Sie sind schon in Erlangen aufgetaucht und in Schwandorf, in der Rhön und an der Donau. Vor zwei Tagen erst hat die Stadt Hof eindringlich vor ihnen gewarnt. Nun sind sie offensichtlich auch in Kulmbach, Mainleus, Kupferberg und anderen Orten in der Region aktiv: Angebliche Mitglieder einer ungarischen Familie, die mit Handzetteln um Spenden bitten. Was auf den ersten Blick harmlos zu sein scheint, ist eine seit Jahren bekannte Masche - und Misstrauen ist angebracht.
Eine Leserin hat die Bayerische Rundschau darauf aufmerksam gemacht, dass es sich bei den Handzetteln, von denen auch sie einen in ihrem Briefkasten fand, womöglich um eine betrügerische oder zumindest unseriöse Masche handeln könnte. Ein Videotext-Beitrag, den sie vor kurzem gesehen hatte, hatte sie stutzig gemacht. Und in der Tat: Die "ungarische Familie" ist offensichtlich seit Jahren in unterschiedlichsten Orten aktiv. Und die Behörden warnen und raten zur Vorsicht.
Die Handzettel, das hat unsere Recherche ergeben, ähneln sich alle."Wir möchten Sie darüber informieren, dass eine ungarische Familie eine Sammlung organisiert", heißt es darauf - nicht immer in korrektem Deutsch. Und weiter: "Wir nehmen alles." Was "alles" ist, wird dann ausführlich aufgezählt. "Sportartikel, Kleidung, Mopeds, Schlittschuhe, Schmuck, Ofen mit Kamin, diverse Maschinen...." Was die Empfänger auf den Handzetteln vergeblich suchen: Den Namen eines Verantwortlichen, eine Adresse oder wenigstens eine Telefonnummer.
"Solche und ähnliche Zettel tauchen immer mal wieder auf", sagt Daniela Wagner, die am Landratsamt Kulmbach unter anderem für die Abfallwirtschaft zuständig ist. Sie rät dringend dazu, die Aufforderung, Altwaren einfach vors Haus zu stellen, zu ignorieren. "Wir wollen niemandem etwas Böses unterstellen", sagt sie. "Aber aufpassen sollte man schon."
Sammlungen wie diese müssten bei den Landratsämtern angemeldet werden. In aller Regel ist dies nicht der Fall. Auch von der Sammlung, die am Donnerstag in Kulmbach erfolgen soll, ist der Behörde nichts bekannt. Der Verdacht liege nahe, sagt Daniela Wagner, dass es sich bei der "ungarischen Familie" um gewerbliche Altwarenhändler handle, die sich aus den "Spenden" das heraussuchten, was verwertbar ist. Alles andere werde unter Umständen illegal entsorgt - sprich: einfach irgendwo hingeworfen. "Die Entsorgung zahlt dann, wenn der Besitzer nicht mehr ermittelt werden kann, die Allgemeinheit."
Zum anderen sei der Verdacht nicht ganz von der Hand zu weisen, dass die Sammler nicht immer nur lautere Absichten haben und die vermeintlich wohltätige Aktion dazu nutzen, Anwesen auszuspionieren. Vorsicht sei also geboten.
Zu Skepsis und einem gesunden Misstrauen rät auch Anne Höfer, Pressesprecherin beim Polizeipräsidium Bayreuth. Wenn es auf solchen Handzetteln keine Namen und keine Adressen gebe, wisse niemand, wer genau dahinter stecke. "Es ist nicht auszuschließen, dass es bei der Sammlung dann auch darum geht, zu sehen, ob in einem Anwesen womöglich noch mehr zu holen ist." Der Rat der Polizei sei deshalb eindeutig: "Vorsichtig sein. Und niemanden aufs Grundstück oder gar ins Haus lassen!"
Ergänzend dazu hat uns eine Pressemitteilung des Landratsamtes Kulmbach erreicht
"Ungarische Familie" sammelt illegal
Das Landratsamt Kulmbach warnt vor einer dubiosen Organisation, die im süddeutschen Raum im Einsatz ist.
Immer wieder finden die Bürgerinnen und Bürger der Städte, Märkte und Gemeinden im Landkreis Kulmbach Wurfzettel in ihren Briefkästen, in denen eine "ungarische Familie" ankündigt, eine Sammlung durchzuführen. "Wir nehmen alles, was Sie nicht brauchen", steht darauf und eine lange Liste von Gegenständen, die gesammelt werden.
Das Landratsamt Kulmbach weist darauf hin, dass diese Sammlung illegal ist!
Abfälle aus privaten Haushalten (also alles, was der Besitzer nicht mehr braucht und deshalb loswerden will) müssen nach dem Kreislaufwirtschaftsgesetz grundsätzlich dem zu-ständigen öffentlich-rechtlichen Entsorgungsträger, also dem Landkreis Kulmbach, überlas-sen werden. Ausnahmen gelten für nicht gemischte, nicht gefährliche Abfälle (z. B. Altkleider, Eisenschrott), wenn sie durch eine gemeinnützige oder gewerbliche Sammlung einer ordnungsgemäßen und schadlosen Verwertung zugeführt werden. Solche Sammlungen müssen aber vorher dem Landratsamt Kulmbach angezeigt und die ordnungsgemäße und schadlose Verwertung nachgewiesen werden. Die Sammlung der "ungarischen Familie" wurde nicht angezeigt. Eine schadlose und ordnungsgemäße Verwertung des Sammelgutes ist nicht gewährleistet.
In der Auflistung von Dingen, die gesammelt werden, sind zudem eine Vielzahl von Gegenständen enthalten, die wegen ihrer Zusammensetzung als gefährlicher Abfall eingestuft sind
(z. B. Elektro- und Elektronikgeräte und Altfahrzeuge wie alte Mopeds und sogar Autos). Diese müssen gesondert entsorgt werden, z.B. über die Sammelstelle für Elektronikschrott bei der Fa. Drechsler Umweltschutz, Von-Linde-Straße 6 in Kulmbach ( Öffnungszeiten Di 7.00 - 11.00 Uhr, Do 16.00 - 19.00 Uhr, Fr 13.00 - 17.00 Uhr und Sa 9.00 - 12.00 Uhr), sperrige Abfälle über die Sperrmüllsammlung (Anmeldung über Sperrmüll-Hotline: 09221/707 100; 2 Abholungen pro Jahr kostenfrei), Altmetall über die Sammlung des Landkreises (Juni und Juli; genaue Termine werden veröffentlicht) bzw. bei Altfahrzeugen über anerkannte Annahme- oder Rücknahmestellen oder anerkannte Demontagebetriebe.
"Wir müssen davon ausgehen, dass die Sammler die Gegenstände, die für sie nicht zu gebrauchen sind - sofern sie sie nicht einfach am Straßenrand stehen lassen - später irgendwo auf Parkplätzen oder in der freien Natur entsorgen", warnt Landrat Klaus Peter Söllner. "Diese Hinterlassenschaften müssen dann auf Kosten der Allgemeinheit beseitigt werden".
Weitere Infos gibt es bei Daniela Wagner, Sachbearbeiterin für Abfallrecht, Tel. 09221/707 480 oder Detlef Zenk, Abfallberatung des Landkreises, 09221/707 199
Eine Leserin hat die Bayerische Rundschau darauf aufmerksam gemacht, dass es sich bei den Handzetteln, von denen auch sie einen in ihrem Briefkasten fand, womöglich um eine betrügerische oder zumindest unseriöse Masche handeln könnte. Ein Videotext-Beitrag, den sie vor kurzem gesehen hatte, hatte sie stutzig gemacht. Und in der Tat: Die "ungarische Familie" ist offensichtlich seit Jahren in unterschiedlichsten Orten aktiv. Und die Behörden warnen und raten zur Vorsicht.
Mopeds und Ofen mit Kamin
Die Handzettel, das hat unsere Recherche ergeben, ähneln sich alle."Wir möchten Sie darüber informieren, dass eine ungarische Familie eine Sammlung organisiert", heißt es darauf - nicht immer in korrektem Deutsch. Und weiter: "Wir nehmen alles." Was "alles" ist, wird dann ausführlich aufgezählt. "Sportartikel, Kleidung, Mopeds, Schlittschuhe, Schmuck, Ofen mit Kamin, diverse Maschinen...." Was die Empfänger auf den Handzetteln vergeblich suchen: Den Namen eines Verantwortlichen, eine Adresse oder wenigstens eine Telefonnummer."Solche und ähnliche Zettel tauchen immer mal wieder auf", sagt Daniela Wagner, die am Landratsamt Kulmbach unter anderem für die Abfallwirtschaft zuständig ist. Sie rät dringend dazu, die Aufforderung, Altwaren einfach vors Haus zu stellen, zu ignorieren. "Wir wollen niemandem etwas Böses unterstellen", sagt sie. "Aber aufpassen sollte man schon."
Nicht angemeldet
Sammlungen wie diese müssten bei den Landratsämtern angemeldet werden. In aller Regel ist dies nicht der Fall. Auch von der Sammlung, die am Donnerstag in Kulmbach erfolgen soll, ist der Behörde nichts bekannt. Der Verdacht liege nahe, sagt Daniela Wagner, dass es sich bei der "ungarischen Familie" um gewerbliche Altwarenhändler handle, die sich aus den "Spenden" das heraussuchten, was verwertbar ist. Alles andere werde unter Umständen illegal entsorgt - sprich: einfach irgendwo hingeworfen. "Die Entsorgung zahlt dann, wenn der Besitzer nicht mehr ermittelt werden kann, die Allgemeinheit."Zum anderen sei der Verdacht nicht ganz von der Hand zu weisen, dass die Sammler nicht immer nur lautere Absichten haben und die vermeintlich wohltätige Aktion dazu nutzen, Anwesen auszuspionieren. Vorsicht sei also geboten.
Gesundes Misstrauen
Zu Skepsis und einem gesunden Misstrauen rät auch Anne Höfer, Pressesprecherin beim Polizeipräsidium Bayreuth. Wenn es auf solchen Handzetteln keine Namen und keine Adressen gebe, wisse niemand, wer genau dahinter stecke. "Es ist nicht auszuschließen, dass es bei der Sammlung dann auch darum geht, zu sehen, ob in einem Anwesen womöglich noch mehr zu holen ist." Der Rat der Polizei sei deshalb eindeutig: "Vorsichtig sein. Und niemanden aufs Grundstück oder gar ins Haus lassen!"
Ergänzend dazu hat uns eine Pressemitteilung des Landratsamtes Kulmbach erreicht
"Ungarische Familie" sammelt illegal
Das Landratsamt Kulmbach warnt vor einer dubiosen Organisation, die im süddeutschen Raum im Einsatz ist.
Immer wieder finden die Bürgerinnen und Bürger der Städte, Märkte und Gemeinden im Landkreis Kulmbach Wurfzettel in ihren Briefkästen, in denen eine "ungarische Familie" ankündigt, eine Sammlung durchzuführen. "Wir nehmen alles, was Sie nicht brauchen", steht darauf und eine lange Liste von Gegenständen, die gesammelt werden.
Das Landratsamt Kulmbach weist darauf hin, dass diese Sammlung illegal ist!
Abfälle aus privaten Haushalten (also alles, was der Besitzer nicht mehr braucht und deshalb loswerden will) müssen nach dem Kreislaufwirtschaftsgesetz grundsätzlich dem zu-ständigen öffentlich-rechtlichen Entsorgungsträger, also dem Landkreis Kulmbach, überlas-sen werden. Ausnahmen gelten für nicht gemischte, nicht gefährliche Abfälle (z. B. Altkleider, Eisenschrott), wenn sie durch eine gemeinnützige oder gewerbliche Sammlung einer ordnungsgemäßen und schadlosen Verwertung zugeführt werden. Solche Sammlungen müssen aber vorher dem Landratsamt Kulmbach angezeigt und die ordnungsgemäße und schadlose Verwertung nachgewiesen werden. Die Sammlung der "ungarischen Familie" wurde nicht angezeigt. Eine schadlose und ordnungsgemäße Verwertung des Sammelgutes ist nicht gewährleistet.
In der Auflistung von Dingen, die gesammelt werden, sind zudem eine Vielzahl von Gegenständen enthalten, die wegen ihrer Zusammensetzung als gefährlicher Abfall eingestuft sind
(z. B. Elektro- und Elektronikgeräte und Altfahrzeuge wie alte Mopeds und sogar Autos). Diese müssen gesondert entsorgt werden, z.B. über die Sammelstelle für Elektronikschrott bei der Fa. Drechsler Umweltschutz, Von-Linde-Straße 6 in Kulmbach ( Öffnungszeiten Di 7.00 - 11.00 Uhr, Do 16.00 - 19.00 Uhr, Fr 13.00 - 17.00 Uhr und Sa 9.00 - 12.00 Uhr), sperrige Abfälle über die Sperrmüllsammlung (Anmeldung über Sperrmüll-Hotline: 09221/707 100; 2 Abholungen pro Jahr kostenfrei), Altmetall über die Sammlung des Landkreises (Juni und Juli; genaue Termine werden veröffentlicht) bzw. bei Altfahrzeugen über anerkannte Annahme- oder Rücknahmestellen oder anerkannte Demontagebetriebe.
"Wir müssen davon ausgehen, dass die Sammler die Gegenstände, die für sie nicht zu gebrauchen sind - sofern sie sie nicht einfach am Straßenrand stehen lassen - später irgendwo auf Parkplätzen oder in der freien Natur entsorgen", warnt Landrat Klaus Peter Söllner. "Diese Hinterlassenschaften müssen dann auf Kosten der Allgemeinheit beseitigt werden".
Weitere Infos gibt es bei Daniela Wagner, Sachbearbeiterin für Abfallrecht, Tel. 09221/707 480 oder Detlef Zenk, Abfallberatung des Landkreises, 09221/707 199