Drei Wochen hatten die Eltern und Schüler Zeit, sich zu entscheiden. Jetzt stehen die Ergebnisse der Probeeinschreibung für eine im Raum stehende neue Realschule für den nördlichen Landkreis in Pressig fest.

Der erste Teil der Ergebnisse, die das Kultusministerium am späten Dienstagnachmittag veröffentlichte: In den sieben Nord-Gemeinden Stockheim, Pressig, Steinbach am Wald, Teuschnitz, Ludwigsstadt, Reichenbach und Tettau gibt es insgesamt 41 Schüler, die im September von einer Grund- an eine Realschule wechseln. "Schüler für eine Schule wären also da", kommentiert Landtagsabgeordneter Jürgen Baumgärtner (CSU) diesen Teil der Zahlen.

Teil zwei des Ergebnisses allerdings ist anders zu bewerten. Nur 16 der 41 Schüler würden, falls dies bereits möglich wäre, zum neuen Schuljahr lieber in eine Realschule Pressig gehen statt nach Kronach.


Herkunft der Kinder analysieren

Die eindeutige Mehrheit derer, die ein Neubau einer Realschule in Pressig derzeit betreffen würde, würde ihn nicht nutzen wollen. Wie ist dieses Ergebnis zu bewerten?

"Ich danke dem Ministerium für die Bereitschaft, Vorläuferklassen überhaupt zu installieren", sagt Landrat Klaus Löffler (CSU). "Diese Möglichkeit gab es so bislang noch nie." Jetzt gelte es, die Zahlen zu analysieren, zu bewerten und mit den politisch Verantwortlichen, der Schulfamilie und dem Ministerium zu besprechen.

"Wir wollen am Ende das, was für die Kinder am besten ist", betont Löffler. Zentrale Bedeutung werde in der Analyse die Frage einnehmen, aus welchen Orten die Kinder kommen, die nach Pressig möchten, und woher diejenigen, die sich dagegen aussprechen. Löffler: "Wir müssen jetzt Gespräche führen und am Ende des Tages Schlüsse ziehen."


Pressig im Norden alternativlos?

Auch Baumgärtner spricht sich gegen zu schnelle Schlüsse aus. Er betont, wie positiv das Signal des Ministeriums, Vorläuferklassen zu installieren, überhaupt ist. "Was wir nun daraus machen, liegt in der Hand der Region. Das ist viel Wert."

Für Baumgärtner ist Pressig der einzige mögliche Schulstandort im nördlichen Landkreis. Würde man noch weiter nach Norden gehen, reichten die Schülerzahlen nicht aus. Das Interesse beispielsweise der Stockheimer, nach Ludwigsstadt zu fahren, sei nicht vorhanden. "Die Realschule kommt entweder in Pressig oder bleibt ausschließlich in Kronach."

Für die Eröffnung der Schule möchte sich die CSU keinen zeitlichen Druck machen. "Qualität geht vor Zeit", sagte Landrat Löffler bereits am 23. Mai 2017 im Schulausschuss des Kreistages. 2026/27 könnte, so der aktuelle Informationsstand, eine Realschule Pressig ihr volles Schülervermögen haben und alle Jahrgänge könnten unterrichtet werden.


Wicklein: Geld sinnvoll ausgeben

Stefan Wicklein, Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler im Kreistag, sieht den Ball jetzt im Spielfeld der bayerischen Staatsregierung liegen. "Anhand der nun bekannten Zahlen muss das Ministerium seinen Plan für Pressig vorstellen. Danach muss der Landkreis Kronach als Schulaufwandsträger entscheiden, ob er diese Lösung mitträgt."

Die neue Schule, so Wicklein, dürfe der bereits bestehenden in Kronach qualitativ nicht nachstehen. "Und man muss auch sinnvoll mit dem Geld umgehen", betont Wicklein. "Wenn man uns einen Plan vorlegt, der Zukunft hat, werden wir ihn mittragen. Wenn nicht, dann nicht."


SPD plädiert für Gesamtschule

Deutliche Worte findet Richard Rauh, Kreistagsfraktionsvorsitzender der SPD. "Ohne Schüler keine Schule. Es war einen Versuch wert. Aber wenn wir den Willen der Schüler berücksichtigen möchten, müssen wir das Thema Realschule Pressig beenden."

Für Rauh ist das Ergebnis keine Überraschung. "Die Schüler wollen lieber dorthin, wo sie sich in der Pause oder nach dem Unterricht auch mal etwas kaufen können."

Für ihn ist es eine Überlegung wert, über eine Gesamtschule im nördlichen Landkreis nachzudenken. "Sie wäre mit über 200 Schülern lebensfähig und würde auch die Kronacher Schulen am wenigsten belasten." Für die Staatsregierung seien Gesamtschulen aber leider, so Rauh, "ein rotes Tuch".