Das war schon Hardcore-Unterhaltung, die der Nürnberger Kult-"Kommödiant" Bembers den Zuschauern bei der zweiten Kronacher Open-Air-Veranstaltung auf der Festung zugemutet hat. Als Südstadt-Proll breitete er die ganze Themen-Palette seiner Kiez-Welt vor den sehr gut gefüllten Blocks der Festungs-Freibühne aus. Und in breitem "Nembergerisch", gespickt mit Szene-Slang-Ausdrücken und jenseits aller "Political Correctness".

Schafe, die als Bühnendeko zu seinem Best-Off-Programm "Mit Alles und Schaf" herumgruppiert waren, kamen allerdings darin gar nicht vor. Ansonsten waren ein Sitzhocker und ein paar Flaschen Gostenhofener Schanzenbräu-Hell die einzigen weiteren Requisiten für die Dreistunden-Show.

Zu Beginn bekannte Bembers, dass es gar nicht so leicht sei, berühmt zu sein, weil jetzt jeder was von ihm will ("jetzt hab ich die Scheiße am Hacken"). Und offensichtlich hat er viele Fans aus unterschiedlichsten Schichten - vom sichtlich angeturnten gastgebenden Bürgermeister Wolfgang Beiergrößlein, über diverse Alt-Metaller- und Biker-Typen, Spät- und Nachwuchs-Punks, "Normalos" in Dreiviertelhosen und Sonnentops, bis hin zu aufgestylten Geschäftsmenschen in schicken Designer-Klamotten.


Nichts für zarte Gemüter

Und alle wussten wohl, was sie erwartet und hatten dann ihren Spaß. Das heißt, mindestens ein Paar verließ die Darbietung vorzeitig. "Pickel am Arsch" in ausführlichster Betrachtungsweise samt falsch interpretierter Prophylaxe im Turbo-Sonnenstudio mit anschließendem selbstleuchtendem "O-Ring" war anscheinend etwas zu tief unter der Gürtellinie für zarte Gemüter.

Ansonsten - Rache am Tätowierer, der ihm die komplette Visitenkarte auf den Rücken appliziert hatte und dann die Retour-Kutsche samt korrigiertem Schreibfehler gestochen bekam. Oder nächtliche Polizeikontrolle der Halbwelt-Größe mit überforderten "Volkspolizisten" aus Sachsen, diverse Auseinandersetzungen mit kunstspuckenden Siff-Russen in der U-Bahn und "Neger-zusammenfaltenden Nazi-Flachwichsern".

Im zweiten Programmteil stellte der Bembers sein beachtliches parodistisches Können unter Beweis und ließ durchblicken, dass hinter dem vermeintlichen Kiez-Selbstdarsteller ein durchaus nachdenklicher, selbstironischer, toleranter und mitfühlender Kerl steckt. Mitunter à la Ditsche ins Absurde sinnierend, aber auch beleidigt cholerisch aufbrausend, wenn ihm was zuwider kommt. Nebenbei lernten die Zuschauer, was ein "Orschluuch-Magned", "Steckdosn-Necher" und "Afro-Germanen" sind.


Priscilla und die "Wilde Hummel"

Nach diesem "intellektuellen Teil" ging es fulminant dem Höhepunkt entgegen, der in den "Arschpickel" mündete. Dazwischen lag noch die absolut mitreißende Inszenierung eines von seiner besseren Hälfte Priscilla angezettelten Silvesterabends, der mit dem Böller namens "Wilde Hummel" im absoluten Inferno endete. Das Publikum jodelte vor Vergnügen. Das gemeinsam stehend gesungene "Danke" in der Künstler-Version war sicher beiderseits ehrlich gemeint.