Im Jahre 1909 bewarben sich gleich acht Kandidaten um die freigewordene Stelle eines Sicherheitswächters. Den Posten bekam der Leichenwärter Josef Sünkel, der seine Aufgabe als städtischer Leichenträger und Leichenanzieher beibehielt, die mit einem extra Honorar (1 Mark, 30 Pfennig pro männlicher Leiche) entschädigt wurde. Am 14. August 1909 fand seine Vereidigung für beide Tätigkeiten statt. Folgenden Eid hatte er zu leisten:

"Ich schwöre Treue dem Könige, Gehorsam dem Gesetzte u. Beobachtung der Staatsverfassung; ferner schwöre ich, dass ich meinen Verpflichtungen als Sicherheitswächter und meinen Dienstobliegenheiten beim Anziehen männlicher Leichen gewissenhaft nachkommen u. dergl. Amtsgeheimnis sorgfälligst bewahren werde, so wahr mir Gott helfe und sein heiliges Evangelium ."

Große Probleme gab es jeweils in den Wirtshäusern beim Bieten der nächtlichen Polizeistunde. Da den meisten Gäste die "Amtsperson" persönlich bekannt war, ließen viele den nötigen Respekt gegenüber dem Sicherheitswächter vermissen. Manche spöttische Bemerkung mussten sie anhören. In einem Schreiben an die Stadt brachten die Sicherheitsleute 1910 ihre Nöte vor:

Der Respekt vor den Sicherheitsleuten fehlte

"Bei Ausübung unseres Dienstes als Sicherheitswächter mussten wir schon sehr oft die beleidigende Äußerung hören - jetzt kommt der Nachtwächter, worauf wir gezwungen waren, um unsere Autorität zu bewahren, Strafanzeige wegen Beleidigung gegen verschiedene Personen zu stellen und worauf die betreffenden Personen auch gestraft wurden... "Fragt gar ein fremder Hotelgast einen Einheimischen ,was war das für einer?‘ wird geantwortet, das war der Nachtwächter." Manch einer musste im Dienst nicht nur Beleidigungen hinnehmen, sondern auch Schläge, die ihn andern Tags arbeitsunfähig machten, wie am 31. Juli 1910 im Gasthof "Goldener Wagen" geschehen.

Alkohol, Schläge, Beleidigungen

Aus diesen Gründen bitten sie darum, die Bezeichnung Sicherheitswächter entweder in Nacht- oder Hilfsschutzmann zu ändern. Mit den neuen Titeln würde ihren Anweisungen mit Sicherheit vom Publikum eher Folge geleistet als sonst. Nach Rücksprache der Stadt beim Polizeiwachtmeister blieb es aber bei der alten Bezeichnung.

Aus den Niederschriften geht hervor, dass sich der "grobe Unfug" der Bürger oftmals glich. Häufiger Grund war der übermäßige Genuss von Alkohol, was immer wieder zu Ausschreitungen gegen die Sicherheitswächter führte. Bei der Androhung von Schlägen und Beleidigungen waren diese verpflichtet, diese Verfehlungen anzuzeigen. So geschehen im November 1925 um  12 Uhr in der Bahnhofsstraße in Kronach . Ein Bürger aus Nordhalben zog laut singend und grölend durch die Stadt. Dabei traf er auf die beiden Sicherheitswächter, die ihn ermahnten den groben Unfug einzustellen und sich ruhig zu verhalten. "Unseren Aufforderungen, sich ruhig zu verhalten, leistete er keine Folge, sondern erwiderte uns: Ihr könnt mir einen Dreck anhaben. Kommt nur her, wenn Ihr was wollt, Ihr Hosenscheißer."

Im nachfolgenden Verhör durch den Wachtmeister Engelhardt gab der Beschuldigte an, in dieser Nacht betrunken gewesen zu sein. Er bestätigte das Zusammentreffen mit den Sicherheitswächtern, konnte sich aber nicht daran erinnern, diese beleidigt zu haben. Da er durch ein "künstliches Bein" in seinem Erwerb behindert sei und nur eine kleine Rente beziehe, einigte man sich auf einen Vergleich anlässlich eines Sühnetermins.