Walzer tanzende Elefanten, Xylophon spielende Tintenfische, marschierende Löwen und vieles mehr: Ein wenig frech waren sie ja schon - die unzähligen großen und kleinen Tiere, die am Montag ihr junges und jung gebliebenes Publikum beim Kiwanis-Sonderkonzert in der Christuskirche an ihrem alljährlich gefeierten Karneval teilhaben ließen. Sie waren aber auch ganz "handzahm" und vor allem sehr unterhaltsam!


Lustige Tierparade

Viele kleine Orgelmäuschen spitzten dann auch ganzaufmerksam ihre Ohren und hörten der lustigen Tierparade zu. Majestätisch brüllt der Löwe, Schildkröten tanzen in Zeitlupe Cancan, aus der Tiefe des Waldes meldet sich der Kuckuck.

Wer kennt und liebt sie nicht: Die vom französischen Komponisten Camille Saint-Saën in seinem vergnüglichen"Karneval der Tiere" so treffend gezeichneten musikalischen Tier-Portraits?! In diese fantastische Tierwelt entführten am Montag Dekanatskantor Marius Popp sowie Susanne Popp im Rahmen des traditionellen Sonderkonzerts des Kiwanis-Clubs Kronach-Frankenwald. "Wir wollten in diesem Jahr einmal ein Konzert insbesondere für Kinder", erklärte dessen Präsident Henry Weissbach, als er eingangs die vielen Besucher willkommen hieß. Der Dekanatskantor habe ihm das Stück "Karneval der Tiere" empfohlen - eine gute Wahl, wie sich alsbald herausstellte.

Eingeladen waren alle Jungen und Mädchen ab dem Kindergartenalter. Vor der prachtvollen Tierparade gab der Dekanatskantor seinem - nah bei ihm auf der Empore sitzenden - jungen Publikum einen kindgerechten Einblick in die Funktionsweise und den Aufbau einer Orgel. Das riesige Musikinstrument,das aufgrund seiner Größe sowie unerschöpflichen Tonvolumens auch "Königin der Instrumente" genannt wird, besteht aus vielen verschiedenen Metall- und Holz-Pfeifen mit einer Vielzahl unterschiedlicher Klangfarben.

Die sehr interessierten Kinder erfuhren, wie Luft in die Orgelpfeifen kommt und wie ein Orgelspieler damit Musik machen kann. Da ist das Pedal, mit dem sogar richtige Melodien gespielt werden können. Die Manuale sind wie eine Treppe übereinander angeordnet - und es gibt natürlich die Register mit den farbenreichen und unterschiedlich hohen Klängen. Derart bestens informiert, konnte der skurrile Aufmarsch der einzelnen Tiergattungen mit dem voller Spannung erwarteten Auftritt seiner Majestät, des Löwen, nebst seines Hofstaates beginnen.


Ein rauschendes Fest

Die Kinder kamen aus dem Staunen gar nicht mehr heraus: Schließlich ist beim "Karneval der Tiere" alles möglich und - so viel sei verraten: Es wurde auch heuer wieder ein rauschendes Fest! Jedes Tier wurde trefflich durch ein anderes Instrument dargestellt, die der Dekanatskantor an der Orgel durch Registrierung und Spielwiese in den ausdrucksvollsten Klangfarben erstrahlen ließ - von den zartesten Akkorden bis hin zu rasantesten Läufen. Susanne Popp trug dazwischen die vergnüglichen - ironisch verfremdeten - Zwischentexte humorvoll und mit variationsreicher Stimme vor.

Schon die Uraufführung am 9. März 1886 des "Karneval der Tiere" war ein Riesenerfolg. Allerdings wollte Saint-Saëns den Siegeszug stoppen und weitere Aufführungen verbieten - aus Angst um seinen Ruf als ernst zu nehmenden Komponisten. Zudem befürchtete er wohl Anfeindungen wegen der karikierenden Zitate aus Werken berühmter Kollegen. So wurde das berühmte Stück leider 40 Jahre lang versteckt, bis Vögel, Fische, Löwen, Elefanten und Fische endlich wieder Karneval feiern durften. Das Werk eignet sich bestens, um schon die Jüngsten in die wunderbare Welt der Klassik zu entführen und sie zugleich mit den verschiedenen Instrumenten eines Orchesters vertraut zu machen.

Dabei waren es aber keineswegs "nur" die Kinder, die großen Spaß an den plastischen, humorvollen Charakterbildern der Tiere hatten. Auch die Erwachsenen erfreuten sich an dem wunderbaren Orgelkonzert, das mit dem prachtvollen Stimmungsbild des elegant dahinziehenden Schwans seinen zauberhaften Höhepunkt fand, bevor sich alle Tiere noch einmal zum rauschenden Finale versammelten. "Ginge es nach mir, müsste jeder, der sich Komponist nennen möchte, mindestens ein Stück für Kinder schreiben", bedauerte Dekanatskantor Marius Popp, dass es leider nur wenige adäquate Musikliteratur gebe.


Appell an die Eltern

Zugleich appellierte er an die anwesenden Eltern, wie wichtig beispielsweise das Spielen von Blockflöte für die Motorik aber auch die Gehirnentwicklung ihrer Kinder sei. Erwiesenermaßen täten sich Kinder, die ein solches Instrument spielten, aufgrund der dadurch bei ihnen angelegten Motorik in der fünften oder sechsten Klasse des Gymnasiums wesentlich leichter als andere im gleichen Alter.

Zum Abschluss des Nachmittags, der allen jungen und jung gebliebenen Zuhörern viel Spaß bereitete, durften sich die kleinen"Orgelmäuschen" - zu ihrer großen Freude - einmal selbst am Spieltisch an den Klaviaturen erproben.