Tierische Motive, Frauenkörper, Blumen und sogar eine kleine Weihnachtskrippe - Rund ein Dutzend Teilnehmer griff in den vergangenen beiden Wochen inmitten herrlicher Natur in Dobersgrund zu Meißel, Fäustel und Hammer. Unter professioneller Anleitung des freischaffenden Bildhauers Tobias Schreiber entstanden in dessen Garten-Atelier zauberhafte bisweilen "überraschende" Sandstein-Kunstwerke, die anfangs nicht immer genau so geplant waren.

"Aus meiner liegenden Katze wurde leider nichts", lacht Antje Mann, während sie ihrem neuesten Werk - ein Huhn im XXL-Format - gerade mit dem Meißel den letzten Feinschliff gibt. Eigentlich wollte die quirlige Berlinerin heuer ihren 2019 nicht zu Ende gebrachten Stubentiger vollenden. Nachdem sie in ihrer Arbeit schon recht weit fortgeschritten war, brach der Stein etwas auseinander. Flexibel, wie sie ist, entschied sich die Steinkünstlerin für einen neuen Stein und ein neues Motiv. Ein "mächtiges" Huhn, dem sie auch gleich einen Namen verpasst hat: "Huhnigund, Freihuhn von Henneberg". Für das Huhn mit der enormen Körperfülle hat sie bereits feste Pläne, wofür "Huhnigund" im nächsten Jahr noch einmal nach Kronach zurückkehren soll; im Rahmen einer Ausstellung im Landratsamt.

Eigentlich hätte hier nämlich im April die Ausstellung "Chicken Winks" von Sabine Schmalz stattfinden sollen. Die Künstlerin der zwei Meter (!) hohen humorvollen Hühner-Porträts ist eine Freundin von Antje Mann, die den Kontakt zu Kreiskulturreferentin Gisela Lang hergestellt hatte. Leider kam die Corona-Pandemie dazwischen, weswegen die Ausstellung nun nächstes Jahr stattfinden und Manns "Orpington"-Huhn - eine der größten Hühnerrassen der Welt - als schmückendes "Beiwerk" zu sehen sein soll. Für den Stein, der zur Katze werden sollte, überlegt sie sich noch ein anderes Motiv, das sie dann bei der 26. Sandstein-Werkstatt 2021 vollenden möchte. "Zuhause in Berlin kann ich nicht daran arbeiten", mutmaßt sie, dass ihre Nachbarn im Mietshaus vom stundenlangen Klopfen wohl nicht sonderlich begeistert wären.

Tierisch umdisponiert hat auch Lore Walker, die sozusagen eine XS-Ausgabe des Hühner-Motivs in Sandstein haute: Ein Küken. Ihr erstes Werk - ein Namensstein als Geschenk für einen lieben Bekannten - hat die mit 17 Teilnahmen in diesem Jahr bislang "Dienstälteste" bereits vollendet. "Der Stein wurde gestern schon abgeholt und man hat sich sehr darüber gefreut", strahlt die Kronacherin, die sich eigentlich zusätzlich eine "kleine Dicke" - ähnlich wie auf dem LGS-Gelände - vorgenommen hatte. Stattdessen wird es nun ein kleines Küken, das sie zuhause fertigstellen wird.

Nur kleinere Änderungen gab es für die Frauenskulptur von Brigitte Bühler - und zwar in der Größe des Busens. "Der Stein ist ein paar Mal weggebrochen, sodass die Rundungen immer etwas kleiner wurden", lacht die Unterrodacherin, die mit einer Teilnahme weniger Lore Walker dicht auf den Fersen ist. Die Frauenskulptur wird wiederum einen schönen Platz in ihrem Garten in Unterrodach finden. Einige ihrer Kunstwerke hat sie auch schon abgegeben, aber nur an liebe Bekannte, von denen sie weiß, dass sie die Werke auch wertgeschätzen werden. Diesen mit ihrer Schaffenskraft eine Freude zu machen, sei ein sehr schönes Gefühl. Mit ihrem diesjährigen Ergebnis ist Brigitte Bühler sehr zufrieden. Verbesserungen gebe es jedoch natürlich immer. "Das sind manchmal wirklich nur Feinheiten, die aber einiges ausmachen. Deshalb komme ich ja auch jedes Jahr immer wieder so gerne hierher, weil man eben von Tobias Schreiber so viele Tipps bekommt", sagt sie. So habe er ihr beispielsweise empfohlen, von der Achsel ihrer Figur etwas wegzunehmen, wodurch die Brust besser herausgearbeitet werde. Sehr dankbar zeigt sie sich, dass dieser nach dem Tod von Heinrich Schreiber (1935 bis 2016) die Werkstatt seines Vaters weiterführt, wofür er sogar Umbauten in seinem Garten-Atelier vorgenommen hat. "Er berät und hilft uns, wenn wir Hilfestellung brauchen", lobt sie. Zugleich lasse er allen Teilnehmern aber auch die künstlerische Freiheit, ihren eigenen Weg zu suchen und zu finden.

Tobias Schreiber sieht sich dann insbesondere auch als Ratgeber. "Ich würde zum Beispiel niemals jemanden kritisieren, der das erste Mal dabei ist", sagt der freischaffende Bildhauer. Das wäre bei Ivana Zien aus Hof auch gar nicht nötig. "Ich schaue die Figur immer wieder an und kann nicht glauben, dass ich das gemacht habe", strahlt sie übers ganze Gesicht, während sie liebevoll ihre in der Tat sehr gelungene Skulptur betrachtet. Zweifellos hat Ivana Zien, die auch Mitglied des Kunstvereins Hof ist, eine große künstlerische Ader. Sie malt Bilder, von denen sie einige auch mit nach Dobersgrund gebracht hat, und fertigt fantasievolle Broschen. Vor vielen Jahren habe sie schon einmal mit Sandstein gearbeitet, jedoch im viel kleineren Format. Ihre Frauenskulptur soll einen von außen gut sichtbaren Platz in ihrem Garten erhalten; aber auch bei einer Ausstellung im Hofer Kunstverein zu sehen sein. Der Kurs habe ihr viel Freude bereitet, obwohl die tägliche Anfahrt schon einen gewissen Aufwand dargestellt habe. "Dennoch denke ich darüber nach, im Augst noch einmal teilzunehmen, eben weil ich dabei so viel gelernt habe", verrät sie.

Nicht im August, wohl aber im kommenden Jahr will Achim Küpferling aus Weißenbrunn wieder dabei sein. Von der Schaffenskraft des "Wiederholungstäters" zeugen gleich mehrere Kunstwerke auf seinem Arbeitspodest, wo geklopfte Schönheiten von einer Sonne über eine Blume bis hin zu einer kleinen Weihnachtskrippe einträchtig Seite an Seite stehen.

Bis zum nächsten Jahr brauchen Interessenten eines neuen Kurses nicht zu warten. So startet der Kurs 2 am 3. August. Zusätzlich gibt es heuer noch eine Jubiläumswoche ab dem 27. Juli. Beide Male sind noch Plätze frei. Weitere Teilnehmer, mit oder ohne Vorkenntnisse, sind herzlich willkommen.

Jubiläumswoche 25 Jahre Sandsteinwerkstatt: vom 27. bis 31. Juli 2020;

Bildhauer Kurs 2: vom 3. bis 14. August.

Alternativ gibt es die Möglichkeit, jeweils lediglich eine Woche in der Zeit vom 3. bis 7. August beziehungsweise 10. bis 14. August daran teilzunehmen. Kursgebühren: 300 Euro für die gesamte sowie 200 Euro für jeweils fünf Tage Kursdauer, zusätzlich Materialkosten ja nach Größe des Steines.

Schüler/Studenten erhalten gegen Vorlage ihres Schüler- bzw. Studentenausweises 20 Prozent Ermäßigung auf die Kursgebühren. Anmeldungen werden nur schriftlich anerkannt und erfolgen an Tobias Schreiber, Klosterstraße 16, 96317 Kronach. Infos/Rückfragen zur Anmeldung: E-Mail: tobias_schreiber@gmx.de, Telefon 09261/52888 (ab 18 Uhr)