Wie nicht anders zu erwarten war - mit dem Spartan Race in Kulmbach wird es heuer nichts mehr. Nach der Verschiebung von Juni auf Mitte Oktober hat der Veranstalter nun auch den Ausweichtermin abgeblasen. Die Corona-Beschränkungen machten eine Durchführung in der geplanten Art unmöglich heißt es. "Es wäre ein Volksfest geworden, wir hatten mit 4500 Sportlern und noch einmal so vielen Zuschauern auf dem EKU-Platz gerechnet", sagt Christian Stephan von der ausrichtenden Münchner Eventagentur "Plan B". Einen selbigen haben die Macher schon - neuer Termin ist nun der 11. bis 13. Juni 2021.

Doch jetzt rumort es unter den vielen Teilnehmern - denn bei einem Start 2021 müssen sie noch einmal den Geldbeutel öffnen.

4500 Starter in Kulmbach

4500 Hindernisläufer-/innen hatten sich für das dreitätige Spektakel in Kulmbach angemeldet, wollten eines, zwei oder gar alle drei Rennen (Sprint, Super, Beast) an einem Wochenende bestreiten. Wer das komplette Programm (Trifecta) absolvieren will, musste um die 300 Euro überweisen.

Die Teilnehmergebühren kassiert der Veranstalter "XChange Sport&Event AG" mit Sitz in Liechtenstein. Die Firma hält derzeit die Westeuropa-Lizenz für die in den USA erfundene Spartan-Race-Serie und bietet verschiedene Umwandlungs-Optionen an:

1. Umbuchung auf ein anderes Rennen in diesem Jahr. Doch in Westeuropa wurden bislang alle Veranstaltungen abgesagt, lediglich das Spartan Race Ende Oktober durch den Olympiapark München noch nicht - Austragung ebenfalls äußerst fraglich.

2. Wer seinen Startplatz auf ein Rennen 2021 umschreibt, bekommt einen 70-Prozent-Gutschein, den Rest muss er neu überweisen. Dafür gibt es dann aber einen 30-Prozent-Gutschein für einen weiteren Startplatz. Diesen Rabatt wiederum kann man entweder selbst nutzen oder an eine/n Sportfreund/in weitergeben.

Viele Spartaner sind deshalb sauer, auch der Kulmbacher Martin Stübinger. "Das ist schon ein bisschen tricky", sagt der 36-jährige Fußballer des SSV Kasendorf, der für die Teilnahme am Spartan Race in seiner Heimatstadt schon vor einem Jahr 100 Euro überwiesen hat. "Ich will nicht irgendwoanders starten, sondern zu den gleichen Konditionen nächstes Jahr in Kulmbach", sagt Stübinger. Ein anderer Teilnehmer will gar das Vorgehen juristisch überprüfen lassen und verweist auf Paragraf 5 des Bürgerlichen Gesetzbuches, wo die Entschädigung im Falle der Absage wegen der Covid-19-Pandemie klar geregelt ist (siehe auch Interview unten): "Der Wert des Gutscheins muss den gesamten Eintrittspreis oder das gesamte sonstige Entgelt einschließlich etwaiger Vorverkaufsgebühren umfassen."

Auch im Kulmbacher Verein Tough Monks, dem etwa 20 passionierte Hindernis-Läufer angehören, herrscht Unmut. Vor allem die Art und Weise der Kommunikation des Veranstalters wird kritisiert. "Das ist ein zweifelhaftes Geschäftsgebaren. Da gibt es viele kleinere Veranstalter, die das besser und fairer lösen. Die Methode ,friss oder stirb´ ist nicht fair. In den USA haben alle Teilnehmer einen 100-Prozent-Gutschein bekommen", teilt der Verein mit.

Droht dem Veranstalter die Pleite?

27 Spartan-Rennen in West- und Südeuropa wollte die Firma "XChange" heuer durchführen, bislang mussten alle Termine wegen Corona abgesagt werden. Doch die rund 100 000 Teilnehmer haben längst ihre Startgebühren in meist dreistelliger Höhe gezahlt. Trotz der Millionen-Einnahmen droht die Veranstaltungs-Agentur mit Sitz in Liechtenstein auf ihrer Internetseite unverhohlen mit der Pleite. Man habe natürlich für die Unzufriedenheit vieler Spartaner Verständnis, liest man da, doch stehe die Zukunft der Firma und fast 100 Mitarbeitern auf der Kippe. "Wir tun das nicht aus Gewinnmaximierung", beteuert der Veranstalter. Man habe "in den letzten Wochen viel gekämpft, zahlreiche Konzepte geschrieben und kostenintensive Anstrengungen unternommen, Spartan 2020 doch noch realisieren zu können".

Eine volle Kostenerstattung "würde uns zwar dieses Jahr nicht ruinieren, aber uns mit großer Sicherheit die Geschäftsgrundlage für 2021 und Folgejahre nehmen. Wir brauchen diese 30 Prozent nicht, um unsere eigenen Taschen zu füllen, sondern eine seriöse Planungssicherheit und somit die Zukunft von Spartan zu sichern (...). Nehmt also nächstes Jahr eine Freundin oder einen Freund mit, dann habt ihr keinerlei Verlust." Nur mit der Gutscheinlösung könne man "Spartan-Rennen in Europa retten", liest man auf der Internetseite. "XChange"-Geschäftsführer Benjamin Höhler war nicht zu erreichen.

Martin Stübinger überzeugt die Argumentation nicht: "Das ist so, wie wenn ich einen Gutschein bei einem Steakhaus habe und der Wirt sagt, ich kriege die restlichen 30 Prozent nur, wenn ich einen weiteren Gast mitbringe."

"Es geht ums Überleben"

Christian Stephan vom Ausrichter "Plan B" wirbt dennoch um Verständnis: "Für uns Veranstaltungsagenturen geht es in der Corona-Krise ums Überleben. Ich kann nur hoffen, dass viele Sportler Verständnis haben, denn die Alternative ist die Insolvenz und keine Rennen in nächster Zeit mehr."

Die Bundesregierung hat auf die Covid19-Pandemie mit Gesetzesänderungen reagiert. So gilt seit 20. Mai 2020, dass Anbieter von Kultur-, Sport- oder sonstigen Freizeitveranstaltungen Gutscheine für Corona bedingte Absagen und Schließungen ausgeben dürfen statt Geld zurückzuzahlen. Wir fragten Julia Zeller von der Verbraucherzentrale Bayern, ob die 70-Prozent-Gutschein-Lösung des Spartan-Race-Veranstalters rechtens ist.

Interview

Frau Zeller, haben nicht auch die Spartaner Anspruch auf einen 100-Prozent-Gutschein?

Der Gutschein muss in voller Höhe der Teilnehmer-Gebühr ausgestellt werden. Eine Splittung der Beträge sieht das Gesetz nicht vor. Zudem muss der Veranstalter den Betrag auszahlen, sofern der Gutschein nicht bis Ende 2021 eingelöst wurde.

Die Gesetzgebung im BGB lässt sich auch nicht durch Klauseln in den Geschäftsbedingungen aufheben?

Grundsätzlich kann man in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen vertragliche Regelungen vereinbaren. Diese dürfen den Verbraucher jedoch nicht unangemessen benachteiligen und müssen mit den wesentlichen gesetzlichen Regelungen im Einklang stehen. Es ist jedoch nicht möglich, gesetzlich festgeschriebene Regelungen komplett auszuhebeln.

Muss der Veranstalter den Betrag auch erstatten, wenn der Sportler den Gutschein bis Ende 2021 nicht einlösen will oder kann, etwa wegen einer Verletzung oder Krankheit?

Den Sportlern steht es frei, die Gutscheine einzulösen oder Ende 2021 die Rückzahlung zu verlangen. Ein Pflicht, die Gutscheine einzulösen gibt es nicht. Kann oder möchte der Sportler an einem möglichen Ersatztermin nicht an dem Rennen teilnehmen, darf dies nicht zu seinen Lasten gehen. Die Gründe sind hierbei unerheblich.