Sie fahren Patienten zum Arzt, zur Therapie oder nach einem Krankenhaus-Aufenthalt wieder nach Hause: Mitarbeiter von Patienten-Fahrdiensten haben eine wichtige Aufgabe in der Gesellschaft inne. Denn die Menschen, die die Mitarbeiter des Patienten-Fahrdienstes befördern, haben oft niemanden, der sie zum Arzt fährt. Oder die Betroffenen sind zum Beispiel so krank, dass sie mit einer Trage zum Fahrzeug gebracht werden müssen.

Trotz der wichtigen Aufgabe, welche die Patienten-Fahrdienste leisten, herrscht im Markt ein hoher Preisdruck. Ende Juni erst stellte das Bayerische Rote Kreuz (BRK) im Kronacher Nachbarlandkreis Kulmbach seinen ambulant betreuten Fahrdienst ein. Die Verluste seien nicht mehr auszugleichen gewesen, hieß es. Mit den hohen Lohnkosten nach Tarif konnte das BRK dem Wettbewerb nicht mehr Stand halten.

Fahrdienst 2015 eingestellt

Im Landkreis Kronach hat das BRK seinen Patienten-Fahrdienst bereits im Jahr 2015 eingestellt. Man habe damals entschieden, sich auf das Kerngeschäft mit qualifiziertem Krankentransport und Rettungsdienst zu konzentrieren, berichtet Kreisgeschäftsführer Roland Beierwaltes auf FT-Anfrage.

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Die Gründe für das Aus des Patienten-Fahrdienstes waren ähnlich gelagert, wie jetzt beim BRK in Kulmbach. Man habe einen hohen Qualitätsanspruch, sagt Beierwaltes. Zwei Mitarbeiter hätten jede Fahrt begleitet. Diesen habe man einen guten Tarif zahlen wollen. Der Kostendruck im Bereich des Patienten-Fahrdienstes wäre letztendlich zu Lasten der Mitarbeiter und der Qualität gegangen, erklärt Beierwaltes, sodass die BRK-Verantwortlichen entschieden, den Fahrdienst einzustellen.

Dem Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) ist es zu verdanken, dass im Landkreis Kronach nach dem Ausstieg des BRK vor fünf Jahren dennoch keine größere Lücke entstanden ist. Der Patienten-Fahrdienst des ASB-Kreisverbands besteht aus 15 Mitarbeitern. An sechs Tagen in der Woche sind diese in einem Schichtsystem im Einsatz, wie der stellvertretende Geschäftsführer des ASB Kronach, Ingo Holzmann, erklärt. Sechs Fahrzeuge bilden den zugehörigen Fuhrpark. Die Mitarbeiter sind zu zweit unterwegs, "um die Patienten ihren Anforderungen entsprechend transportieren zu können".

Unterschied zu Mietwagenunternehmen

Eine Einstellung des Patienten-Fahrdienstes sei nicht geplant, sagt Holzmann. Einen Konkurrenzdruck durch private Anbieter sehe er im Landkreis Kronach nicht. "Unser Patienten-Fahrdienst unterscheidet sich von klassischen privaten Mietwagenunternehmen", erklärt Holzmann. Die privaten Anbieter beförderten meist Patienten, die noch selbst zum Bürgersteig kämen und dort ins Auto steigen könnten. "Unser Fahrdienst ist speziell auf Personen ausgerichtet, denen es nicht mehr möglich ist, eigenständig Treppen zu steigen oder aus eigener Kraft das Haus zu verlassen."

Die Patienten würden im eigenen Rollstuhl, im Tragestuhl oder auch liegend transportiert. "Wir transportieren Menschen zu ambulanten Behandlungen beim Arzt oder auch zur Dialyse", führt Holzmann aus. Einen großen Teil machten auch Entlass-Fahrten der Helios Frankenwaldklinik in Kronach aus. "Hier bringen wir Patienten nach Hause, in eine Reha-Einrichtung oder verlegen sie in ein anderes Krankenhaus."

Aber auch Holzmann weiß um die "allgemein schwierige Situation" der Patienten-Fahrdienste. Die Fahrdienst-Mitarbeiter des ASB erhielten etwas mehr als den gesetzlich vorgeschriebenen Mindestlohn. "Wir würden unsere Fahrer gerne nach Tarif entlohnen", sagt Holzmann, "da sie täglich eine tolle und verantwortungsvolle Arbeit leisten". Dies lasse sich jedoch mit den Vergütungen seitens der Krankenkassen meist nicht decken. "Es geht hierbei gar nicht um das Erzielen von Gewinnen", sagt Holzmann. Es reiche eine schwarze Null am Ende des Jahres.

Zähe Verhandlungen mit den Krankenkassen

Die Fahrten werden direkt mit der Krankenkasse des jeweiligen Patienten abgerechnet - anhand festgelegter Vergütungssätze, die mit den Krankenkassen jährlich neu verhandelt werden, wie Holzmann erklärt. "Es ist nicht immer einfach, mit den Krankenkassen entsprechende Vergütungen zu vereinbaren, sodass ein Fahrdienst, wie zum Beispiel der des ASB in Kronach, auch weiter bestehen kann."

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Bei der Vergütung durch die Krankenkassen ergeben sich mitunter große Unterschiede, wie der stellvertretende ASB-Geschäftsführer berichtet. Für eine Stadtfahrt mit rund fünf Kilometern Strecke bekomme man 35,48 Euro als schlechteste Vergütung und 48,76 Euro als beste Vergütung. "13,28 Euro Differenz - für die gleiche Leistung", fasst Holzmann zusammen.

Neben den Personalkosten stellt auch die Zertifizierung der Fahrzeuge einen weiteren Kostenpunkt dar. "Die Fahrzeuge müssen über eine spezielle DIN-Norm verfügen", erklärt Holzmann. Alle zwei Jahre werden sie neu zertifiziert. Die Fahrzeuge dürfen darüber hinaus zum Beispiel auch nicht älter als sechs Jahre sein. Ein neues Fahrzeug samt spezieller Ausstattung für den Patienten-Fahrdienst koste rund 45 000 Euro, wie Holzmann erklärt.

Fahrten haben sich verdoppelt

6600 Fahrten führte der Patienten-Fahrdienst des ASB im vergangenen Jahr durch. Das entspricht einem Durchschnitt von 550 Fahrten pro Monat. Die Zahlen sind in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen, wie Holzmann berichtet. 2013 etwa waren es rund 3000 Fahrten pro Jahr. Der Wert hat sich also in den vergangenen sieben Jahren mehr als verdoppelt. Dies sei zum einen auf den Wegfall des Fahrdienstes des BRK zurückzuführen, so Holzmann. Zum anderen mache sich der demografische Wandel bemerkbar.

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"Der Bedarf ist auf jeden Fall da", sagt auch Annabelle Scherbel. Ihr in Pressig ansässiger Fahrdienst ist einer der wenigen privaten Anbieter im Landkreis, die bei den Patientenfahrten auch den Rollstuhltransport im Programm haben. Sie sei aktuell am Überlegen, ob sie das Angebot der Rollstuhlfahrten auch in Zukunft noch aufrecht erhalten könne, berichtet Scherbel. Denn die Kosten hierfür überstiegen das, was sie von den Krankenkassen als Vergütung bekomme. Mit lediglich einem dafür zur Verfügung stehenden Auto sei sie zudem weniger breit aufgestellt als etwa der ASB.

"In der Branche herrscht ein reiner Preiskampf", bestätigt Scherbel. Die Krankenkassen hielten Ausschau nach dem billigsten Anbieter. Dies gehe zu Lasten der Qualität. "Werte und geschultes Personal zählen nicht", sagt Scherbel, die 23 Jahre im sozialen Bereich gearbeitet hat. Ihre Mitarbeiter habe sie gezielt ausgesucht und für den Umgang mit den Patienten, die ihren Fahrdienst in Anspruch nehmen, geschult. "Ein behutsamer Umgang mit den Patienten ist mir wichtig", sagt Scherbel. "Leider wird von Seiten der Kostenträger nur nach dem Motto ,Schnell und billig‘ gehandelt."