Über eine halbe Stunde lang sitzen Anita und Timo Michel in ihrem Büro. Die Telefonkonferenz dauert. Offenbar ist viel zu erledigen, viel zu besprechen. Als sie dann zum Gespräch mit unserem Reporter kommen, wirken beide dennoch gelöst. Sogar ein Lächeln lässt sich unter ihren Masken erahnen. Das hatten sie im Corona-Jahr 2020 beinahe verloren - ebenso wie ihre Firma MTA Prototyping. Doch das neue Jahr beschert den Nordhalbenern ganz neue Perspektive.

MTA Prototyping hatte sich seit der Gründung vor neun Jahren unter der Leitung von Anita Michel einen guten Namen als innovatives Unternehmen gemacht. In erster Linie fielen ihre ausgefallenen Prototypen-Lösungen für die Automobilbranche auf. Aber andere Bereiche, wie der Messebau und Arbeiten für Veranstaltungen, zählten ebenso zum Aufgabenspektrum.

Der Höhenflug fand 2020 jedoch ein jähes Ende. "Die Corona-Krise hat uns in Verbindung mit den Problemen in der Automobilbranche zu schaffen gemacht", stellt Anita Michel fest. Kunden sind weggebrochen, Lieferungen ausgefallen. Und die in dieser "sehr emotionalen und nervenaufreibenden Zeit" erhofften Corona-Hilfen des Bundes sind ihrem Eindruck nach kaum auf kleinere Firmen zugeschnitten gewesen.

Als dann noch die großen Veranstaltungen gestrichen wurden und bei einigen Kunden die Zahlungsmoral nicht mehr stimmte, blieb nur noch ein Schritt. "Dann sagt der Gesetzgeber: Insolvenz!" Für die Michels war das ein harter Schlag. Aber sie waren bereit, um ihr kleines Unternehmen zu kämpfen und den richtigen Investor zu suchen - nicht irgendeinen.

Vom Insolvenzverwalter wurden mehrere Namen ins Spiel gebracht. Richtig angekommen fühlte sich das Nordhalbener Ehepaar bei Angela Werbik von ZSI Technology aus Altdorf bei Nürnberg. Die Michels haben sich um sie bemüht - und die Investorin ist gekommen. "Sie hat sich vor Ort alles angeschaut - auch uns", stellt Timo Michel fest. Es sei sofort zu spüren gewesen, dass es ihr nicht nur ums Geld, sondern auch ums Zwischenmenschliche gegangen sei. Die Chemie hat allem Anschein nach gestimmt. "Für sie waren die Menschen hier und das Know-how wichtig. Es ging ihr um die Innovationskraft, die in der Firma steckt."

MTA ist durch dieses Investment also gerettet. Mehr noch. Die Prototypenschmiede soll sich mittelfristig weiterentwickeln. Da Angela Werbik nicht nur in Nordhalben investiert hat, bringt sie in die Zusammenarbeit auch das Netzwerk eines Firmenverbunds ein. Timo Michel ist überzeugt: "Damit können wir auf dem Markt jetzt ganz anders auftreten. Und wir sind viel schneller."

Beim Aufbau der neuen Firmenzukunft soll das bewährte Team helfen. Acht der elf bisherigen Mitarbeiter sind noch mit an Bord. Und wenn der Betrieb erst einmal wieder auf Touren kommt, soll die Tür auch für die anderen weit geöffnet werden.

Resistenter gegen Krisen

Dass es dazu kommt, daran glauben die Michels fest. Dabei soll nicht nur das neu gewonnene Firmennetzwerk zu einer höheren Krisenresistenz beitragen, sondern auch eine breitere Basis in der Produktion. Der durch den Lockdown abrupt gestoppte Messebau hat den Nordhalbenern schmerzlich vor Augen geführt, wie schnell ein schmales Aufgabenfeld bei allem Erfolg in eine Sackgasse führen kann. Deshalb sollen andere Bereiche ein noch größeres Augenmerk erhalten als schon in der Vergangenheit geschehen.

Anita Michel nennt beispielsweise den medizinischen Sektor. Wie ihr Mann ergänzt, seien bereits im Jahr 2020 die Weichen gestellt worden, um hochwertige Atemschutzmasken für Kliniken herstellen zu dürfen. Gestrauchelt sei MTA damals an der Überlastung der Prüfinstitute. Timo Michel spricht von einem halben Jahr Wartezeit. Eine zu lange Durststrecke, wie sich am Ende herausstellen sollte. Doch künftig ließen sich solche Vorhaben mit mehr Nachdruck verfolgen.

Dann wird Timo Michel anstelle seiner Frau die Geschäftsführung innehaben. Und aufgrund der neuen Zielsetzungen benennt sich MTA Prototyping in MTA Technical Solutions um.

"Wir werden uns erweitern, das steht fest. Räumlichkeiten sind in Planung", blickt Timo Michel optimistisch nach vorn. Wenn sich eine Lösung in Nordhalben dafür findet, würde MTA seinem Standort gerne treu bleiben. Nicht zuletzt Bürgermeister Michael Pöhnlein (FW) habe sich sehr für die Firma eingesetzt, erinnert er sich.

Ein wichtiger Faktor in dieser schwierigen Zeit ist aber auch das Zusammenwirken mit regionalen Partnern. Die Maschinenfabrik Weber aus Kronach, Chroff aus Bamberg, Meychair aus Sesslach und Andreas Lindner hätten MTA stets zur Seite gestanden, loben die beiden Nordhalbener. "Das ist nicht selbstverständlich!", betont Timo Michel.

Aus seiner Sicht, muss dieses Verhalten einen Wink für die Zukunft der gesamten Wirtschaftsregion geben. "Die Firmen müssen auch in der Region viel enger zusammenarbeiten", beschwört er einen Gemeinschaftsgeist. "Alleine kämpfen, macht heute keinen Sinn mehr!"