Als würde er schon im nächsten Augenblick in den Kronacher Nachthimmel steigen, spreizte vor zwei Jahren ein rot-weißer Phönix bei "Kronach leuchtet" seine Flügel - und erntete skeptische Blicke. Die waren allerdings nicht dem Lichtpunkt gedacht, sondern dem als Paten auftretenden Sponsor: "Datex-Perfekt" stand auf dem Hinweisschild des Kunstobjekts.
War das nicht das Call-Center, welches gerade 180 Angestellte entlassen hatte? Gibt es das Unternehmen überhaupt noch? Helmut Schiffner kann beide Fragen mit "Ja" beantworten - wobei der geschäftsführende Gesellschafter das erste "Ja" traurig und das zweite wohl trotzig aussprechen würde. Denn leicht war das nicht. Das Unternehmen trotz geringer Auftragslage am Leben zu erhalten, "hat uns einen sechsstelligen Betrag gekostet", erklärt Schiffner.
Nur noch zehn Angestellte blieben erhalten - die mit Kleinprojekten wie Serviceaufgaben für Versicherungen oder einen Schokoladenhersteller ums Überleben strampelten. Nachdem der Hauptauftraggeber als Kunde wegbrach (siehe Infokasten), gab der Firmengründer den Standort in Küps ganz auf, während er das Personal in den verbliebenen Filialen in Steinbach am Wald und dem Mitwitzer Ortsteil Neundorf drastisch reduzierte.
Inzwischen spricht der 64-Jährige wieder über ganz andere Mitarbeiterzahlen. "Ich könnte im Moment ohne Probleme 100 Leute einstellen", betont er. Das soll bis Ende des Jahres nach und nach auch passieren.
Nachdem vergangenes Jahr ein großes Textilunternehmen seine Kunden durch Datex-Perfekt betreuen lassen wollte, wurde klar: das Strampeln hat sich gelohnt. Inzwischen arbeiten wieder 50 Angestellte an den Telefonen und Computern in Neundorf und Steinbach am Wald. Parallel mit der Zahl der Mitarbeiter soll auch die der Filialen wachsen. Einen dritten Standort werde es "auf jeden Fall brauchen" ist Schiffner überzeugt. Entstehen müsse dieser aber nicht zwangsläufig in Küps "Das richtet sich danach, wo die meisten Bewerbungen herkommen. Denn wir wollen die Arbeit dorthin bringen, wo die Leute wohnen", erklärt der gelernte Betriebswirt, der derzeit zahlreiche Bewerbungsgespräche führt.
Das Gehalt spiele in diesen Gesprächen kaum eine Rolle. Viel wichtiger sei den Bewerbern, ihre Arbeitszeit frei einteilen zu können. "Da sind viele Frauen bei, die gerade in Elternzeit sind und denen schon angekündigt wurde, nur in Vollzeit in ihren Job zurückkehren können", erzählt er. "Aber die wollen das nicht, sondern auch Zeit für ihre Kinder haben."
Interessenten gäbe es aber aus den unterschiedlichsten Altersgruppen. Vom Schüler bis zum Rentner. Willkommen sind sie alle. Je mehr Mitarbeiter er habe, desto leichter sei sein Motto "Arbeiten Sie doch, wann Sie wollen" umzusetzen.
Doch gerade ältere Personen seien in seinem Unternehmen bestens aufgehoben. Weil sie dasselbe Alter haben wie die Mehrzahl der Anrufer: 60 Jahre und älter. Besonders bei seinem neuesten Großkunden. Einem Versender für Pflegehilfsmittel. Auf nur noch einen Auftraggeber will sich Schiffner nämlich nicht mehr verlassen. "Das war ein Fehler, aus dem wir gelernt haben", betont er.
Daher baue er gerade zusammen mit dem sogenannten Homecare-Unternehmen eine Kooperation auf. Den Angestellten komme die Aufgabe zu, dabei zu helfen, Formulare auszufüllen, um Hilfsmittel wie Windeln für Inkontinente über die Krankenkassen abrechnen zu können. "Das hat mit Call-Center eigentlich nicht mehr viel zu tun", so der Unternehmer. "Das ist schon fast eine Sachbearbeitung, ein komplett neues Themenfeld im Zukunftsbereich Pflege." Da sei es freilich von Vorteil, schon einmal Erfahrung mit der Pflege einer Person gemacht zu haben und sich in die Probleme der Anrufer einfühlen zu können.
Bei zwei soliden Standbeinen soll es aber nicht bleiben. Ein Hocker braucht schließlich auch derer drei, um sicher zu stehen. Daher plant Schiffner zu den Beinen "Textil" und "Pflege" den "Tourismus" als drittes zu stellen.
Derzeit stecke er mitten in Gesprächen, um an den Standorten im Landkreis auch Reisen vermitteln und buchen lassen zu können. "Ich hoffe da auf den Bereich Kreuzfahrten", verrät Schiffner. "Das würde ja auch wieder passen. Solche Reisen werden ja meist von älteren Menschen gebucht", sagt der 64-Jährige. Mit ins Datex-Boot sollen dann aber auch die Schüler der Tourismusschule Franken geholt werden. In dieser Sache sei er ebenfalls gerade mitten in Gesprächen.
Den leuchtenden Phönix, den seine Firma vor zwei Jahren sponsorte, hat Schiffner inzwischen gekauft. "Der war einfach ein Wink des Schicksals", sagt er. Denn wie der Vogel aus der griechischen Mythologie sei auch sein Unternehmen aus der eigenen Asche wieder auferstanden.
Musik: Mit Datex-Perfekt startete Helmut Schiffner 1990 die Karriere nach der Karriere. 15 Jahre lang war er zuvor als Musiker und Manager bei der "Saragossa Band" aktiv und in dieser Zeit an Hits wie "Zabadak" oder "Rasta Man" beteiligt, die sich mehrere Wochen in der Top Ten der Charts hielten.
Anfänge: Mit seiner Firma bereitete er zunächst zehn Millionen Akten für die EDV des Bundesarchivs auf, ehe die Wiedervereinigung Call-Centern zum Aufschwung verhalf - und Datex-Perfekt in genau diese Richtung steuern ließ. "Plötzlich bekamen 18 Millionen ehemalige DDR-Bürger einen Telefonanschluss", erinnert sich Schiffner. Und der wurde intensiv genutzt. Auch, um bei Versandhäusern zu bestellen. Anrufe, die nun vor allem im Kreis Kronach landeten. Dieser wurde dadurch deutschlandweit zu einem der ersten Standorte für Call-Service-Center. Die Folge: Es musste expandiert werden. Nach Pressig, Marktrodach, Steinbach am Wald und Mitwitz. In der Spitze saßen mehr als 500 Mitarbeiter an den Telefonen.
Einbruch: Ein Jahr nachdem 2014 die Filiale in Steinbach am Wald sogar noch ausgebaut wurde, folgten die ersten Rückschläge. Die Kunden kauften plötzlich lieber im Internet, was dazu führte, dass die Aufträge ausblieben. Daraufhin schloss Schiffner die Datex-Filialen in Marktrodach sowie in Pressig. Mehr als nur ins Schlingern geriet Datex-Perfekt, als Ende Oktober 2015 schließlich mit einem großen Versandhändler der größte Kunde nach 30 Jahren wegbrach. Dieser verlegte seine Service-Aufgaben lieber ins Billiglohnland Türkei.
War das nicht das Call-Center, welches gerade 180 Angestellte entlassen hatte? Gibt es das Unternehmen überhaupt noch? Helmut Schiffner kann beide Fragen mit "Ja" beantworten - wobei der geschäftsführende Gesellschafter das erste "Ja" traurig und das zweite wohl trotzig aussprechen würde. Denn leicht war das nicht. Das Unternehmen trotz geringer Auftragslage am Leben zu erhalten, "hat uns einen sechsstelligen Betrag gekostet", erklärt Schiffner.
Erfolgreich gestrampelt
Nur noch zehn Angestellte blieben erhalten - die mit Kleinprojekten wie Serviceaufgaben für Versicherungen oder einen Schokoladenhersteller ums Überleben strampelten. Nachdem der Hauptauftraggeber als Kunde wegbrach (siehe Infokasten), gab der Firmengründer den Standort in Küps ganz auf, während er das Personal in den verbliebenen Filialen in Steinbach am Wald und dem Mitwitzer Ortsteil Neundorf drastisch reduzierte.Inzwischen spricht der 64-Jährige wieder über ganz andere Mitarbeiterzahlen. "Ich könnte im Moment ohne Probleme 100 Leute einstellen", betont er. Das soll bis Ende des Jahres nach und nach auch passieren.
Nachdem vergangenes Jahr ein großes Textilunternehmen seine Kunden durch Datex-Perfekt betreuen lassen wollte, wurde klar: das Strampeln hat sich gelohnt. Inzwischen arbeiten wieder 50 Angestellte an den Telefonen und Computern in Neundorf und Steinbach am Wald. Parallel mit der Zahl der Mitarbeiter soll auch die der Filialen wachsen. Einen dritten Standort werde es "auf jeden Fall brauchen" ist Schiffner überzeugt. Entstehen müsse dieser aber nicht zwangsläufig in Küps "Das richtet sich danach, wo die meisten Bewerbungen herkommen. Denn wir wollen die Arbeit dorthin bringen, wo die Leute wohnen", erklärt der gelernte Betriebswirt, der derzeit zahlreiche Bewerbungsgespräche führt.
Das Gehalt spiele in diesen Gesprächen kaum eine Rolle. Viel wichtiger sei den Bewerbern, ihre Arbeitszeit frei einteilen zu können. "Da sind viele Frauen bei, die gerade in Elternzeit sind und denen schon angekündigt wurde, nur in Vollzeit in ihren Job zurückkehren können", erzählt er. "Aber die wollen das nicht, sondern auch Zeit für ihre Kinder haben."
Ein neues Themenfeld
Interessenten gäbe es aber aus den unterschiedlichsten Altersgruppen. Vom Schüler bis zum Rentner. Willkommen sind sie alle. Je mehr Mitarbeiter er habe, desto leichter sei sein Motto "Arbeiten Sie doch, wann Sie wollen" umzusetzen.Doch gerade ältere Personen seien in seinem Unternehmen bestens aufgehoben. Weil sie dasselbe Alter haben wie die Mehrzahl der Anrufer: 60 Jahre und älter. Besonders bei seinem neuesten Großkunden. Einem Versender für Pflegehilfsmittel. Auf nur noch einen Auftraggeber will sich Schiffner nämlich nicht mehr verlassen. "Das war ein Fehler, aus dem wir gelernt haben", betont er.
Ein drittes Standbein
Daher baue er gerade zusammen mit dem sogenannten Homecare-Unternehmen eine Kooperation auf. Den Angestellten komme die Aufgabe zu, dabei zu helfen, Formulare auszufüllen, um Hilfsmittel wie Windeln für Inkontinente über die Krankenkassen abrechnen zu können. "Das hat mit Call-Center eigentlich nicht mehr viel zu tun", so der Unternehmer. "Das ist schon fast eine Sachbearbeitung, ein komplett neues Themenfeld im Zukunftsbereich Pflege." Da sei es freilich von Vorteil, schon einmal Erfahrung mit der Pflege einer Person gemacht zu haben und sich in die Probleme der Anrufer einfühlen zu können.Bei zwei soliden Standbeinen soll es aber nicht bleiben. Ein Hocker braucht schließlich auch derer drei, um sicher zu stehen. Daher plant Schiffner zu den Beinen "Textil" und "Pflege" den "Tourismus" als drittes zu stellen.
Derzeit stecke er mitten in Gesprächen, um an den Standorten im Landkreis auch Reisen vermitteln und buchen lassen zu können. "Ich hoffe da auf den Bereich Kreuzfahrten", verrät Schiffner. "Das würde ja auch wieder passen. Solche Reisen werden ja meist von älteren Menschen gebucht", sagt der 64-Jährige. Mit ins Datex-Boot sollen dann aber auch die Schüler der Tourismusschule Franken geholt werden. In dieser Sache sei er ebenfalls gerade mitten in Gesprächen.
Den leuchtenden Phönix, den seine Firma vor zwei Jahren sponsorte, hat Schiffner inzwischen gekauft. "Der war einfach ein Wink des Schicksals", sagt er. Denn wie der Vogel aus der griechischen Mythologie sei auch sein Unternehmen aus der eigenen Asche wieder auferstanden.
Hintergrund: Vom Bandleader zum Unternehmer
Musik: Mit Datex-Perfekt startete Helmut Schiffner 1990 die Karriere nach der Karriere. 15 Jahre lang war er zuvor als Musiker und Manager bei der "Saragossa Band" aktiv und in dieser Zeit an Hits wie "Zabadak" oder "Rasta Man" beteiligt, die sich mehrere Wochen in der Top Ten der Charts hielten.Anfänge: Mit seiner Firma bereitete er zunächst zehn Millionen Akten für die EDV des Bundesarchivs auf, ehe die Wiedervereinigung Call-Centern zum Aufschwung verhalf - und Datex-Perfekt in genau diese Richtung steuern ließ. "Plötzlich bekamen 18 Millionen ehemalige DDR-Bürger einen Telefonanschluss", erinnert sich Schiffner. Und der wurde intensiv genutzt. Auch, um bei Versandhäusern zu bestellen. Anrufe, die nun vor allem im Kreis Kronach landeten. Dieser wurde dadurch deutschlandweit zu einem der ersten Standorte für Call-Service-Center. Die Folge: Es musste expandiert werden. Nach Pressig, Marktrodach, Steinbach am Wald und Mitwitz. In der Spitze saßen mehr als 500 Mitarbeiter an den Telefonen.
Einbruch: Ein Jahr nachdem 2014 die Filiale in Steinbach am Wald sogar noch ausgebaut wurde, folgten die ersten Rückschläge. Die Kunden kauften plötzlich lieber im Internet, was dazu führte, dass die Aufträge ausblieben. Daraufhin schloss Schiffner die Datex-Filialen in Marktrodach sowie in Pressig. Mehr als nur ins Schlingern geriet Datex-Perfekt, als Ende Oktober 2015 schließlich mit einem großen Versandhändler der größte Kunde nach 30 Jahren wegbrach. Dieser verlegte seine Service-Aufgaben lieber ins Billiglohnland Türkei.