Die Real-Schließung, die mit der Zerschlagung der SB-Kette befürchtet worden war, scheint vom Tisch. Kaufland will den Kulmbacher Markt übernehmen. "Das wurde uns schriftlich mitgeteilt", sagt Betriebsratsvorsitzende Angela Schirmer, die auch Vorsitzende des Bundesfachbereichs Handel der Gewerkschaft Verdi ist.

Sorgen waren groß

Die Nachricht lässt die über 100 Beschäftigen erst einmal durchschnaufen. Kein Wunder, denn die Angst vor dem Verlust der Arbeitsplätze war in den vergangenen Monaten groß, wie Schirmer berichtet. "Eine berufliche Alternative zu finden, wäre für die meisten wohl nicht leicht gewesen", so die Belegschaftssprecherin. Den Mitarbeitern sei deshalb ein Stein vom Herzen gefallen. Grund zu übersprudelnder Freude gebe es allerdings noch nicht. Denn noch seien zu viele Fragen ungeklärt.

Der russische Finanzinvestor SCP hatte nach der Übernahme der SB-Warenhauskette Real vom bisherigen Eigentümer Metro nie einen Hehl daraus gemacht, dass er Real zerschlagen wird. 141 der zuletzt noch rund 270 Märkte wollten die Investoren an Kaufland und Edeka verkaufen. Rund 30 Märkte würden mangels Perspektiven aber geschlossen, hieß es bereits bei der Unterzeichnung des Kaufvertrages im Frühjahr. Hunderte Mitarbeiter werden wohl bundesweit ihre Jobs verlieren.

Die Hürde ist zu nehmen

Schon im vierten Quartal dieses Jahres will SCP die Märkte, die bestehen bleiben, an ihre neuen Eigentümer übergeben. Vorab muss aber noch eine wichtige Hürde genommen werden. Das Bundeskartellamt muss den Weiterverkauf nämlich erst genehmigen. "Sämtliche Anpassungen am Marktnetz stehen immer unter dem Vorbehalt der Zustimmung des Bundeskartellamtes", erklärt dazu Real-Pressesprecher Frank Grüneisen auf Anfrage.

Die Hoffnung

Dass das Kartellamt der Übernahme zustimmt, hoffen Angela Schirmer und ihre Kollegen. "Es wäre eine Lösung, mit der wir gut leben könnten. Kaufland ist ja wirklich nicht die schlechteste Adresse", sagt die Betriebsratsvorsitzende.

Welche Pläne hat Kaufland?

Was Kaufland mit dem Kulmbacher Markt vorhat? Darüber lasse sich derzeit nur spekulieren, erklärt Angela Schirmer, die sich wünscht, dass sowohl die Metzgerei wie auch der große Non-Food-Bereich mit Elektrogeräten und Haushaltswaren erhalten bleibt. "Sonst wäre ein Drittel der Arbeitsplätze weg." Sie ist gespannt, welche Strategie der neue Eigentümer verfolgen wird. Denn sie weiß, dass es in der Kaufland-Filiale im Einkaufszentrum "Fritz", die Mitte vergangenen Jahres geschlossen worden war, keine Metzgerei gab und der Non-Food-Bereich nicht so breit aufgestellt war. Es sei auch fraglich, ob Kaufland wie jetzt im Real den Einkauf auf zwei Ebenen ermöglichen oder sich künftig auf das Erdgeschoss konzentrieren wird.

Von der Geschäftsführung des Kulmbacher Real-Marktes war gestern keine Stellungnahme zu erhalten. Man könne sich derzeit nicht äußern, sagte stellvertretender Marktleiter Karl-Heinz Bayer.

Kaufland hält sich bedeckt

Auch die Kaufland-Kette hält sich noch bedeckt. Man werde keine Stellungnahme zu einzelnen Märkten abgeben, so lange keine endgültige Entscheidung gefallen sei, sagte eine Pressesprecherin auf Anfrage. Auch weil man der Belegschaft keine Hoffungen machen wolle, die sich dann vielleicht doch nicht erfüllen.