Roman Potemkin ist ein Mann mit Pfiff. Ein kluger Kopf. Ein Schiedsrichter mit Leib und Seele. Mehr noch: Der 27-Jährige aus Kronach, der seit 14 Jahren für den SV Friesen seinen Mann steht, hat ein Chemiestudium an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg abgeschlossen und bekam den akademischen Grad "Master of Science" verliehen. Die Promotion, also der Doktorgrad, ist sein nächstes großes Ziel.

Dass sich der Doktorand der Nuklearmedizin aber nicht nur mit Krebsforschung beschäftigt und dabei komplizierte Formeln im Kopf hat, zeigt ein Blick auf seine beeindruckende Bilanz als Regionalliga-Unparteiischer und als Assistent in der 3. Liga während der zurückliegenden Fußball-Saison.


Erstklassige Beurteilungen

Die dabei gezeigten Leistungen und die guten Beurteilungen zahlen sich aus: Zwar hat er den Aufstieg in die 3. Bundesliga als Schiedsrichter knapp verpasst, doch an der Seitenlinie wird er während der aktuellen Saison sogar in der 2. Bundesliga winken. Das hat der Verbandsschiedsrichter-Ausschuss entschieden.

Den verpassten Aufstieg sieht Potemkin keineswegs als Rückschlag: "So ist eben der Fußball. Meine Platzierung ist keine Niederlage, sondern eher ein großer Erfolg." Und außerdem: "Ich darf künftig in der 2. Bundesliga herumhüpfen. Das wird spannend", schmunzelt der Referee, der sich längst über die Landkreisgrenzen Kronachs hinaus einen Namen gemacht hat.

Höhepunkte gab es in seiner recht jungen Karriere schon viele. Gerne erinnert sich der Wahl-Erlanger aus Kronach an die Partie letzte Saison beim VfB Eichstätt: "Dort spielten die Löwen. Es war vor rund 3000 Zuschauer ein schönes Spiel." Schön vor allem deshalb, weil alle Beteiligten an diesem Tag mit der Schiedsrichter-Leistung zufrieden waren.

Das ist allerdings nicht immer so. Potemkin musste nach eigenen Worten schon viele strittige Entscheidungen treffen und lag sicher auch nicht immer richtig. Trotzdem ist er ein "Mann in Schwarz mit Leib und Seele".

Belohnt für seine überzeugende Art und Weise auf dem Platz wurde er im August 2017, als er als 23. Mann für das Traumspiel nominiert wurde. Über 10 000 Fans kamen letztes Jahr ins Coburger Dr.-Stocke-Stadion, um die Münchner Bayern zu erleben. Eine lockere Angelegenheit für Potemkin.


Millerntor und Alte Försterei

Deutlich anspruchsvoller werden seine bevorstehenden Spiele. Wenn er an der Seite des seit bereits zwei Jahren in der 2. Bundesliga agierenden Hauptschiedsrichters Florian Badstübner aus Nürnberg im Hamburger Volksparkstadion, im Kölner RheinEnergieStadion, am Millerntor in St. Pauli oder "An der Alten Försterei" bei Union Berlin winken darf. Dann wird er seinen persönlichen Zuschauer-Rekord sicher nicht nur einmal brechen.

Angst vor großen Aufgaben verspürt der Eishockey-Fan deshalb aber nicht: "Respekt schon eher, denn es wird sicher sehr aufregend und spannend für mich in der 2. Bundesliga."


Dietz in der Champions League

Die Schiedsrichtergruppe Kronach ist aber nicht nur stolz auf Roman Potemkin. "Vorzeigemann" Christian Dietz wird 2018/2019 an der Seite von Deniz Aytekin sogar in der Champions League seine Premiere an der Außenlinie geben. Und das nächste große Schiedsrichter-Talent aus dem Frankenwald steht auch schon in den Startlöchern: Der erst 20-jährige Jonathan Bähr wurde in die A-Junioren-Bundesliga befördert und soll dort ab sofort wertvolle Erfahrungen als Linienrichter sammeln.


Jonathan Bähr auf dem Sprung

Bähr assistiert Roman Potemkin in der Regionalliga und pfeift selbst Landesligaspiele. In seinem ersten Jahr auf diesem Niveau zeigte der im Vorstandsbüro der Sparkasse Kulmbach beschäftigte und ebenfalls für den SV Friesen pfeifende Referee nach eigenen Worten "ganz solide Leistungen".
Doch "solide" reichte für die Beförderung des außerhalb des Platzes äußerst bescheiden wirkenden Unparteiischen.



Steckbrief:


Name: Roman Potemkin
Geboren: 11. September 1990
Familienstand: ledig
Verein: SV Friesen
Schiedsrichter: seit 2004
Leistungsklasse: ab der Saison 2018/19: Schiedsrichter Regionalliga Bayern, Schiedsrichter-Assistent 2. Bundesliga

Studium: Chemiestudium an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (Chemie Master of Science)

Beruf: Doktorand in der Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Olaf Prante, Professur für Molekulare Bildgebung und Radiochemie, Nuklearmedizinische Klinik, Universitätsklinikum Erlangen

Hobbys: Eishockey, Sport allgemein