Die Saison des FC Wallenfels in der Kreisklasse 4 war eine der Superlative. Nicht nur, dass man mit 80 Punkten satte zwölf mehr als der Zweitplatzierte SV Steinwiesen auf dem Konto hat. Mit 103 Toren stellt der FC den besten Sturm der Liga und mit nur 25 Gegentoren die sicherste Defensive. Besonders die Heimstärke war in dieser Serie ausschlaggebend für den Aufstieg in die Kreisliga. Von 15 Spielen gewannen die "Flößer" 14, eines endete Remis. Und so überraschte es nicht, dass die Wallenfelser schon Ende April nach dem 2:0 gegen den SV Reitsch als Meister feststanden. Der Vater dieses Erfolgs ist ein Urgestein des Vereins und doch ein Neuling: Spielertrainer Michael Herrmann ist seit 2007 im Verein, aber war heuer das erste Mal als Trainer verantwortlich.

Herr Herrmann, wie lang war die Nacht nach der gewonnen Meisterschaft gegen den SV Reitsch?
Die Nacht war sehr ausgiebig und lang. Ich bin als erster nach Hause, morgens um 3 Uhr. Die anderen waren etwas länger.

Sie sind in Ihrer ersten Saison als Spielertrainer gleich Meister geworden. Haben Sie damit gerechnet?
Nein, überhaupt nicht. Unser Ziel war es eigentlich, unter die ersten 6 zu kommen. Bis zur Winterpause waren wir dann aber Tabellenführer und ab da war es auch unser Ziel, aufzusteigen.

Dieses Ziel haben Sie souverän erreicht. Sie haben eine konstante Saison gespielt und standen seit dem 13. Spieltag an der Tabellenspitze. Wie konnten Sie diese Konstanz aufrechterhalten?
Weil wir die ganze Saison über eine Einheit waren, auch das Umfeld mit der Vorstandschaft, den beiden Spielleitern und dem Co-Trainer. Das hat alles zusammengepasst und deshalb hat das auch super funktioniert.

War es für Sie eine große Umstellung, plötzlich auch als Trainer auf dem Platz zu stehen?
Ja, da musste ich mich auch erstmal hineinfinden, ganz klar. Gut, die Jahre zuvor war ich auch schon Co-Trainer bei meinem Vorgänger. Da habe ich auch schon versucht, das Beste immer mit reinzubringen. Aber die Vorbereitung, die Taktik oder auch mal passend zu reagieren, wenn man mal zurückliegt im Spiel, das war schon eine große Umstellung.

Welchen Anteil hatte die Offensive um den internen Top-Stürmer Matthias Zeitler mit 26 Toren an der Meisterschaft?
Herausnehmen kann man in diesem Team niemanden. Alle 16 Mann sind gleichauf, auch wenn jemand mal ausfällt. Wir hatten in dieser Saison viele Verletzte und einige aus der zweiten Garde mussten einspringen. Freilich hat Matthias Zeitler mit seinen 28 Toren einen Riesenanteil.

Sie haben im Winter mit Ferit Bicak Ihren bis dahin besten Torjäger verloren, der mit 15 Saisontoren glänzte.
Er ist seinem Trainer nach Stadtsteinach gefolgt. Das war für uns relativ überraschend, aber das mussten wir so hinnehmen. Aber die Jungen, die dahinter schon gelauert haben, haben sich super hereingespielt.

Haben Sie auch mal am Aufstieg gezweifelt?
Eigentlich nicht. Nach der Winterpause sind wir gut herausgekommen. Zwischenzeitlich hatten wir 15 Punkte Vorsprung, da hatte sich Ende März schon herauskristallisiert, dass wir das schaffen würden, sofern wir nicht allzu sehr patzen.

Ist da nicht die Gefahr, dass die Mannschaft mal einen Gang herausnimmt?
Ja, das war auch mal so, dass man sich selbst und die Jungs mal motivieren und im Training bei Laune halten musste.

Was ist das Ziel in der Kreisliga?
Der Klassenerhalt hat oberste Priorität, ganz klar.
Beim letzten Aufenthalt in der Saison 2014/15 ist der FC Wallenfels postwendend wieder abgestiegen. Was macht Sie zuversichtlich, dass es diesmal ein längerer Aufenthalt in der Kreisliga wird?
Weil diejenigen, die damals aufgestiegen sind, heute viel erfahrener sind und Führungsqualitäten haben. Dazu haben wir viel junge Spieler, die sich mit deren Hilfe reinfinden müssen.

Wie wird der Kader aussehen?
Abgänge haben wir keine. Einen Zugang haben wir, nämlich den Verteidiger Kevin Löhner aus Naila, der seit einem Jahr in Wallenfels wohnt. Dazu laufen mit zwei, drei Leuten Gespräche, die in der nächsten Woche abgeschlossen werden sollen.

Wo sehen Sie den größten Bedarf?
Ganz klar im Sturm, da Matthias Zeitler etwas kürzertreten will. Er arbeitet in München und fährt jedes Wochenende hier rauf. Ob das in der nächsten Saison noch jede Woche klappt, das steht noch in den Sternen. Dazu bräuchten wir noch in der Abwehr Verstärkung.

Werden Sie als Spielertrainer noch weitermachen?
Ich habe um ein Jahr verlängert als Spielertrainer, solange es die Knochen noch mitmachen.

Das Gespräch führte
Dominic Buckreus



Zur Person

Alter: 34
Wohnort: Unterrodach
Beruf: Konstruktionsmechaniker
Spieler: Seit 2007 beim FC Wallenfels, vorher seit der Jugend beim FC Unter-/Oberrodach
Trainer: Seit 2017 Spielertrainer beim FC Wallenfels
Größter Erfolg: Der Aufstieg in die Kreisliga mit dem FC Wallenfels 2015, jetzt noch gekrönt als Trainer.