Ein wahres "Superfood" steht im Monat Mai im Mittelpunkt unserer Serie - zumindest wenn es nach Katharina Frank vom Amt für Ernährung, Forsten und Landwirtschaft (AELF) geht. Und während andere Zutaten der Spitzenklasse aus fernen Ländern importiert oder teuer hierzulande kultiviert werden müssen, kann der Spitzkohl von Mai bis Dezember aus heimischer Ernte verzehrt werden.

Viele kennen Kohl als das typische Herbst- und Wintergemüse. Das Besondere: Er kann bereits im Frühjahr geerntet werden. "Und im Vergleich zum Wirsing oder Weißkohl ist diese Sorte viel bekömmlicher", erklärt Barbara Thalhammer, Ernährungswissenschaftlerin am AELF, eine weitere Besonderheit. "Durch seine leichte Verdaulichkeit schätzen ihn Leute mit empfindlichem Magen", sagt sie . Auch die Inhaltsstoffe sprächen für die frühe Kohlsorte.


Spitze in Sachen Vitamine

"Die Kohlblätter sind wirklich Spitze in Sachen Vitaminen", erklärt Frank und zählt Vitamin B1, B2, K und Betacarotin auf. Zudem habe der frühe Kohl einen sehr hohen Gehalt an Ascorbigen, einer Vorstufe des Vitamin C, welche erst beim Kochen freigesetzt wird. "Eine Portion deckt schon den Tagesbedarf von 100 Milligramm", ergänzt Thalhammer.

Verzehren könne man das Gemüse sehr vielfältig. "Ob als Beilage oder gerollt als Wrap - Spitzkohl ist eigentlich super vielseitig einsetzbar", sagt Frank. In asiatischen Currygerichten, in deftigen Eintöpfen oder als milder Rohkostsalat - den Expertinnen fallen spontan zahlreiche Gerichte ein. "Doch nicht nur kulinarisch ist der Spitzkohl ein Gewinn", sagt Thalhammer. Durch den niedrigen Fett- und Kaloriengehalt ist der Kohl für Ernährungsbewusste, die beispielsweise auf Kohlenhydrate verzichten wollen, bestens geeignet.

Zudem sei das Gemüse reich an Ballaststoffen. Und davon, erklärt Thalhammer, nehmen die Deutschen im Durchschnitt ohnehin zu wenig zu sich. "Zu viel Fleisch, zu süß, zu fett und zu energiereich - und zu wenig Ballaststoffe", fasst sie die aktuelle Ernährungssituation zusammen. Andere Ballaststoff-Lieferanten sind zum Beispiel Vollkornprodukte oder Hülsenfrüchte. In richtigen Mengen wirken sich Ballaststoffe positiv auf die Verdauung aus, wirken so vorbeugend für eine Vielzahl von Krankheiten. Zudem fördern ballaststoffreiche Lebensmittel wie der Spitzkohl ein langanhaltendes Sättigungsgefühl und können so eine Gewichtsabnahme unterstützen.


Pflanze, die Hobbygärtnern eine reiche Ernte beschert

Steckbrief Spitzkohl ist eine süddeutsche Spezialität für die Herstellung von Sauerkraut und Rohkostsalaten. Der feinblättrige späte Kohl lässt sich gut lagern. Dank seiner Kopfform kann man Spitzkohl sehr gut vom gewöhnlichen Weißkraut unterscheiden. Eine große Variante des Weißkohls ist das Filderkraut, welches sich vor allem für die Sauerkrautherstellung eignet. Filderkraut sieht wie ein großer Spitzkohl aus. Es hat einen besonders milden Geschmack.

Inhaltsstoffe Der gesundheitliche Wert aller Kohlarten ist sehr hoch.Wie alle Kohlsorten ist Spitzkohl absolute Spitze in Sachen Vitaminen: Er ist eine gute Quelle für Vitamin C und enthält viel Betacarotin, Kalium und die Vitamine B1 und B2. Dabei ist er leichter verdaulich als andere Kohlsorten.
Anbau im Garten Die Anbaubedingungen der einzelnen Kopfkohlarten sind sehr ähnlich.

Zu unterscheiden sind bei Spitz-, Weiß- und Rotkohl der Frühanbau für den Sofortverzehr und der späte Anbau für die Lagerung. Die Spitzkohlernte erfolgt je nach Sorte von Ende Juni bis in den Herbst hinein. Bei den Hobbygärtnern ist der Spitzkohl, wegen seines sehr schnellen Wachstums beliebt. Man kann somit hohe Erträge erzielen. Aber auch der tolle Geschmack und die vielfältigen Verwendungsmöglichkeiten werden geschätzt.

Wie bei allen Kohlarten, sollte der Boden möglichst tiefgründig, nicht zu leicht und humos sein, damit Wasser und Nährstoffe gut gespeichert werden können. Obwohl eine Direktsaat im Freiland möglich ist, werden in der Praxis Jungpflanzen gesetzt. So hat man weniger Probleme mit Erdflöhen und Schnecken.

Spitzkohl liebt einen sonnigen Standort.Die Beete sind regelmäßig flach zu hacken. Man kann beim Aufkratzen des Bodens in einem Arbeitsgang den Spitzkohl auch gleichzeitig anhäufeln, um dessen Standfestigkeit zu sichern.

Immer durstig Der Wasserbedarf ist hoch. Besonders beim Beginn der Kopfbildung mussdurchdringend gewässert werden. Ein Austrocknen der Beete führt zum Platzen der Köpfe. Dann haben Schädlinge leichtes Spiel. Nach der Spitzkohlernte sollte man keinen weiteren Kohlanbau auf demselben Beet starten. Jupp Schröder




Rezept: Gebratener Spitzkohl


Zutaten:
1 Zwiebel, 1 Bio-Zitrone, 150 ml Gemüsebrühe,
1 kleiner Spitzkohl (ca. 500 g), 2 EL Olivenöl , 2 Knoblauchzehen, Zitronenthymian, 100 g Tofu, Salz, Pfeffer, gemahlener Koriander, Cayennepfeffer

Zubereitung:
Zwiebel schälen, würfeln,mit Gemüsebrühe, dem Saft der Zitrone und etwas abgeriebener Schale etwa 10 Minuten zugedeckt kochen lassen. Knoblauch schälen, in dünne Scheiben schneiden, Spitzkohl achteln und mit dem Knoblauch und dem Zitronenthymian in Olivenöl bei mittlerer Hitze von jeder Seite etwa vier Minuten braten. Tofu würfeln, zum Zwiebel-Zitronen-Sud geben, aufkochen und alles mit einem Stabmixer pürieren. Mit Salz, Pfeffer, etwas Zitronensaft, Koriander und Cayennepfeffer abschmecken und mit dem Spitzkohl servieren. db