Der rote Schriftzug "Wohlthaetigkeitsanstalt" auf der Stuckplatte am Walmdachgiebel zeugt noch heute vom ursprünglichen Nutzungszweck. Einst als Zuflucht für Arme, Alte und Kranke erbaut, geht das Bürgerspital seit Jahren selbst am Stock. Es ist ein Filetstück im Herzen der Stadt und das Sorgenkind zugleich.

Wenn es nach Angela Hofmann geht, würde das aus der Zeit gefallene Gebäude auch heute seiner ursprünglichen Bestimmung gerecht werden. Kronachs Bürgermeisterin hatte bereits während des Wahlkampfs deutlich gemacht, dass sie sich das Bürgerspital nur als Wohn- und Begegnungsstätte für Senioren vorstellen kann. Doch das Problem und der Grund, warum es seit Jahren leer steht, ist die Finanzierung: Da der Eigentümer, die Spitalstiftung, faktisch pleite ist und die Räume wenige Quadratmeter zu klein sind, damit die Sanierung vom Freistaat gefördert wird, tut sich seit geraumer Zeit nichts.

Weil sich die Kosten - unabhängig von der künftigen Nutzung - auf rund 5,5 Millionen Euro belaufen würden, liebäugelt die Verwaltung nun mit einer "Light-Variante": Die Räume sollen so renoviert werden, dass sie wieder bewohnbar sind - und das von Senioren, wie der Stadtrat am Montag einstimmig beschlossen hat. "Die Verwaltung weiß jetzt, was zu tun ist und kann die Fördermöglichkeiten prüfen", freute sich Kronachs Bürgermeisterin.

Andere Optionen sind vom Tisch

Der Weg dahin war nicht leicht, wie die der Entscheidung vorangegangene Diskussion einmal mehr deutlich machte. So standen auch Optionen wie Büroräume des Landkreises und ein Verwaltungstrakt samt Wohnungen für die Studenten des Lucas-Cranach-Campus zur Debatte. "Die Stiftung hat kein Geld mehr. Wo soll jetzt eine dreiviertel Millionen für die Renovierung herkommen?", fragte Winfried Lebok von der CSU und brachte die Idee ins Spiel, auf dem Gelände ein neues Gebäude für Seniorenwohnungen zu errichten. Das Spital selbst könnte als Bibliothek und Verwaltung vom Lucas-Cranach- Campus genutzt werden.

Die breite Mehrheit jedoch favorisiert inzwischen den ursprünglichen Zweck der Bürgerstiftung. "Die Stimmung in Kronach ist eindeutig: Es soll für Senioren genutzt werden", äußert sich Peter Witton (Grüne) und regt an, dass Bürger und Unternehmen einzelne Bausteine des Gebäudes symbolisch erwerben könnten, um Geld für die Renovierung zu generieren. Ein ähnliches Projekt bei der Frauenkirche in Dresden sei gut angenommen worden.

Solche Patenschaften hätten den Charme, dass die Bevölkerung auf dem Weg zur Wiederbelebung des Bürgerspitals mitgenommen würde.

Egal, wie die Renovierung am Ende finanziert wird: "Es wird Zeit, dass sich für die Senioren in unserer Stadt endlich etwas tut", sprach Heinz Hausmann (CSU) vielen Ratsleuten aus der Seele. "Die Diskussion dreht sich seit Ende 2017 im Kreis", merkt auch Martin Panzer (Zukunft Kronach) an. SPD-Fraktionsvorsitzender Ralf Völkl ärgert sich, dass bisher - trotz Machbarkeitsstudie - nichts vorangegangen ist: "Wir müssen uns endlich auf den Weg machen und eine machbare Lösung finden." Die Frage von Martina Zwosta (Frauenliste) ist rhetorischer Natur: "Was haben wir die letzten zwei Jahre eigentlich gemacht?"

Der Startschuss scheint nach Jahren des Stillstands endlich gefallen. Die Verwaltung will nun Fördermöglichkeiten prüfen und sich gegebenenfalls auf die Suche nach einem externen Partner begeben. Neben den Wohnungen und einem kleinen Verwaltungstrakt könnte es im Erdgeschoss künftig auch ein Seniorencafé geben - wenn die Finanzierung geklärt ist.

Ein wenig müssen sich die Senioren noch gedulden, bis sie einziehen können. Hoffentlich nicht noch zwei weitere Jahre.