CNC. Drei Buchstaben, unter denen sich die wenigsten Menschen etwas vorstellen können. Es ist die Abkürzung für "Computerized Numerical Control" - und bedeutet übersetzt nichts anderes als eine "rechnergestützte numerische Steuerung". Also ein elektronisches Verfahren um Werkzeugmaschinen (CNC-Maschinen) zu steuern.

Doch weil diese drei Buchstaben künftig nicht bei bei der Ludwigsstadter Firma "World of Medicine GmbH" (WOM) zu finden sind, fallen an den Standorten Ludwigsstadt und Reichenbach zum Ende des Jahres 26 Arbeitsplätze weg. Der Grund: die CNC-Fertigung wird nach Großbritannien und China verlagert.


Kerngeschäft soll bleiben

Die Nachricht traf die Mitarbeiter am Donnerstag bei einer Versammlung in der Hermann-Söllner-Halle völlig unvorbereitet. Seit Mitte 2017 gehört der Medizingerätehrsteller zum Novanta-Konzern, dessen Hauptsitz in Boston (USA) ist.

Der Geschäftsführer Clemens Scholz sprach von einer Neuausrichtung der Ludwigsstädter Tochterfirma. Der WOM-Produktionsstandort Ludwigsstadt soll demnach künftig als "Center of Excellence (CoE) für die Herstellung medizintechnischer Geräte und Reinraumprodukte geführt werden. Diese Veränderungen würden den notwendigen Platz schaffen, um WOM als Marktführer für zukünftige Kundenanforderungen bestens vorzubereiten.

Das bedeutet, dass in Ludwigsstadt das von WOM betriebene Kerngeschäft, nämlich die Herstellung medizintechnischer Geräte und Verbrauchsmaterialien aus der Reinraumfabrik für die Minimal Invasive Medizin, verbleiben soll. Die CNC-Fertigung hingegen zur Novanta-Tochtergesellschaft Westwind wandern. "Das, was heute passiert ist, tut wahnsinnig weh", sagte WOM-Pressesprecherin Wilma Mitzlaff. "Jede Kündigung bedeutet ein persönliches Schicksal".
Obwohl es keinen Betriebsrat gibt, will die Geschäftsführung den betroffenen Mitarbeitern bestmöglich in ihrer Situation helfen. In den nächsten Tagen sollen daher neben Einzelgesprächen auch Hilfspakete geschnürt werden. Zudem soll es Abfindungen geben.


Kommune will Abhilfe schaffen

WOM ist in den vergangenen Jahren am Standort Ludwigsstadt ständig gewachsen. Erst im vergangenen Jahr wurde der Erweiterungsbau der Reinraumfabrik in Betrieb genommen, der sieben weitere Produktionslinien möglich machte. Die Zahl der Mitarbeiter erweiterte sich dadurch in der Reinraumfabrik von 105 um 34. Insgesamt arbeiten derzeit rund 280 Mitarbeiter bei der WOM in Ludwigsstadt.

Hergestellt in den Reinräumen Schlauchsets und Zubehörteile für die Minimal Invasive Chirurgie. Die Anforderungen sind hoch, denn es geht darum, die Mehrmals- und Einmalartikel für medizinische Geräte keimfrei zu produzieren. Für das Jahr

2018 sind 1,2 Millionen Schlauchsets geplant. Hinzu spezielle Filterkomponenten, die für die Schlauchsets produziert werden. Hier soll die Produktion in 2018 bei 1,4 Millionen Euro liegen. In den letzten fünf Jahren hat die WOM acht Millionen Euro in Ludwigsstadt
investiert.

Es ist kein Geheimnis, dass in Ludwigsstadt aber die Kapazitäten eng wurden - und die WOM war ständig auf Suche nach neuen Mitarbeitern. Auch gibt es zu wenig Parkplätze für die Mitarbeiter. Deshalb wurde vor Kurzem ein Parkplatzraumkonzept im Stadtrat vorgestellt. Die Kommune will hier Abhilfe schaffen. Was aufgrund der geografischen Lage allerdings nicht einfach ist.


Worauf Erhardt hofft

"Es ist schade um jeden Arbeitsplatz, der verloren geht. Denn hinter jeden steht eine Existenz!", sagte Bürgermeister Timo Ehrhardt (SPD), der vom wichtigsten Arbeitgeber in der Stadt sprach und das offene und gute Miteinander zwischen dem Unternehmen und der Stadt hervorhob. Auch in diesem Fall sei er am Donnerstagmorgen in Kenntnis gesetzt worden. Jede Fusion, jede Übernahme sei in der Regel mit Veränderungen verbunden.

Erhardt hofft nun, dass die WOM auch weiterhin Ludwigsstadts wichtigster Arbeitgeber bleibt und die Arbeitsplätze im Kernbereich nachhaltig gesichert werden können.

Wer hinter WOM steckt

Seit 2017 gehört WOM zu Novanta/Massachusetts. Seit 28 Jahren ist die WOM in Ludwigsstadt. Gestartet ist das Unternehmen damals mit 15 Mitarbeitern.

Novanta ist ein weltweit führender Anbieter von hoch entwickelten Technologielösungen für OEM-Kunden im Industrie- und Medizintechnikbereich. Das heißt: Er produziert Waren, bringt diese aber nicht selbst in den Handel.

Das Unternehmen macht rund 500 Millionen US-Dollar Umsatz und zählt weltweit 2100 Mitarbeiter.

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