Um den Ausbau der Kinderbetreuungseinrichtungen in Ludwigsstadt zielgerichtet voranbringen zu können, wurde eine Bedarfsplanung für den Zeitraum ab 2021 erstellt. Ergebnis: Ohne Erweiterung des AWO-Kindergartens "Spatzennest" Lauenhain um eine Krippengruppe kann der Bedarf künftig nicht gedeckt werden.

"Derzeit sind wir in Sachen Kinderbetreuung gut aufgestellt", bekundete Bürgermeister Timo Ehrhardt (SPD). Um auch in Zukunft Eltern optimale Betreuungsmöglichkeiten anbieten zu können, erstellte Geschäftsleiter Frank Ziener eine umfassende Bedarfsplanung - mit der eindeutigen Tendenz eines Betreuungsbedarfs auch für unter Dreijährige. Die Krippen in der Gemeinde verfügen - so der Bürgermeister - über eine hohe Qualität und erfreuen sich großer Nachfrage. Gleiches gelte auch für den Hort der derzeit 94 Schüler zählenden Schule. Hier nutzen aktuell 49 Kinder die Betreuung vor Schulbeginn bzw. nach Unterrichtsschluss. Im Raum stehe hier, laut Ehrhardt, ein von der Regierung - vermutlich in drei, vier Jahren - geschaffener Rechtsanspruch für eine nachmittägliche Betreuung der Schulkinder.

"Der Lauenhainer Kindergarten ist von der Qualität her prima", würdigte Michaela Schneider vom Landratsamt Kronach. Gleichwohl gebe es baulichen sowie sicherheitstechnischen Handlungsbedarf. Sicher zeigte sie sich, dass die Betreuungsquote der unter Dreijährigen weiter ansteige. Die Integration einer Krippe in den Kiga wäre eine sehr vernünftige Lösung. Faktisch gesehen sei man bereits jetzt in der Großgemeinde an der Grenze der Auslastung. Gleiches gelte auch für die Nachbargemeinden. Der angesprochene Rechtsanspruch für eine nachmittägliche Betreuung von Schulkindern werde sicherlich kommen. Von der Wertigkeit sei ein Hort, der auch gefördert werde und hierfür Auflagen wie den Einsatz qualifizierter Fachkräfte erfüllen müsse, höher einzustufen als eine Offene Ganztagesschule.

Im Raum steht auch ein Waldkindergarten in Lauenhain, wofür aktuell der Bedarf ermittelt wird. Dies sei, so Schneider, ein gutes Zusatzangebot. Es gebe aber noch zu viele Fragezeichen, beispielsweise hinsichtlich eines Trägers/Investors, um dies in die Planung einzubeziehen.

Architekt Jürgen Kolb erläuterte in der Sitzung die Planung. Eine weitere Abstimmung zu den konkreten Fördermöglichkeiten mit der Regierung steht noch aus. Denkbar ist eine Förderung über FAG oder ein Sonderprogramm. Aufgrund der finanziellen Lage Ludwigsstadts wird von einem Fördersatz zwischen 80 und 90 Prozent ausgegangen.

Trotz der drei Ebenen des Bestandgebäudes könne man hier, so der Planer, nicht alle erforderlichen Räume unterbringen. Zudem müsse man sich mit einigen Unzulänglichkeiten auseinandersetzen - beispielsweise der Barrierefreiheit und der Beschaffenheit des Treppenhauses. Dieses müsse von oben bis unten sicher begehbar sein. Ein Neubau des Treppenhauses sei deutlich wirtschaftlicher als der Umbau des bestehenden; ein diesbezüglicher Neubau nur in Richtung Freispielfläche möglich.

Die Krippe soll in der Ebene entstehen, in der derzeit der Kiga untergebracht ist. Hier soll es auch einen Nebenraum, eine Garderobe, einen Elternwarte- sowie Sanitärraum geben. Das vorhandene Treppenhaus wird man auflassen und für das erforderliche behindertengerechte WC vorsehen. Unter dem im Erdgeschoss angebauten Speiseraum soll ein gedeckter Freispielbereich entstehen.

Die Regelgruppe mit 25 Kindern soll im Obergeschoss untergebracht werden mit einem großen Gruppenraum, einem Intensivierungsraum, einem Sanitärbereich und einer Garderobe. Auch der Personalraum bzw. das Büro wird hier untergebracht. Das Dachgeschoss soll als Lagerraum belassen werden. Angedacht ist auch ein begrüntes Dach.

Ein Jahr nicht nutzbar

Die Hauptnutzfläche beträgt 255 Quadratmeter; die Gesamtnutzfläche 400 Quadratmeter. An Gesamtkosten für die Maßnahme, inklusive Freispielfläche, Ausstattung usw. rechnet man mit 880 000 Euro. Die förderfähigen Kosten betragen 750 000 Euro. Das Gebäude wäre während der Bauzeit rund ein Jahr nicht nutzbar.

"Das ist ein Wahnsinn für zwölf Krippenplätze - 74 000 Euro pro Kind", prangerte Zweiter Bürgermeister Maximilian Heyder (CSU) an. Der Entwurf sei in seinen Augen nicht zielführend. Man kremple das Gebäude um, nehme eine Treppe heraus, baue ein Treppenhaus an und setze einen Speiseraum auf Stelzen, was eine aufwändige Dämmung erfordere. Auch ein Flachdach sei für unsere Gefilde nicht optimal.

"Der Betrag schockiert hier sicherlich jeden", meinte Michael Löffler (CSU). Aber es gebe es halt Auflagen, über deren Sinn man zwar streiten könne, die man aber wegen der Förderung einhalten müsse. Man investiere in ein eigenes Gebäude, in die Kinder und das Personal. Über die Stelzen und das begrünte Dach gebe es noch Diskussionsbedarf, schloss er sich in dieser Hinsicht seinem Vorredner an.

Der Bürgermeister sprach von einer Grundsatzentscheidung, ob man bauen wolle oder nicht und ob es einem die Maßnahme wert sei. Man spreche von einem Eigenanteil der Kommune von 250 000 Euro oder 300 000 Euro, einzustellen im Haushalt 2021. Die Maßnahme dürfe man nicht auf die Krippe reduzieren. Vielmehr verändere man das komplette Gebäude und schaffe damit einen wesentlich höheren Mehrwert.

Mit der Entwurfsplanung bestand seitens des Gremiums grundsätzlich Einverständnis. Entsprechende Änderungen werden eingearbeitet. Der Ausschuss empfiehlt dem Stadtrat einen Durchführungsbeschluss, worüber dieser in seiner Sitzung am 30. Juli entscheiden wird. Eine Gegenstimme gab es von Maximilian Heyder.