Der bisher schönste Tag im Fußballer-Leben von Noah Schorn. Der aus Marktrodach stammende Kicker wurde am Samstag mit der U19 der TSG Hoffenheim Süddeutscher A-Junioren Meister. Dank des besseren Torverhältnisses gegenüber dem FC Bayern München hat er mit seinen Teamkollegen durch ein 1:1 (0:1) gegen den VfB Stuttgart im Dietmar-Hopp-Stadion die Meisterschaft der Bundesliga Süd/Südwest für sich entschieden. Und Schorn spielte dabei die Hauptrolle!

14 Minuten nach seiner Einwechslung nahm sich der ehemalige Jugendspieler der SpVgg Bayern Hof ein Herz und zimmerte den Ball ins Stuttgarter Netz. "Ich habe gezielt draufgehalten und hatte Glück. Dieses Tor tut mir richtig gut, denn die letzte Zeit war nicht einfach für mich", sagt Schorn.
Und tatsächlich lief es im letzten Jahr nicht optimal für den ehrgeizigen Kicker aus dem Kreis Kronach. Im letzten Training vor der Winterpause 2017 brach er sich das Schlüsselbein. "Halb so schlimm", dachten sich alle Beteiligten, doch nach einigen Wochen mit reichlich Schmerzen musste der ehemalige Schüler der Siegmund-Loewe-Schule in Kronach doch an der lädierten Schulter operiert werden.


Ein halbes Jahr Zwangspause

Die Folge: Ein halbes Jahr Zwangspause. Diese dumme und ärgerliche Verletzung zog sich gefühlt eine halbe Ewigkeit hin. Schorn verlor wichtige Monate in der Entwicklung eines jungen Spielers. Hoffenheim hatte wenig Geduld, verpflichtete mit Christoph Baumgartner einen Nationalspieler aus Österreich für die Zehner-Position auf der Schorn vor seinem Missgeschick regelmäßig zu überzeugen wusste. Der im Januar 2018 19 Jahre jung gewordene Kicker musste schnell erkennen, dass das Profi-Geschäft eben auf diesem Niveau so läuft - auch schon in der A-Jugend.


Kontinuierlich zurück gekämpft

Doch der Marktrodacher gab nicht auf, kämpfte sich peu a peu zurück und fasste wieder Fuß. Zwar kam er in der aktuellen Rückrunde über die "Joker-Rolle" im U19-TSG-Team nicht hinaus und durfte auch keinen seiner gefürchteten Freistöße mehr schießen, aber er war zumindest wieder "im Geschäft". Letzte Woche durfte er über 90 Minuten gegen den 1. FC Nürnberg ran und deutete dabei an, dass er auf dem besten Weg zur alten Stärke ist. Die Krönung dann am Samstag mit dem "Goldenen Tor" gegen Stuttgart.

"Dieser Schuss war Gold wert", freut sich nicht nur sein stolzer Vater. Auch seine Mitspieler, Trainer und Betreuer gönnten Noah exakt dieses Erfolgserlebnis nach seiner langen Leidenszeit. Die 68. Minute war gerade angebrochen, als sich Schorn das Leder schnappte. Im Dietmar-Hopp-Stadion lagen die Kraichgauer seit der 7. Minute mit 0:1 hinten und benötigten in diesem spannenden Saisonfinale der A-Junioren-Bundesliga Süd/Südwest unbedingt den Ausgleich. Die TSG drückte nun aufs Gaspedal. Ein Tor würde jetzt genügen! Und dieses Tor schoss ausgerechnet der Bursche aus Marktrodach.


Mit der linken Klebe...

Aus zentraler Position fasste sich der Linksfuß ein Herz und ließ dem Stuttgarter Keeper Jerome Weisheit mit einem satten Schuss ins rechte Eck keine Chance (68.). Dank dieses Treffers eroberte die TSG Platz eins in der Abschlusstabelle. Schorn & Co. feierten frenetisch den vierten Titel in fünf Jahren.

Apropos 1. FC Nürnberg. Der Club legte dem Jugendkicker schon 2014 einen unterschriftsreifen Vertrag unter die Nase. Doch die Schorns entschieden sich für einen Vier-Jahres-Vertrag bei der TSG, dessen Dauer an die Schulzeit des damals 15-Jährigen gekoppelt war.


Angebot vom Club lag vor

Das unter Mäzen Dietmar Hopp entwickelte Jugendkonzept sieht vor, dass im Nachwuchsleistungszentrum neben der sportlichen Entwicklung auch viel Wert auf die schulische Förderung der Talente gelegt wird.

Diese "geile Zeit" (O-Ton Schorn) neigt sich nun bald dem Ende. Noah erlebte in den letzten Jahren hautnah den Hype um Julian Nagelsmann und trainierte unter dem aktuellen Schalke-Coach Domenico Tedesco. "Bei ihm war Noah gesetzt, ein richtiger Leader", erinnert sich Vater Thomas.


Nagelsmann-Hype und Tedesco

Und wie geht es jetzt mit der Karriere von Noah Schorn weiter? Das steht in den Sternen. Angebote liegen bereits auf dem Tisch. Doch jetzt will der offensive Mittelfeldspieler erst einmal Deutscher Meister werden. Am Donnerstag tritt er mit seiner TSG gegen die "Königsblauen" von Schalke 04 an. Und dann schauen bestimmt auch Julian Nagelsmann und Domenico Tedesco zu...