Bei der Untersteinacher Firma Eka Edelstahlkamine GmbH hat man derzeit alle Hände voll zu tun, um die Produktion am Laufen zu halten. Das Unternehmen ist von einem Corona-Ausbruch größeren Umfangs betroffen. Praktisch die Hälfte der 120 Mitarbeiter in Fertigung und Versand wurde im Laufe der vergangenen Woche positiv auf das Sars-Cov2-Virus getestet. 52 Corona-Fälle gibt es laut Landratsamt am Betriebsstandort in Untersteinach. Der Kaminbauer beschäftigt insgesamt 230 Mitarbeiter, davon 30 im Außendienst und 40 in Tschechien. "Die hat es vor ein paar Wochen schon getroffen", sagt Firmenchef Herbert Werner. Doch in der Zentrale in Untersteinach habe man bis jetzt Ruhe gehabt, "und dann jetzt dieser Schwung auf einen Schlag".

Jeden Montag Schnelltests

Dabei hat es Eka wohl gerade seinem guten Hygienekonzept zu verdanken, dass die Fälle überhaupt bekannt wurden. Denn seit Ostern werden bei dem Unternehmen immer montags freiwillige Schnelltests bei den Mitarbeitern durchgeführt. Eigens dafür hat Herbert Werner zwei Krankenschwestern im Ruhestand engagiert, die - angelernt von einem Kulmbacher Arzt - die Abstriche vornehmen. "Diese ganze Schnelltest-Aktion kostet mich jeden Montag 1000 Euro", sagt der Firmenchef.

Fünf positive Ergebnisse haben die Abstriche in der vergangenen Woche zu Tage gefördert. Und das für alle überraschend, denn niemand hatte Symptome. "Wir wissen nicht, wo es herkommt, und wir wollen dazu auch keine Vermutungen anstellen", so Werner.

Diese Häufung hat natürlich das Gesundheitsamt, an das alle Befunde gemeldet werden, auf den Plan gerufen. Umgehend wurde eine Reihentestung aller Mitarbeiter durchgeführt. Noch Montagnacht kamen die ersten positiven Ergebnisse der PCR-Tests. "Am Dienstag um 11 Uhr habe ich die letzten, positiv Getesteten nach Hause geschickt", berichtet Herbert Werner. Nicht verstehen könne er allerdings, dass die Mitarbeiter nach der Reihentestung an ihre Arbeitsplätze zurückkehren durften und vom Gesundheitsamt nicht vorsorglich eine Quarantäne bis zum Vorliegen der Testergebnisse angeordnet wurde.

Die Vorgehensweise in derartigen Fällen erklärt Oliver Hempfling von der Führungsgruppe Katastrophenschutz. Die Anweisung, sich umgehend zu isolieren, erhalten alle Personen mit positivem Schnelltest-Ergebnis - so auch im Fall der Firma Eka. Wer dann zusätzlich in Quarantäne geschickt wird, hängt allerdings davon ab, wen der oder die positiv Getestete als Kontaktperson angibt. Wenn von den Mitarbeitern keine Kontaktpersonen genannt würden, habe das Gesundheitsamt (vor einem positivem PCR-Test) keine rechtliche Handhabe, um Leute in Isolation zu schicken. Allein die Tatsache, dass man in der gleichen Firma oder sogar Abteilung arbeite, mache einen noch nicht zur Kontaktperson. "Das hängt von vielen Faktoren ab, die das RKI festgelegt hat", so Hempfling. Dazu gehören Raumgröße, Belüftung, Gesprächssituationen, Masken und vieles mehr. Um so wichtiger sei eine gute Mitarbeit und Offenheit der Betroffenen bei der Kontaktnachverfolgung, wie der Leiter des Krisenstabs erneut betonte.

Über 100 symptomlose Fälle entdeckt

Der Fall Eka zeige einmal mehr, wie wichtig Schnelltests beim Erkennen symptomloser Infizierter sei, so Hempfling. Auch in den Schnelltestzentren habe man bereits über 100 Corona-Fälle ohne Symptome herausgefischt. "Die wären sonst weiter herumgelaufen und hätten das Virus unwissentlich verbreitet."

Infektionsgeschehen breit gestreut

Zum Corona-Ausbruch bei Eka kann der Chef des Krisenstabs nähere Zahlen liefern. Von den 52 infizierten Mitarbeitern - allesamt mit der britischen Mutation des Virus - stammen 40 Personen aus dem Landkreis Kulmbach. Diese wiederum haben 31 Kontaktpersonen angesteckt. Allerdings betont Oliver Hempfling, dass die Corona-Fälle bei Eka sich nachweislich auf gut drei Kalenderwochen verteilen und somit keine direkte Auswirkung auf den erneut gestiegenen 7-Tage-Inzidenzwert des Landkreises gehabt haben. "Das Infektionsgeschehen ist nach wie vor breit gestreut und auf einem hohen Niveau. Es ist immer noch eine Berg- und Talfahrt."

Der Firma Eka könne man keinen Vorwurf machen, das Hygienekonzept sei gut, so Hempfling. Weder die Teams des Gesundheitsamtes, die zu zwei Reihentestungen (Montag und Donnerstag) im Betrieb waren, noch der Hygienebeauftragte des Gesundheitsamtes und die Gewerbeaufsicht, die am Freitag die Betriebsstätte überprüft haben, hätten etwas zu beanstanden gehabt.

Nur ein Drittel Produktionsleistung

Die Fertigung bei der Eka Gmbh ist durch den Corona-Ausbruch stark beeinträchtigt, kann aber aufrecht erhalten werden, so Herbert Werner. Man schaffe derzeit noch etwa ein Drittel der üblichen Produktionsleistung. Eine schwierige Situation für das Unternehmen, denn "wir sind systemrelevant und erleben derzeit einen unglaublichen Aufschwung". Pandemie-bedingt hätten sich viele Handwerksfirmen von den ausländischen Herstellern abgewandt, "sie bestellen jetzt lieber in Deutschland". Der Unternehmer hofft, dass in seiner Firma ab dem 6. Mai wieder im normalen Betrieb gearbeitet werden kann, und er ist zuversichtlich. Die Schnelltests an diesem Montag waren allesamt negativ. "Wir haben alles im Griff", so Werner.