Große Veränderungen benötigen Zeit, und manchmal muss erst viel Wasser den Berg hinabfließen. Im Fall der Ködeltalsperre in Mauthaus muss das Wasser dazu aber erst einmal den Damm hinauf.

Seit im Januar diesen Jahres eines der beiden Versorgungsrohre leckgeschlagen war (wir berichteten), arbeiten die Verantwortlichen an einer Lösung, um die undichte Leitung zu umgehen. Dazu wird derzeit ein überirdisches Stahlrohr verlegt, durch das Wasser aus der Talsperre bis zum Betriebsgebäude auf der anderen Seite des Damms transportiert werden kann.

Die Ködeltalsperre verfügt über zwei Versorgungsrohre, die auf dem Grund des Sees vom Entnahmeturm durch den Stollen bis zum Betriebsgebäude führen. Die undichte Leitung dient zwar lediglich der Absicherung, sollten am eigentlichen Versorgungsrohr Lecks entstehen. Doch wie plötzlich genau dieser Fall eintreffen kann, haben die Ereignisse im Januar gezeigt. "Unser Ziel ist es, möglichst schnell wieder doppelte Sicherheit zu haben", hatte der Leiter des Wasserwirtschaftsamtes, Hans Hemmerlein, bereits damals angekündigt.

Schläuche sind keine Dauerlösung

Darum hat das THW direkt nach dem Notfall eine neue provisorische Leitung aus Feuerwehrschläuchen gelegt, die das Wasser mit THW-Pumpen über den Damm geleitet haben. Eine Dauerlösung konnte das jedoch nicht sein.

Inzwischen wurde ein Inliner - eine Art aufblasbarer Kunststoffschlauch speziell für den Tiefbau - durch das leckgeschlagene Versorgungsrohr gezogen. Sobald die stählerne Verbindung über dem Damm steht, kann das Wasser somit auch wieder durch die marode Leitung fließen.

Die Vorbereitungen für den Probebetrieb des Inliners sind laut Hemmerlein fast abgeschlossen. Derzeit stimmt das Wasserwirtschaftsamt die Testläufe mit der Fernwasserversorgung ab. Dann kann es losgehen. "Wir gehen davon aus, dass der Inliner im September stabil betrieben werden kann."

Dann kann das Wasserwirtschaftsamt auch das eigentliche Versorgungsrohr stilllegen und überprüfen. Denn laut dem Leiter kann vor der Untersuchung nicht ausgeschlossen werden, dass es auch dort undichte Stellen gibt. Irgendwo an der Talsperre tritt weiter Wasser aus - bis zu 25 Litern pro Sekunde. "Da müssen wir natürlich genau schauen, wo das herkommt."

Doch wie werden die Rohre, die durch den Stollen verlaufen und nur schwer zugänglich sind, überprüft? "Ein Spezialbüro wird Mikrobohrungen mit einem Durchmesser zwischen 32 und 56 Millimetern in den Beton durchführen, der die Rohre umschließt", erklärt der Amtsleiter. Dann wird Wasser durch die Öffnungen gedrückt, um zu überprüfen, welche Qualität der Betonmantel noch hat.

Löcher sollen Lösung bringen

Das Wasserwirtschaftsamt rechnet damit, dass alleine diese Überprüfung zwei bis drei Monate dauert. "Uns geht es um Sicherheit vor Schnelligkeit", betont Hemmerlein. Schnellschüsse würden die Ködeltalsperre in der momentanen Situation nicht voranbringen. Je nachdem, wie durchlässig die Hülle ist, hätten Spezialisten bereits verschiedene Varianten erarbeitet, wie der Schaden an der Leitung behoben werden kann. Doch egal wie groß der Schaden tatsächlich ist: Die eigentlichen Reparaturarbeiten an der Talsperre werden erst im kommenden Jahr beginnen können.

Covid-19 hat den Zeitplan zwar nicht wesentlich verzögert, aber dennoch Einfluss auf die Arbeiten vor Ort. "Auch wir haben einen Pandemieplan, um für die Sicherheit unserer Mitarbeiter zu sorgen", klärt Hemmerlein auf. "Wir haben gerade von Dreier- auf Zweierteams umgestellt, die im wöchentlichen Wechsel arbeiten." Außerdem überwacht eine Sicherheitsfirma stichprobenartig die Baustelle. In den vergangenen Wochen haben Autofahrer häufig Routen zur Talsperre genutzt, die Navigationsgeräte zwar vorgeben, jedoch nicht für den öffentlichen Verkehr freigegeben sind.

Damit die rund 400.000 Haushalte während der Reparaturarbeiten weiterhin mit Trinkwasser aus Mauthaus versorgt werden können, brauchen die Pumpen am Inliner Strom. Derzeit kommt der noch von Aggregaten des THWs, unter anderem aus Bad Staffelstein. Doch das wird sich in diesen Tagen ändern: Das Wasserwirtschaftsamt hat inzwischen zwei eigene Geräte mit einer Leistung von jeweils 200 Kilovoltampere gekauft. "Vor einer Woche wurden die jeweils 3,5 Tonnen schweren Aggregate auf Fahrgestellen geliefert", freut sich Hemmerlein. Die Kosten belaufen sich auf rund 110.000 Euro, doch das Wasserwirtschaftsamt ist sich sicher, sein Geld richtig investiert zu haben.

Sollten sie an der Ködeltalsperre nicht mehr benötigt werden, können sie auch an den Hochwasser-Schöpfwerken in Hallstadt, Kemmern oder Lichtenfels eingesetzt werden.

In den kommenden Monaten jedoch sind sie in Mauthaus unentbehrlich. Denn so viel ist sicher: Bis an der Talsperre wieder der Alltag einkehrt, fließt noch viel Wasser den Damm hinab.