Wer am Wochenende in Feierlaune war, dürfte an Tettau nur schwer vorbeigekommen sein. Denn dort gab es fast eine Art Marathon an musikalischen Veranstaltungen. Während der Musikverein Tettau seinen 150. Geburtstag feierte, erinnerte die Tettauer Blasmusik an ihre Anfänge vor genau 40 Jahren. Das Kreismusikfest bot daher den passenden Rahmen für das Doppeljubiläum. Ein Dorfabend rundete das Tettauer Feier-Angebot zusätzlich ab.

Die Eröffnung des Kreismusikfests oblag dem Kreisvorsitzenden des Nordbayerischen Musikbunds (NBMB), Wolfgang Müller. "Man sollte daran denken, was für schwere Hürden genommen werden mussten, um dieser Tage ein solches Fest feiern zu können", erinnerte er an die bewegte Geschichte des Jubelvereins, über die er einen kurzen Abriss gab.


Gründung als Rettungsanker

Gegründet 1913, mussten sich die Musiker anfangs ihre Instrumente vom "Munde absparen". 1947 erfolgte in wiederum schwierigster Zeit die Wiedergründung. 1963 ging man mit der Gründung einer Jugendkapelle neue Wege, um die Blasmusik für junge Leute attraktiv zu machen. "Diese Gründung mit dem Initiator Paul Reuther war wahrscheinlich der Rettungsanker", zeigte sich Müller sicher.
Von der damaligen Jugendkapelle sind heute noch zwei Musiker im Musikverein sowohl musikalisch als auch in verantwortungsvollen Positionen tätig: Dietmar Schmidt als Vorsitzender und Manfred Krautwurst als Dritter Vorsitzender.

Der Blasmusik in Tettau neuen Motivationsschub gaben und geben insbesondere auch der langjährige Dirigent Holger Heinz, sein Stellvertreter Wolfgang Milich und Zweiter Vorsitzender Franz Milich. Ihnen sowie allen weiteren Verantwortlichen und Aktiven galt Müllers Dank - gerade auch den Ausbildern für deren engagierte Nachwuchsarbeit.


"Botschafter unserer Heimat"

Der Schirmherr des Kreismusikfests, Tettaus Bürgermeister Peter Ebertsch, stellte den wichtigen gesellschaftspolitischen Beitrag des Musikvereins für die Dorfgemeinschaft heraus. Landrat Klaus Löffler würdigte den Jubelverein als "Botschafter unserer Heimat". Ehrenamtlich Engagierte - so auch die Aktiven und Verantwortlichen in den Musikvereinen - seien der "Kitt" unserer Gesellschaft.

Sein besonderer Dank galt dem Vorsitzenden Dietmar Schmidt, der sich auch seit 22 Jahren im Gemeinderat Tettau und ebenso lange im Kronacher Kreistag für seine Heimat einsetzen.
Doch im Mittelpunkt stand freilich die Musik - und die gab es in den unterschiedlichsten Musikrichtungen. So zeigte nicht nur der Musikverein Tettau selbst sein Können, sondern auch das Duo Michelle und Martin, der Musikverein Schauberg, Trompeter Michael Ruß, die Jungmusiker des Jubelvereins Tettau, die Gruppe "Sibbza" sowie der Singkreis Tettau.

Unter Leitung von Anja Knabner betätigte sich Letzterer mit "Halleluja", "Come to the Circle" oder "I will follow him" ebenso als Seelenstreichler wie als Stimmungsmacher. Glücklicherweise steht "The next Generation" schon in den Startlöchern. Gerne ließen sich die Zuhörer von den gemeinsam angestimmten Liedern wie "Wir sind Gottes Kinder" verzaubern. Seit erst drei Wochen musiziert das Duo "Michelle und Martin" mit den Musikern Ingo und Kai in einer noch namenlosen Band. Klassiker wie "Hymne" und "Fields of Gold", ein schottisches Traditional sowie Musik von Ed Sheraan machten eindeutig Lust auf mehr!

Selbstbewusst und gekonnt ließen die Jungmusiker des Jubelvereins unter Leitung von Dietmar Schmidt zackige Märsche erklingen, bei denen gewaltig die Post abging - so beispielweise beim Rennsteiglied, in das der ganze Saal mit einstimmte.


"Taufrische" Blasmusik

Glanzlichter des Abends waren die virtuosen Soloauftritte von Michael Ruß. Mit viel Gefühl sorgte der Trompeter mit "Amazing Grace", "The Rose" und "Halleluja" für Gänsehaut-Momente.
Nicht schlecht staunte das Publikum, als "Bestatter" in ihren dunklen Anzügen die Bühne betraten und sich als Gruppe "Sibbza" vorstellten. Von "Trauermusik" war aber keine Spur. Das, was die Herren unter
Leitung von Dietmar Schmidt boten, war "taufrische" Blasmusik, die insbesondere beim Oberfranken-Lied zum Mitklatschen und Mitsingen animierte.
Gleiches gilt für den Musikverein Schauberg, der seinem Patenvereien mit Märschen und Polkas zum Geburtstag gratulierte. Natürlich ließ es sich der Jubelverein nicht nehmen, zu später Stunde selbst mit stimmungsvoller Blasmusik mächtig aufzuspielen.