Mit der Abschaffung der Nachtwächter 1901 übernahmen von nun an städtische Sicherheitswächter den nächtlichen Wachdienst. Ihr Diensteid hatte im Jahre 1904 folgenden Wortlaut:

"Ich N.N. schwöre, dass ich die mir übertragenen Dienstobliegenheiten als nächtlicher Sicherheitswächter der Stadt Kronach gewissenhaft erfüllen werde, so wahr mir Gott helfe und sein heiliges Wort."

Schon Anfang des 20. Jahrhunderts bestand die polizeiliche Vorschrift, dass Fuhrwerke in der Nacht das Ende des Wagens mit einer brennenden Laterne zu kennzeichnen haben. Die Kontrolle über die Einhaltung dieser Vorschrift oblag in Kronach den beiden städtischen Sicherheitswächtern. Über das rabiate Vorgehen eines solchen Wächters gegen einen Fuhrmann berichten die Protokolle. Am Freitag den 10. Juni 1904, nachts 11 Uhr, fuhr ein mit Lohrinden beladenes Fuhrwerk ohne brennende Fuhrwerkslaterne durch die Schützenstraße. Urplötzlich schrie eine Mannsperson "Halt". Es war der Sicherheitswächter Georg Bosch. Nachdem sowohl der Fuhrknecht als auch der begleitende Fuhrwerksbesitzer Georg Neubauer dem Wächter ihre Namen genannt hatten, wollten sie weiterfahren. Bosch verhinderte jedoch die Weiterfahrt und rief: "Das Fuhrwerk bleibt stehen." Dazu griff er in die Kreuzzügel, erwischte den Handzügel und die Nasenkette und verletzte bei dieser Handlung das Handpferd schwer am Nasenbein. Der Fuhrwerksbesitzer schildert den weiteren Verlauf dieser "Amtshandlung". Als wir nach dieser Attacke weiterfahren wollten, packte mich der Bosch am Halse und drückte mich an die Lohrinden. Dabei schrie er: "Wenn du einen Schritt weiterfährst, schneide ich die Stränge entzwei. Du bist verhaftet." Daraufhin gingen wir, ohne ein Wort zu sagen, mit auf die Wache. Mein Geschirr musste ich stehen lassen, obwohl die Pferde im Schweiße standen.

Neubauer war über dieses grobe Verhalten empört. Er konnte sich nicht vorstellen, dass ein städtischer Bediensteter in geradezu ungesetzlicher Weise einen Passanten so behandeln darf. Wegen dieses Vorfalles sollte der "wohllöbliche Stadtmagistrat" den Bosch disziplinarisch bestrafen. Würde dies nicht geschehen, wäre er gezwungen, gegen den Sicherheitswächter Strafantrag zu stellen. Bosch kündigte seinen Dienst als Sicherheitswächter zum 15. August 1904.

Im Laufe der Jahre fand ein reger Wechsel an Sicherheitswächtern statt. Die Gründe hierfür waren vielfältig. Neben wirklichen Krankheitsgründen spielte häufig der Missbrauch von Alkohol außerhalb und innerhalb des Dienstes eine große Rolle. Daraus ergab sich ein Nichterscheinen zum Dienstantritt ebenso, wie Schlafen im Dienst und das Versäumnis des weiteren Kontrollganges. Als weitere Versäumnisangaben sind genannt kaputte Wecker, die Frau hatte ihn nicht geweckt oder "starkes Abweichen" (= Durchfall). Besonders peinlich war es für die Wächter, wenn ein Säbel mit Koppel oder die Dienstmütze als Fundgut beim Polizeiwachtmeister abgegeben wurde.

Strenge Kontrollen durch Schutzleute

Um das Jahr 1904 herrschte zwischen den städtischen Sicherheitswächtern, dem Wachtmeister und den städtischen Schutzmännern ein sehr gespanntes Verhältnis. Innseiter führten dies darauf zurück, dass bei der Ernennung eines neuen Schutzmanns ein weiterer Bewerber nicht berücksichtigt wurde und dieser nur als schlechter bezahlter Sicherheitswächter, ohne größere Befugnisse, eine Anstellung bekam. Die Folge waren strenge Kontrollen der Schutzleute über die Sicherheitswächter anhand der in der Stadt an verschiedenen Stellen angebrachten Kontrolluhren (Stechuhren). Sie kontrollierten auch die Wirtshäuser in der Stadt und meldete jeden Sicherheitswächter, der sich während der Dienstzeit im Wirtshaus aufhielt. Ebenso wurde gemeldet, wer schlafend oder betrunken seinen Dienst verrichtete. Wen wundert es deshalb, wenn auch die Sicherheitswächter besonders empfindlich reagierten, wenn sie nach der gebotenen Sperrstunde den Wachmeister oder die Schutzmänner unter den Gästen in den Wirthäusern antrafen. Es kam dabei zu heftigen Wortgefechten zwischen den Parteien, die schließlich zur Anzeige beim Magistrat der Stadt führten.