Musik und Botschaft in der Christuskirche, feinfühlig, einfühlsam und ruhig: Vor dem Altar sitzt mit seiner Gitarre im warmen Lichtkegel unter dem großen angestrahlten Kreuz in der Christuskirche der Mann, der mit seiner unverkennbaren Stimme sofort zu erkennen ist.
Ganz in sich ruhend - umgeben von einer geradezu magischen Präsenz und einer positiven Aura, die einen sofort in den Bann zieht - konzentriert sich der liebenswerte Sänger und Gitarrist auf das Wesentliche: die Musik. Bodenständig, fest verankert im Glauben und mit "Gefühl im Überfluss" singt Manfred Siebald religiöse Lieder, die ihm spürbar Freude und Bestimmung zugleich sind. Alle von ihm an diesem Abend voller Emotionen und Tiefgang vorgetragenen Stücke sind gleichsam ein musikalisches Glaubensbekenntnis, und sie werden zum Geschenk für sein innig ergriffenes Publikum.


Das Leben ist ein Fest

"Was macht das Leben zum Fest?" Diese Frage zog sich wie ein roter Faden durch sein Konzert. Vom ersten Ton an verstand es der Liedermacher, Jahrgang 1948, die Zuhörer mit seiner warmen Baritonstimme zu fesseln. Was der ehemals als Literaturwissenschaftler für Amerikanistik tätige Mainzer darbot, war mehr als Musik - seine Stücke sind in Worte gefasste Poesie: so schön, so wahr und so berührend, dass einem wohltuende Schauer über den Rücken laufen. Man hörte und lauschte gespannt seinen Liedern, viele davon mit Ohrwurmcharakter. Sein Gesang bildete eine magische Einheit mit den Klängen seiner verschiedenen Akustik-Gitarren, wozu auch ein "halbes" Exemplar zählte.
Zurücklehnen und genießen bei einer Musik, die nicht nur ins Ohr, sondern unter die Haut geht und wohl niemanden kalt lässt. Da spürte man selbst ein warmes Glücksgefühl. Mit kleinen Geschichten stimmte er auf seine Stücke ein und streichelte mit Gedanken und Impulsen die Seele seiner Zuhörer. Man meinte fast, einem alten Freund bei seinen Erzählungen zu lauschen, wenn er tiefe Einblicke in sein Leben und seine Beziehung zu Gott gewährte.
Manfred Siebald versteht sich als Seelenstreichler insbesondere auf die leisen, tiefsinnigen Töne. Aber auch der feine Humor und eine wohl dosierte Dosis Ironie kommen bei ihm nicht zu kurz - so beispielsweise in seinem "Tomaten"-Lied als von ihm erkorene, sicherste aller Geldanlagen.


Heiter und nachdenklich

Einfach köstlich auch sein Kinderlied über die Entstehung von Musik, wobei Gott nichts gegen einen richtig lauten, hohen oder auch schiefen Ton hätte. Heiteres wechselte sich mit Nachdenklichem ab.
Bei alledem ist er ein toller Sänger und ein versierter Musiker mit einem variablen Gitarrenspiel - bescheiden, freundlich, immer ein freundliches Lächeln auf den Lippen, den Kontakt mit dem Publikum liebend. Gerne stimmte dieses in einige Texte mit ein, die man sofort nachsingen kann, wie "Heile dieses Land" oder "Es geht ohne Gott in die Dunkelheit".
Willkommen geheißen wurden er und die erfreulichen vielen Besucher zu Beginn des Konzerts von Dekanatskantor Marius Popp. Dieser erinnerte sich fünf Jahre zurück, als Manfred Siebald in Unterrodach gastierte. Dabei hatte er einige Lieder zusammen mit dem Chor der Michaelskirche Unterrodach als musikalische Begleitung einstudiert, was allen großen Spaß bereitete. Schon damals bat man den Künstler, wenn er wieder in unsere Gegend komme, um eine Wiederholung . Dieses Mal waren es sogar zwei Chöre, denen diese Ehre oblag: dem Kirchenchor der Michaelskirche Unterrodach und dem Kirchenchor der Christuskirche Kronach.


Seit 1970 unterwegs

Und die sehr sauber intonierenden Sängerinnen und Sänger unter Leitung von Dekanatskantor Marius Popp machten ihre Sache ganz wunderbar: In inniger Gemeinsamkeit gerieten zusammen angestimmte Lieder wie unter anderem "Friede sei mit dir", "Gib mir die richtigen Worte", "Gut, dass wir einander haben" oder auch "Geh unter der Gnade" zum Erlebnis.
Die Erlöse seiner jährlich etwa sechzig Konzerte kommen diakonischen und missionarischen Einrichtungen in Europa, Afrika, Asien und Südamerika zugute - und das seit 1970. So lange ist er schon unterwegs. Die Erlöse des Kronacher Konzerts ergehen an einen Orthopädiemeister aus Hessen. Dieser fertigt Prothesen für Menschen in Uganda an, denen durch Landminen oder andere kriegerische Handlungen Gliedmaßen abgetrennt wurden.