Kirchweih ja, Weihnachtsmarkt nein. In Mitwitz sind bei der jüngsten Gemeinderatssitzung Entscheidungen gefallen, die alle Marktgemeinderäte mitgetragen haben. Warum das eine und das andere nicht, erklärte Bürgermeister Oliver Plewa (CSU): "Mit dem Weihnachtsmarkt haben wir ein großes, organisatorisches Problem, weil so viele Besucher kommen. Hier ein vernünftiges Konzept mit Abstands- und Hygieneregeln zu erstellen, ist beinahe unmöglich. Auch die Verkehrssituation muss überdacht werden. Deshalb müssen wir ihn in diesem Jahr leider ausfallen lassen." Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) hatte sich zuletzt dafür ausgesprochen, dass Weihnachtsmärkte in Bayern in diesem Jahr stattfinden sollen.

Die Kirchweih soll aber stattfinden, und zwar in Form eines verkaufsoffenen Sonntags. Plewa: "Wir warten aber noch auf die Genehmigung. Die Gastronomie will traditionelles Kirchweihessen anbieten, es wird Crepes und Galettes geben, ein Nostalgiekarussell, Kutschfahrten und eine Teehausbewirtung im Schlosspark. Auch die Vereine könnten uns ihre Ideen per Mail mitteilen. Ein Marionettentheater für Kinder und Erwachsene ist noch in der Planung."

Mitwitz soll eine Marke werden

Schon im Vorfeld hatte sich der Tourismus- und Kulturausschuss zusammengesetzt, um sich zu beraten. Plewa war kaum misszuverstehen: Ab dem nächsten Jahr wird es in Mitwitz bezüglich Kirchweih und Weihnachtsmarkt anders laufen. Für beide Traditionsveranstaltungen wird es neue Konzepte geben. "Unsere Kirchweih verliert zusehends an Strahlkraft. Wir werden nicht untätig zusehen."

"Vorstellung der Büros zur Erarbeitung eines CD und der Entwicklung eines CI" - Punkt vier der Tagesordnung kam zwar etwas kryptisch daher, aber Licht ins Dunkel brachten drei Firmen, von denen eine künftig aus Mitwitz eine Marke machen soll. Und das geschehe eben durch eine gleichartige Gestaltung aller Produkte (Corporate Design) und durch "Corporate Identity." Letztere regele das Erscheinungsbild, das ein Unternehmen oder ein Ort anstrebe. Es geht also um den Wiedererkennungswert, um den Außenauftritt und darum, wofür die Marktgemeinde eigentlich steht. Drei Agenturen hat man sich dafür erst mal ins Haus geholt und die stellten sich selbst und ihre Pläne in jeweils 15 Minuten Präsentationszeit vor.

Den Anfang machte Hans-Peter Brendel von der Agentur "Bergwerk" aus Kupferberg. Er sprach von seinen Kollegen als "die 14 Kumpels", die sich für Mitwitz engagieren möchten. Er möchte den Ort sichtbar und erlebbar machen und er will dabei vor allem die Bürger ins Boot holen. "Wo kommen wir her, wo wollen wir hin?" Das war nur eine der Aufgaben, die sich künftig stellen würden. Eine weitere sei die Frage, was die Steinachtalregion denn lebens- und liebenswert mache und warum man zum Beispiel gerade hier investieren solle. Dazu möchte Brendel Workshops mit ausgewählten Teilnehmern anbieten.

Es folgte Ralf Bolay von "Häusler & Bolay" in Bayreuth. Der "Herzensfranke" sprach von einem elfköpfigen Team, das hinter ihm stehe und von unterschiedlichen Netzwerkpartnern. Die Agentur hat ihren Schwerpunkt im Stadt- und Regionalmarketing und Brendel lobte vor allem das "Content Management System". Prinzipiell ging auch seine Darstellung in die Richtung des Vorredners, allerdings nicht ganz so detailliert. Er sprach etwas vage über "eine workshop-mäßige Betreuung", was auch immer das heißen mochte. Seminare und Webinare gehörten für ihn ganz selbstverständlich dazu. Bolay versprach am Ende: "Wir werden nichts entwickeln, das zwar super aussieht, aber mit dem sich niemand identifizieren kann."

Ein "Neustart" für die Gemeinde

Mit "Herzblut inside" gingen anschließend Melanie Gimmel und Daniel Sutter von der Agentur "GMK" in Bayreuth an den Start. Sie möchten bunte Kreativität mit seriöser Strategie vereinen und unter dem Strich solle dann ein "Feel-good-Feeling" herauskommen. Dazu möchten auch sie sich den "Input der Bürger" holen und sie versprachen gleichzeitig: "Wir können alles abbilden, das Sie sich wünschen und was Sie sich vorstellen." Ihre Reise in die Zukunft von Mitwitz bezog auch 3-D-Animationen und Imagefilme mit ein. Sie versprachen am Ende: "Wir machen kein Marketing, wir kommunizieren, bis die Post abgeht. Und wir machen Ihre Heimat zu unserer Heimat."

Am Ende kam noch einmal Oliver Plewa zu Wort, der von einem "Neustart für Mitwitz" sprach und davon, dass man etwas Großes für die Bevölkerung und für Besucher schaffen wolle. Ein lebenswerter Standort soll es werden mit großem Potenzial im Bereich Fremdenverkehr und als Unternehmerstandort. Und deshalb sei es wichtig, sich professionell beraten zu lassen, so der Bürgermeister.

Etat von 9,2 Millionen Euro

Kämmerer Clemens Wicklein stellte die Haushaltsplanung vor, die er so zusammenfasste: "Auch in diesem Jahr erreicht das Haushaltsvolumen ein hohes Maß. Mit 9,2 Millionen Euro liegt es etwa 800 000 Euro unter dem bisherigen Höchststand."

Trotz der hohen Ausgaben sei die Kreditaufnahme mit 500 000 Euro relativ niedrig vorgesehen. Im Hinblick auf die wirtschaftliche Lage rund um die Auswirkungen der Corona-Krise bleibe es abzuwarten, wie sich die finanzielle Ausstattung der Kommunen künftig entwickeln wird. Auch die Zinsen würden das derzeitige Niveau nicht immer beibehalten können. Ebenso bleibe die Entwicklung der Sach- und Unterhaltskosten abzuwarten. Wicklein: "Die künftige freie Spitze kann sich schnell wieder minimieren und die Handlungsfreiheit des Marktes Mitwitz einschränken."

So wirklich besorgniserregend sei die finanzielle Lage dennoch nicht, denn unter anderem stünden verschiedene Haushaltsreste der vergangenen Jahre zur Verfügung, die man umschichten könne. Den voraussichtlichen Schuldenstand bezifferte er bis Ende 2020 auf rund fünf Millionen Euro.

Die Investitionen

Zu den wichtigsten Ausgaben im Vermögenshaushalt zählten die Erweiterung der Kinderkrippe (rund 500 000 Euro), der Kinderhort (rund 400 000 Euro), die Sanierung des Bauernhauses in der Kronacher Straße (340 000 Euro), die Wasserversorgung (695 000 Euro) sowie die Sanierung der ehemaligen Schule mit 160.000 Euro. Dem entgegen stünden selbstverständlich auch Einnahmen wie Investitionszuweisungen in Höhe von rund 1.089.000 Euro, Erlöse, die man durch den Verkauf von Bauplätzen erziele (rund 602 200 Euro), eine Entnahme aus der allgemeinen Rücklage in Höhe von 833 500 Euro und letztlich eine Kreditaufnahme in Höhe von 500 000 Euro. Hier bleibe aber abzuwarten, in welcher Höhe man sie letztlich abrufen müsse.

Im Verwaltungshaushalt standen auf der Einnahmenseite unter anderem der Gemeindeanteil an der Einkommenssteuer (1 423 840 Euro), die Schlüsselzuweisung (1 228 150 Euro) und Gewerbesteuereinnahmen, die in diesem Jahr schlecht planbar seien.

Gerd Hempfling (CSU) warnte am Ende davor, das Jahr 2020 isoliert zu betrachten. Viele der Investitionen seien bereits in den vorhergegangenen Jahren beschlossen worden, sie kämen halt erst jetzt zum Tragen. "Wenn wir wollen, dass die Menschen bei uns bleiben, dann müssen wir unseren Ort attraktiv gestalten." Bürgermeister Oliver Plewa ergänzte: "Wir müssen Prioritäten setzen. Wir hatten im Gemeinderat einen großen Umbruch und müssen uns einen genauen Überblick verschaffen. Wir wollen ja auch nichts beschließen, von dem die Hälfte der Gemeinderäte nicht weiß, was sie beschließt."

Aus dem Gemeinderat

Fischerbrache Bürgermeister Oliver Plewa informierte vor Beginn der öffentlichen Sitzung über aktuelle Themen. Auf seiner Agenda stand unter anderem der Wasserrohrbruch in Neundorf, der bereits behoben sei. Einen Schritt weitergekommen sei man auch bezüglich der Fischerbrache. Hier flössen nämlich gerade die Anregungen des Wasserwirtschaftsamtes in die Planungen ein, die auch eine kostenmäßige Beteiligung mit sich brächten. "Es wird auf jeden Fall eine ökologische Aufwertung stattfinden", zeigte sich Plewa überzeugt.

ÖPNV In Bezug auf das neue Mobilitätskonzept des Landkreises sprach er von einem Meilenstein des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV). "Öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen, das hat man etwas verlernt bei uns." Er riet eindringlich, die fünfwöchige, kostenlose Nutzung in Anspruch zu nehmen, um das Konzept zu testen. "Man kann auch mal in den oberen Landkreis fahren und einen Familienausflug machen." Er verwies auf das 365-Euro-Ticket für Schüler und darauf, dass diese künftig ab der fünften Klasse ab 15 Uhr kostenlos fahren könnten. "Es ist ein Einstieg, an dem man sicher noch feilen muss, aber eben auch ein guter Anfang."

Alte Schule Voraussichtlich Ende Juli abgeschlossen sein sollen die Arbeiten am barrierefreien Zugang der Alten Schule.

Anregung Noch vor dem Bürgermeister kamen die Bürger selbst zu Wort. Friedrich Bürger wünschte sich hier, dass wieder ein Emblem über dem Eingangsportal der Alten Schule angebracht wird. Und er lobte auch die Pflege des Ortes, die derzeit zu einer sehr guten Außenwirkung beitrage. Das werde durchaus positiv registriert.

Senioren Im weiteren Verlauf der Sitzung wurde Maria Krumm als Seniorenbeauftragte vorgeschlagen. Sie bekam gleich eine konkrete Aufgabenstellung an die Hand, denn sie soll den "Status quo" ermitteln. Im Einzelnen bedeute das, dass sie sich einen Überblick verschaffen muss, was denn zum Beispiel Vereine schon aktuell für Senioren leisten und welche Angebote es diesbezüglich im Landkreis gebe. Plewa: "Wir müssen das Rad ja nicht jedes Mal neu erfinden." Herauskommen solle ein "Seniorenpolitisches Gesamtkonzept."

Als Informationssicherheitsbeauftragter wurde Ronny Gremer bestätigt.