kneitz, Präsident des Clubs. Noch warte man auf einen Kostenvoranschlag. Rund 5000 Euro wird es wohl kosten, den Schrank wieder mit unzerbrechlichen Plexiglas-Türen zu versehen. Der Club ist zuversichtlich, sich wenigstens einen Teil des Geldes von den Brandstiftern zurückzuholen, die die Polizei mittlerweile gefasst hat.

Der eine oder andere kann es offensichtlich gar nicht erwarten, den öffentlichen Bücherschrank erneut gut bestückt zu sehen: Obwohl das Innere des Schrankes derzeit ungeschützt Wind und Wetter ausgesetzt ist, wurden schon wieder Bücher abgelegt.