Eva Potzel taucht die Hände in Wasser, umschließt dann sanft einen Tonklumpen. Mit einem Bein legt sie den Hebel, der die Drehscheibe antreibt, um - und schon dreht sich die Scheibe, leise surrend. Wie von Geisterhand entsteht aus dem Klumpen Ton eine Tasse. Eva Potzel drückt einfach die Finger in die Vertiefung, schon formt sich der Ton wie von selbst.

"Wer will auch mal an die Drehscheibe?", fragt Eva Potzel. Die Zweitklässler sind ein bisschen zurückhaltend. "Ich habe ja schon mal getöpfert, aber ich will das nicht machen, wenn ich mal groß bin", sagt Julian Maczinski (8) offen. Irgendwie ist ihm das Handwerk zu schmutzig. Ständig sind die Hände klebrig.

Anders Lena Groppweiß. "Also ich finde das Töpfern gut. Ich habe auch schon mal getöpfert", erklärt die Neunjährige sichtlich begeistert. Schließlich findet sich doch jemand unter den Kindern, der sich auch an die sich schnell drehende Scheibe traut: Loreen Seiler (9) wagt das Experiment. Mit ein bisschen Hilfe wird auch aus ihrem Klumpen ein Schälchen. "Aber bis so ein Gefäß fertig ist, braucht man 15 Arbeitsschritte. Der Ton muss langsam trocknen, größere Sachen brauchen drei Wochen", verrät Eva Potzel.

"Man muss auch verkaufen"

Die Jungs schauen Friedrich Sommer über die Schulter. "Der Beruf ist manchmal auch ganz schön hektisch. Und man muss die Sachen ja auch verkaufen", erklärt der Thurnauer Töpfermeister, der geduldig antwortet, wenn ihm die Kinder Löcher in den Bauch fragen.

Nicht nur die Mitarbeiter der Töpferei Renner geben gerne Auskunft, auch bei Häußinger, Tittmann und Schnauder-Sanke dürfen die Grundschüler "pobetöpfern". Außerdem steht den Kindern Töpfermeisterin Heika Flaschka Rede und Antwort. Auch die Lehrer führen Töpferprojekte durch, fertigen Gefäße, Wandbilder und andere Dinge.

Zudem stand bei den Aktionstagen ein Besuch des Hutschdorfer Tonstollens auf dem Programm. Geopark-Rangerin Isabelle Stickling hatte für die Kinder jede Menge Wissenswertes um den Tonabbau parat - und auch einige heimische Töpfer wussten einige Geschichten zu erzählen. "Auch wir haben früher in Hutschdorf Ton abgebaut", erzählt Friedrich Sommer von der Töpferei Renner.

"Eigentlich geht es bei dem Schulprojekt nicht nur darum, das Töpferhandwerk kennenzulernen, sondern es geht um unsere Heimat", erklärt Rektorin Anne Greim das Konzept. In der Thurnauer Schule wird versucht, den Mädchen und Jungen die Region auf besondere Art und Weise näher zu bringen. Deshalb werden seit Jahren Projekttage rund um das Thema "Heimat" initiiert. So haben sich die Schüler schon mit alten Gebäuden in Thurnau und Umgebung befasst. Sie tauchten in die Geschichte des Thurauer Schlosses ein und stellten dort das nicht immer leichte mittelalterliche Leben nach. Dieses Jahr nahmen die Kinder alte Handwerksberufe unter die Lupe.

2016 werden Betriebe erkundet

"Und im nächsten Jahr werden wir das Thema "Menschen arbeiten in Thurnau" bearbeiten, verrät Anne Greim schon jetzt. Deshalb wird es 2016 Betriebserkundungen im Handwerk, in der Verwaltung und in der Industrie geben. Denn auch in diesem Bereich sollen die Grundschüler ihre ganz persönlichen Erfahrungen machen können - mit allen Sinnen.