Am 28. Juni feiern die Rosenberg-Festspiele mit dem "Wirtshaus im Spessart" Galapremiere. Nicht einmal mehr zwei Wochen, in denen es noch einiges zu tun gibt. Tourismuschefin Kerstin Löw verrät im Interview, worauf sie sich schon wahnsinnig freut und wie sie die Turbulenzen der vergangenen Jahren mit etwas Abstand sieht.

Wie laufen die Vorbereitungen für die Rosenberg-Festspiele?
Kerstin Löw: Gut. Ich war schon bei einer Probe des Dschungelbuchs dabei, wo alle Szenen hintereinander gespielt wurden. Das war ein unglaubliches Vergnügen. Im Moment werden die zwei Stücke "Dschungelbuch" und "Das Wirtshaus im Spessart" geprobt, weil wir diesmal nicht mit dem zweiten Abendstück unsere zweite Premiere gestalten, sondern mit dem Kinderstück. Das zweite Abendstück "Mirandolina" feiert erst Ende Juli Premiere. Damit wollen wir die Spannung noch etwas halten.

Was war bis jetzt ihr Highlight?
Ich genieße die Qualität der Arbeit und die tolle Stimmung. Es ist ein wunderbares Miteinander - die Schauspieler fühlen sich wohl und die drei Regisseure harmonieren gut. Nach den zwei sehr anstrengenden Jahren, genieße ich das sehr.

Das Dreiergespann Stefan Haufe, Axel Weidmann und Anja Dechant-Sundby - wie hat sich das bis jetzt bewährt?
Sehr gut. Es ist eine Verdreifachung der Kreativität und jeder bringt seine Stärken ein. Wir haben drei Stücke, drei künstlerische Handschriften und drei Ideen dazu, wie man ein Freilichttheater macht. Aber einer muss natürlich den Hut aufhaben, das ist klar, damit kein Chaos entsteht und das ist der neue künstlerische Leiter Stefan Haufe.

Wo liegt das Budget für die Festspiele in diesem Jahr?
Es ist in etwa gleich geblieben und wir werden das auch nicht überschreiten. Es wurde ja oft vermutet, dass im Zuge der Umstellung und der Verstärkung der Kapazitäten mit Gastschauspielern und der Verteilung der Rollen mehr Geld fließen muss, aber das tut es bisher nicht. Darauf achten wir. Das macht die Sache umso erfreulicher.

Wie läuft die Finanzierung solcher Festspiele ab?
Es sind mehrere Säulen. Zum einen bekommen wir eine staatliche Förderung vom Freistaat Bayern in Höhe von 40 000 Euro und vom Landkreis werden wir unterstützt. Mehr als 40 000 Euro im Durchschnitt kommt jedoch von privater Seite - "Public-private-Partnership" spielt auch bei den Rosenberg-Festspielen eine große Rolle. Den Rest der Ausgaben trägt die Stadt Kronach beziehungsweise der Tourismusbetrieb, wobei ein großer Teil von den Erträgen refinanziert wird.

Werden sich die Festspiele auch mal selbst finanzieren können?
Das ist illusorisch. Wenn man Kulturprodukte verkauft, gibt es zwar immer eine kaufmännische Seite, wo es schon darum geht, alle Ertragschancen auszuschöpfen. Aber auf der anderen Seite sorgen wir auch für Lebensqualität und Herzensbildung und die kann man nicht in Geld messen und soll man vor allem auch nicht.
Trotzdem ist Wachstum selbstverständlich ein wichtiges Prinzip und natürlich haben wir Potenzial zu wachsen, was die Auslastung angeht. Da wollen wir im nächsten Jahr aber auch baulich einige Dinge ändern. Aber wie gesagt, es geht auch um die Qualität und die ist wichtig für uns als kommunaler Kulturanbieter.

Die Turbulenzen der letzten zwei Jahre - wie betrachten Sie diese mit etwas Abstand?
Es war eine Art Häutungsprozess, der schmerzhaft ist und allen Beteiligten weh tut. Aber er war wahrscheinlich notwendig, um an diesen Punkt zu kommen, wo wir jetzt sind. Uli Scherbel hat uns da in den letzten zwei Jahren sehr geholfen, besonders was den Weg zu externen Schauspielern und Regisseuren angeht. An der Stelle möchte ich mich noch einmal herzlich bedanken bei allen, die den Veränderungsprozess mitgetragen haben. Und jetzt können wir nach vorne schauen.

Neues Logo und neuer Name - was hat das den Festspielen gebracht?
Der Markenwechsel ist mir zunächst ziemlich um die Ohren geflogen, was ich irgendwie auch unterschätzt hatte. Nun ist er vollzogen, hat sich etabliert und eröffnet uns für die Zukunft immer die Festung Rosenberg mitzunehmen. Mit dem Namen sagen wir jetzt schon: "Wow, das ist eine tolle Festung, da oben findet das statt". Zudem haben wir dadurch auch markentechnisch unser Repertoire geöffnet - weg von einem Stück und dem einen Autor.

Lange war das Publikum hauptsächlich aus der Region generiert, dann wollte man zukünftig auch überregional mehr Aufmerksamkeit generieren - Ist das gelungen?
Wir haben das noch nicht richtig geschafft. Man muss aber auch betonen, wir sind wie jedes Theater zunächst einmal ein regionales Theater - und das ist auch schön so. Es ist für den Landkreis eine wichtige, kulturelle Einrichtung. Erfreulich ist, dass wir mittlerweile deutlich mehr Gruppenkarten verkaufen als früher.
Aber um wirklich überregional noch weiter punkten zu können, müssen wir den Spielplan und die Stücke im August des jeweiligen Vorjahres haben - und das gelingt uns hoffentlich in diesem Jahr. Damit können wir uns dann bei den Reiseveranstaltern platzieren, die ja auch sehr viel Vorlauf brauchen.

Wie soll es nun weiter gehen?
Wir versuchen in diesem Bereich eine enge Kooperation mit verschiedenen Reiseveranstaltern aus dem fränkischen Raum einzugehen. Wir haben in den letzten beiden Jahren für die touristische Arbeit einen umfänglichen Datenbestand angelegt mit mehreren hundert Kontaktadressen von Reiseveranstaltern und Busunternehmen, die wir regelmäßig anschreiben.

Wichtig für die Steigerung der Besucherzahlen ist übrigens generell, dass wir eine vernünftige Parkplatzsituation rund um die Festung haben. Insofern freue ich mich sehr, dass im nächsten Jahr der Äußere Wallgraben zum Parkplatz gestaltet wird, das entzerrt die Lage kolossal. Dann können auch ältere Leute über den neuen barrierefreien Eingang ins Festungsgelände kommen und da verspreche ich mir einiges davon.

Haben sich die Kinderstücke bewährt?
Heutzutage kann man es sich nicht mehr leisten, das junge Publikum nicht anzusprechen. Wir verkaufen übrigens auch zwei Schulaufführungen am Vormittag, die komplett ausverkauft sind und wir überlegen uns, sogar noch eine dritte anzubieten. Die Vormittagsaufführungen sind ein echter Zukunftsmarkt für uns. Und ganz klar: Rosenberg-Festspiele wird es ohne Kinderstück nicht mehr geben.

Was steht bis zur Galapremiere am 28. Juni noch an?
Jetzt ist die heiße Phase. Zum einen sind wir bemüht, die Umstände so zu gestalten, dass die Proben optimal laufen.
Zum anderen bereiten wir die Premiere selbst mit all ihren Details vor und dann geht es auch schon los. Und bitte Daumen drücken, dass Petrus mit dem Wetter gnädig bleibt.


Das Gespräch führte
Lisa Kieslinger



Gewinnspiel

Verlosung Wir verlosen für die Vorstellung "Das Wirtshaus im Spessart"am 1. Juli fünf mal zwei Karten. Alles, was Sie dafür tun müssen, ist uns bis Dienstag, 27. Juni 12 Uhr eine E-Mail an redaktion.kronach@infranken.de mit dem Stichwort "Rosenberg-Festspiele", ihrem Namen, Adresse und Telefonnummer zu schicken. Wenn die Losfee die Gewinner gezogen hat, werden diese benachrichtigt.