Unternehmer halten sich oftmals mit der Kritik an der Großen Koalition nicht zurück. Beim Konjunkturpaket ist dies offensichtlich anders - zumindest bei einem Teil der Autohäuser und Automobilzulieferer aus der Region. Die Stoßrichtung passt, so der allgemeine Tenor.

Der Werksleiter von Power-Cast Zitzmann, Jens Söldner, spricht von "positiven Anreizen" für die Verbraucher und seiner Branche, die er mit dem Konjunkturpaket verbindet. Das Unternehmen ist zu 100 Prozent ein Automobilzulieferer. Als zu Beginn der Coronakrise die Autohersteller ihre Produktion reduzierten beziehungsweise lahmlegten, hatte dies auch Auswirkungen auf die Belegschaft des Unternehmens, erinnert er sich. Ein Großteil der Belegschaft musste in Kurzarbeit und hatte somit Lohneinbußen zu verzeichnen. Im Monat April sei Power-Cast Zitzmann besonders von Coronakrise betroffen gewesen, die Auslastung lag bei unter 20 Prozent.

Langsam ziehe die Konjunktur wieder an, so Söldner. Er hofft, dass im Lauf des Monats 80 Prozent der Belegschaft wieder regulär arbeiten können.

Auf den Markt einstellen

Die zeitlich begrenzte Mehrwertsteuersenkung sieht er mit einem gewissen Anreiz für die Verbraucher verbunden, sich ein neues Auto zuzulegen. Bedauern äußert Söldner, dass der Kauf von Autos mit Verbrennungsmotoren nicht gefördert wird, da das Unternehmen Teile für solche Fahrzeuge produziert. Aber, so der Werkleiter weiter, Power-Cast Zitzmann stelle sich auch auf den neuen Automarkt ein.

So will die Firma künftig verstärkt auf Magnesium-Druckgussteile für E-Mobile setzen, die vom Gewicht her leicht sind und eine geringe spezifische Dichte aufweisen. Zudem sind solche Teile leicht recyclebar. Trotz einer gewissen Belebung des Marktes geht Jens Söldner davon aus, dass es noch Monate dauern wird, bis sich eine gewisse Normalität in der Autobranche einstellen wird.

Kaum Auswirkungen erwartet

Bei der Firma Scholz in Gundelsdorf liegt der Anteil der Produktion für Automobile bei 50 Prozent. Das Unternehmen liefert Teile für Benziner-, Diesel- und Elektroautos. Die Prämie für Elektrofahrzeuge wird keine nennenswerten Auswirkungen auf den Umsatz haben, glaubt Geschäftsführer Martin Rebhan. Wie er gegenüber unserer Zeitung erläuterte, seien aber auch in den anderen Branchen aufgrund von Covid-19 deutliche Umsatzrückgänge zu verzeichnen. Die betroffenen Abteilungen befinden sich in Kurzarbeit. Die Bereiche Formenbau, Technikum und Medizintechnik dagegen arbeiteten regulär. "Wir hoffen nun, dass durch das Konjunkturpaket die Nachfrage in allen Branchen angekurbelt wird."

Das Konjunkturpaket sei positiv für die gesamtwirtschaftliche Lage, so der Vorsitzende der Geschäftsführung der Dr. Schneider-Unternehmensgruppe, Thomas Stadelmann. Allerdings werde es keinerlei signifikante Auswirkungen auf die deutsche Automobilbranche haben. Auch die Wirkung bei der Senkung der Mehrwertsteuer werde sich in Grenzen halten. Seiner Meinung nach wäre es sinnvoller gewesen, die Kaufprämien als Überbrückung für das Jahr 2020 auf Benzin- und Dieselfahrzeuge auszudehnen. Denn die deutschen Autohersteller haben noch nicht in ausreichendem Umfang E-Autos zur Verfügung.

Dagegen wird die Kaufprämie für Elektroautos ausländischen Herstellern, wie beispielsweise Tesla, zugute kommen. Stadelmann weist darauf hin, dass andere Länder, in denen die Dr. Schneider-Unternehmensgruppe aktiv ist, andere Wege gehen werden. In Spanien werde beispielsweise versucht, die Gesamtnachfrage auf dem Automobilmarkt zu stabilisieren. Wie bei den beiden anderen befragten Automobilzulieferern befinden sich auch bei Dr. Schneider noch Produktionsmitarbeiter in Kurzarbeit.

Mehr Anfragen festgestellt

"Seit Donnerstag hat die Zahl der Anrufer, die sich nach einem Auto erkundigen, zugenommen", stellt der Leiter Gebrauchtwagen, Guido Wich-Knoten, vom Autohaus Müller fest. Er spricht von einer gewissen Kaufzurückhaltung in den vergangenen drei Monaten. Das verstärkte Interesse an Neuwagen begründet er mit der Reduzierung des Mehrwertsteuersatzes und auch mit der Kaufprämie für Elektromobile.

"Das Konjunkturpaket schafft schon für die Leute Anreize", glaubt sein Kollege, Marco Neumann, der im Autohaus für den Verkauf von Neuwagen zuständig ist. Er weist darauf hin, dass Autohersteller in Elektroautos investieren und dass Käufer bei einem Kauf von so einem Fahrzeug bis zu 9000 Euro an Prämie erhalten können (3000 Euro Hersteller und 6000 Euro Bund). Das bedeute, dass beispielsweise ein Smart Fortwo statt für 22 000 Euro schon ab 12 000 Euro erhältlich ist.

Das werde aber lediglich ein Anschub sein. Denn nach wie vor übten die Verbraucher beim Kauf eines Elektrofahrzeugs als Erstwagen - nicht zuletzt wegen der Reichweite - noch Zurückhaltung. Dagegen sei vor allem bei Geschäftsautos ein verstärktes Interesse an Plug-in-Hybriden zu verzeichnen. In diesem Segment griff bisher schon die sogenannte 0,5-Prozent-Steuer mit der halbierten Bemessungsgrundlage gegenüber Modellen mit Verbrennungsmotor. Diese soll nun weiter auf 0,25 Prozent gesenkt werden. Diese Regelung werde wiederum Anreize schaffen, heißt es.