Normalerweise nimmt die Laufsaison im Frühjahr Fahrt auf. Doch in diesem Jahr gibt es Ausgangsbeschränkungen statt Volksläufe. So wurde am Donnerstag bekannt, dass der Langstrecken-Triathlon Challenge Roth in diesem Jahr nicht stattfinden wird. Auch kleinere Läufe werden vom Coronavirus gestoppt - darunter der Spendenlauf "Rund um die Ködeltalsperre" zwischen Nordhalben und Steinwiesen. Dieser hätte am morgigen Sonntag stattfinden sollen. Veranstaltet vom Arbeitskreis Äthiopienhilfe und der Turnerschaft Kronach, werden dabei seit dem Jahr 2000 Spenden für die Organisation "Stiftung Menschen für Menschen - Karlheinz Böhms Äthiopienhilfe" gesammelt.

Doch Geld soll trotzdem für die Organisation zusammenkommen, zumindest wenn der Plan der Crazy Runners Frankenwald funktioniert: Als Ersatz ruft die Laufgruppe Sportler dazu auf, auch ohne offizielle Veranstaltung aktiv zu werden. Jeder Läufer soll für sich eine frei wählbare Strecke mit einer Mindestdistanz von 10,7 Kilometern auswählen - egal wo und wann. "Ob man von der eigenen Haustür weg läuft oder auf einer Strecke, auf der man sonst laufen würde, ist egal", erklärt Kevin Wunder von den Crazy Runners. Wichtig ist: Jeder Teilnehmer muss sich an die vor Ort geltenden Bestimmungen während der Corona-Pandemie halten. Das betont der gebürtige Nordhalbener mehrmals.

An Ausgangsbeschränkung halten

Auch Bernd Graf, Pressesprecher des Landratsamts Kronach, weist in diesem Zusammenhang ausdrücklich auf die geltenden Bestimmungen hin: "Sportliche Bewegung an der frischen Luft muss im Einklang mit der Allgemeinverfügung zur vorläufigen Ausgangsbeschränkung vom 20. März stehen. Der Aufruf der ,Crazy Runners Frankenwald' zu einem ,coronakonformen' Spendenlauf am 28. und 29. März spielt dabei insofern eine Rolle, als diese Organisation eine hohe Mitverantwortung für die Einhaltung der ministeriellen Vorgaben durch die Teilnehmer an dieser Aktion trägt."

Auch deshalb betonen die Crazy Runners auf ihrer Internetseite www.crazyrunners-frankenwaldtrail.de/crazy-runners-spendenlauf-29-3-2020.html, dass es sich bei dieser Aktion um keine organisierte Lauf- oder Gruppenveranstaltung handle. "Es soll nur eine Anregung zum Laufen sein", sagt Wunder. Dazu haben sie eine detaillierte Laufbeschreibung veröffentlich. "Diese muss jeder lesen, ihr zustimmen und es genau so machen, wie es dort steht", verdeutlicht Wunder. In dieser beweisen die Crazy Runners auch Humor. So sei "auf ein geselliges Beisammensein in den jeweiligen Zielbereichen zu verzichten. Gerne kann aber vorab ein kühles Bierchen, je nach Gusto mit oder ohne Alkohol, im eigenen Kühlschrank bereitgehalten werden". Außerdem werde jedem Läufer neben einer Urkunde "Ruhm und Ehre auf den Laufstrecken dieser Welt sicher sein".

"Da von uns jeder nach wie vor trainiert, dachten wir, dass wir unsere Trainingsläufe doch unter das Motto ,Menschen laufen für Menschen' stellen könnten", sagt Wunder. "Statt den Spendenzettel wie beim Ködeltallauf in die Box zu werfen, könnten wir das Geld einfach online überweisen." Die zunächst nur interne Idee stieß bereits auf großen Zuspruch und mittlerweile hätten sich knapp 100 Läufer aus Deutschland und sogar der Schweiz dazu bereiterklärt, die Aktion zu unterstützen. Auch die Hilfsorganisation selbst freue sich über die Idee und habe bereits einige Spenden erhalten, sagt Wunder.

Den ausgefallenen Lauf um die Ködeltalsperre sehen die Crazy Runners als Start ihrer Aktion. Denn diese sei keineswegs auf das kommende Wochenende beschränkt. "Es soll ein Impuls sein", sagt Wunder. "Natürlich ist es erlaubt, auch nach dem Wochenende weiterhin zu laufen und zu spenden."

Digitaler Milzgrundlauf

Zuvor hatten bereits die Organisatoren des Höchheimer Milzgrundlaufs die Idee, die für heute geplante und ausgefallene Veranstaltung individuell und dezentral auszutragen. Jeder Teilnehmer absolviert an diesem Wochenende eine Runde vor der eigenen Haustür und sammelt digital seine Kilometer. Laufzeit und Distanz spielen keine Rolle.

Ausgangsbeschränkung in Bayern

Allgemeinverfügung: Das Coronavirus hat erhebliche Auswirkungen auf die Freiheit der Menschen, nahezu alle Veranstaltungen fallen aus. In Bayern gilt seit einer Woche und vorerst bis zum 3. April eine weitreichende Ausgangsbeschränkung. Triftige Gründe: Jeder wird angehalten, die physischen und sozialen Kontakte zu anderen Menschen außer den Angehörigen des eigenen Haushalts auf ein Minimum zu reduzieren. Wo immer möglich ist ein Mindestabstand zwischen zwei Personen von 1,5 Metern einzuhalten. Das Verlassen der eigenen Wohnung ist aus triftigen Gründen erlaubt. Dazu zählen Sport und Bewegung an der frischen Luft, allerdings ausschließlich alleine oder mit Angehörigen des eigenen Haushalts und ohne sonstige Gruppenbildung.

Ordnungswidrigkeit: Die Polizei kontrolliert die Einhaltung der Ausgangsbeschränkung. Betroffene müssen ihre triftigen Gründe glaubhaft machen. Ein Verstoß gegen diese Allgemeinverfügung kann laut Infektionsschutzgesetz als Ordnungswidrigkeit geahndet werden.