Handys sind nicht nur Fluch, sondern können auch ein Segen sein, nämlich bei Unfällen in freier Natur, Wald und Flur für einen schnellen Notruf oder auch für Senioren in Einsamkeit. Darüber sind sich die Senioren der im vergangenen Jahr ins Leben gerufenen Seniorenarbeitsgemeinschaft (SAG) Stockheim einig. Die Sprecher der SAG, Rainer Kraus und Hans Parnickel, starten deshalb zum Jahresanfang, in Absprache und mit Unterstützung von Bürgermeister Rainer Detsch, einen Aufruf an Senioren zur Nutzung digitaler Geräte.

Gerade ältere Menschen kommen schnell in den Bereich der Einsamkeit. Dies wird durch die Corona-Pandemie auffälliger und deutlicher, aber dennoch gab es schon vor der Corona- Krise einsame Menschen und sie wird es auch nach der Corona- Pandemie geben. Diese Menschen sehnen sich nach Kommunikation, nach Unterhaltung, Unterredung und Austausch von Meinungen, nicht nur mit Familienangehörigen, die manchmal weit entfernt wohnen können, sondern auch mit Bekannten, Freunden, Verwandten, die man aufgrund eines Handicaps nicht so ohne weiteres erreichen kann.

Dafür erweist sich nach Meinung der SAG Stockheim die "Digitalisierung" als perfektes Mittel. Im Zeitalter der Elektronik besitzt zum Beispiel nahezu jeder ein Handy, Tablet oder Laptop. Warum ist das so?

Kontakt ohne Ansteckungsgefahr

Rainer Kraus als ehemaliger Unternehmensberater und heute selbst mit über 80 Jahren ein Senior, der sich mit der Materie auseinandersetzt, sagt dazu: "Ganz einfach, ohne diese Dinger wird man in Zukunft nichts mehr einkaufen können, nicht schnell das Neueste erfahren, nicht telefonieren oder schnell einen Brief schreiben (ohne Porto) können und schon gar nicht, was immer besser wird, zu reden, indem man den Gesprächspartner auch sehen kann. Gerade letzteres ist ein sehr gutes Mittel gegen die Einsamkeit. Ich kann mich mit jemanden von Angesicht zu Angesicht unterhalten, egal wo sich mein Gegenüber gerade befindet. Dadurch entsteht ein Gefühl des persönlichen Besuchs. Es besteht keine Ansteckungsgefahr, es kann zu jeder x-beliebigen Zeit erfolgen und es gibt auch eine Sicherheit bezüglich der eigenen Gesundheit. Gesundheit deshalb, weil für mich die Möglichkeit besteht, schnell um Hilfe zu rufen, wenn Not am Mann ist." So weit Rainer Kraus.

Die Senioren der SAG sind sich darin einig, dass es mittlerweile eine Vielzahl an Möglichkeiten gibt, diese Form der Kommunikation zu nutzen, auch für Senioren. Sie müssten sich nur trauen und ein paar Schritte der Bedienung einstudieren. Und da können Rainer Kraus und Hans Parnickel den Senioren absolut Mut machen.

Ganz wichtig sei dazu allerdings eine Einweisung oder Schulung, um mit diesen Geräten umgehen zu können. Ihr Appell: "Bitte keine Angst, was Neues lernen zu müssen, es ist wirklich relativ einfach und man beherrscht sehr schnell die Grundfunktionen." Dazu können die beiden Sprecher nur ermutigen, wobei die Begriffe einstudieren und Schulung wohl schon überzogen scheinen, eigentlich genügt es, unter Anleitung einige Schritte ein paarmal zu wiederholen und schon kann man zukünftig alleine ohne fremde Hilfe kommunizieren und dabei immer einen Gesprächspartner im Auge haben, wie bei normalen Gesprächen zu Hause.

Und Rainer Kraus führt das Gedankenspiel fort. Auch Gottesdienste könne man problemlos in den eigenen vier Wänden verfolgen.

Jeder hat sicher schon mal was von Gehirnjogging gehört. Entsprechende Spiele und kreatives Gehirntraining können auf die Geräte daheim installiert werden und sie können in der Regel kostenlos in Anspruch genommen werden. Sie verhindern Langeweile und stärken das Gedächtnis. Dies alles und sicherlich noch viel mehr trägt dazu bei, Einsamkeit deutlich zu reduzieren und Lebensqualität zu steigern.

Um Bewegung in die Sache zu bringen, bitten die Initiatoren um Meldung von Leuten aus Stockheim und Umgebung, wer Handy, Tablet oder Laptop hat, die er nicht mehr braucht, aber die noch funktionsfähig sind, und diese im besten Fall kostenlos zur Verfügung stellt.

Im nächsten Schritt wäre denkbar, dass sich Personen zur Verfügung stellen könnten, die kleine Einweisungen oder auch Schulungen durchführen. Denkbar wären solche Einführungen zum Beispiel auch zentral am Abend in einem der Schulgebäude, hierzu kann man auf die Unterstützung der Gemeinde Stockheim zählen. Um sich einen Überblick verschaffen zu können, ob Interesse und Bedarf bestehen, nimmt die SAG Stockheim gerne Interessenbekundungen entgegen, sowohl bezüglich des Bedarfs an Technik als auch zum Angebot von technischen Geräten und Schulungen. Man will die Anregungen aufgreifen, auf Machbarkeit und Realität prüfen, und dann der Verwaltung vorlegen.

Unterstützung von der Gemeinde

Bürgermeister Rainer Detsch ist voll des Lobes über das Engagement der SAG in Stockheim. "Die Anliegen älterer Mitbürger können mit Hilfe und Unterstützung der SAG noch besser kommuniziert und in eine mögliche Umsetzung gebracht werden." Die Gemeinde, so macht er deutlich, werde bei der Umsetzung tatkräftig mitwirken.

Der Rathauschef hält die Initiative der SAG auch deshalb für gut, weil sie Sprachrohr auch für über tausend Senioren in der Bergwerksgemeinde ist, und für diese Generation lohne sich ein besonderes Engagement.