Das Päckchen Butter hält gerade noch seine Form, und die Tiefkühlpizza sehnt sich nach den Minusgraden des Gefrierschranks. Gerade bei den derzeit herrschenden Temperaturen kann es gar nicht schnell genug gehen, den Wochenendeinkauf aus dem zur Sauna gewordenen Auto in die - hoffentlich kühleren - eigenen vier Wände zu retten. Was schwierig wird, wenn auch der letzte Parkplatz belegt ist.

In Kronachs Oberer Stadt kein seltenes Szenario. "Da ist alles vollgestellt. Teilweise wird sogar stundenlang in den Feuerwehranfahrtszonengeparkt", bemängelt ein Leser, der sich bei unserer Redaktion gemeldet hat. Namentlich möchte er aber ebenso wenig genannt werden wie seine Nachbarn - aus Angst vor negativen Reaktionen im Internet oder auf der Straße, wie er erzählt: "Wir sagen schon gar nichts mehr, denn du wirst nur noch frech angeredet."

Als er letztmals einen Fahrer darauf hinwies, dass dieser gerade in einem Halteverbot stand, habe er als Antwort nur bekommen: "Zahlst du die 15 Euro oder ich?" Diskussionen auf die sich viele Anwohner seiner Ansicht nach nicht mehr einlassen wollen.


Eine kurze Chance

Dass Falschparker auch zahlreiche Anwohnerparkplätze belegen, sei zwar sehr ärgerlich, deutlich bedenklicher finde er aber, dass Feuerwehr-Zufahrtzonen als Parkplatz missbraucht werden. Auf der Schütt oder am Melchior-Otto-Platz erlebe er dies immer wieder. "Und die Polizei tut nichts. Da sind schon drei Streifenwagen lang gefahren, ohne dass die Polizisten etwas unternommen haben", kritisiert der Anwohner.

Polizisten, die ein Fahrzeug ignorieren, das im Ernstfall einen Feuerwehreinsatz behindert? "Sagen wir mal so", beginnt Gerhard Anders, Pressesprecher der Polizeiinspektion Kronach. "Ich bin ein sehr kulanter Mensch. Vielleicht hält der Fahrer ja nur kurz, um etwas zu besorgen. Wenn ich allerdings drei oder vier Minuten nachdem ich den Sachverhalt festgestellt habe, wieder dort vorbeifahre und das Auto steht immer noch da und meint nicht wegfahren zu müssen, dann bekommt es eben ein Knöllchen!" Eine kurze Chance habe ein Fahrer also, wegzufahren.

Da es sich in der Oberen Stadt aber auch um einen Hotelgast handeln könne, der nur kurz seine Koffer aus dem Auto holt, wolle die Polizei "nicht päpstlicher sein als der Papst". Eigentlich sei die Obere Stadt und vor allem der Bereich rund um das Feuerwehrhaus eine Gegend, "die oft bestreift wird und auch prädestiniert ist für einige Knöllchen". Wie oft eine Streife über das Kopfsteinpflaster fährt, hänge aber immer von der Einsatzlage ab. "Wenn es etwas ruhiger ist, schreiben die eigentlich genügend Zettel", so Anders.


"Ist tatsächlich ein Problem"

Aufgrund der Baustelle in der Oberen Stadt sei die Parkplatzsituation derzeit ohnehin etwas schwierig, erklärt Anders. "Da stellen sich die Leute dann vielleicht irgendwo hin, wo sie es nicht sollten. Das ist tatsächlich ein Problem, was sich aber auch wieder geben wird", ist der Pressesprecher überzeugt. "Das sollte nicht mehr allzu lange dauern." Die Parksituation habe sich in den vergangenen Tagen bereits etwas verbessert, glaubt der Anwohner: "Ich bilde mir ein, dass es seit dem Ferienstart etwas ruhiger geworden ist, und mit dem Ende der Rosenberg-Festspiele ist
zumindest die wilde Chaos-Parkerei schon mal weg."
Dennoch wünscht er sich, dass verstärkt kontrolliert wird. Aufgrund des Sicherheitsaspekts, aber auch aus finanziellen Gründen. Schließlich gingen der Stadt Einnahmen durch die Lappen, wenn weniger Parkscheine gezogen werden, gibt er zu bedenken. Denn wer keine Angst habe, aufgeschrieben zu werden, verzichte auch auf den Gang zum Parkscheinautomaten oder zur Parkuhr - oder stellt sogar seinen Wagen in eine Feuerwehrzufahrt.

Das sei durchaus ein Problem, bestätigte Stefan Wicklein, Pressesprecher der Feuerwehr Kronach, unserer Zeitung schon vor rund einem Monat. "Die Menschen berücksichtigen nicht, dass Feuerwehrfahrzeuge breiter als normale Pkw sind und einen größeren Kurvenradius haben", erklärte er damals.


Dezimierter Geldbeutel

Wer in Kauf nimmt, die Feuerwehr womöglich entscheidende Minuten zu kosten, muss im Zweifelsfall nicht nur mit einem schlechten Gewissen, sondern auch einem dezimierten Geldbeutel leben.

Handelt es sich um einen akuten Notfall, versucht die Polizei, den Halter ausfindig zu machen, und stellt ein Verwarnungsgeld in Höhe von 35 Euro aus, das für Parken in einem absoluten Halteverbot fällig wird. "Die ultima ratio ist dann aber Abschleppen", betonte Matthias Stöcker, Sachbearbeiter Verkehr bei der Kronacher Polizei schon im Rahmen unserer Berichterstattung über die Behinderungen der Feuerwehr. "Und dabei reicht schon die abstrakte Gefahr."