Die Bemühungen, Forstwirtschaft und Jagd unter einen Hut zu bekommen, werden derzeit auf eine Probe gestellt. Ein Grund ist der Entwurf des neuen Bundesjagdgesetzes. Neben den reinen Jagdthemen will das neue Gesetz auch einen "angemessenen Ausgleich zwischen Wald und Wild herstellen".

Ein angemessener Ausgleich zwischen Wald und Wild, wie ist das bei uns im Frankenwald? Die Situation: Aufgrund des Klimawandels nimmt die Problematik mit den Borkenkäfern seit Jahren zu. Die Wälder im Frankenwald sollen deshalb zu naturnahen Mischwäldern werden.

Verbiss schädigt junge Bäume

Bei der Waldverjüngung wird neben der natürlichen Vermehrung auch auf Laubbäume wie Buchen sowie auf Tannen gesetzt. Doch diese Baumarten sind beliebt beim Schalenwild, wie beispielsweise beim Reh. Die Folge ist, dass durch den Verbiss an jungen Pflanzen die jungen Bäume geschädigt werden. Diese Baumarten werden dann so stark in ihrer Entwicklung gebremst, dass sie gegenüber den für das Wild weniger schmackhaften Fichten oder Kiefern zurückbleiben. Wie kann man nun das Problem in den Griff bekommen?

Der Leiter des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, Michael Schmidt, meint: "Für mich gelten die bayerischen Gesetze!" Hier geht "Wald vor Wild". Demnach soll die Bejagung, insbesondere die natürliche Verjüngung der standortgemäßen Baumarten, im Wesentlichen ohne Schutzmaßnahmen ermöglicht werden. Eine Waldverjüngung soll ohne Zäune und anderweitig teure Schutzmaßnahmen möglich sein.

Erhöhte Abschusszahlen

Nicht zuletzt deshalb, so ist von einigen Jägern zu hören, wurden oftmals die Abschusszahlen in den einzelnen Hegegemeinschaften durch die untere Jagdbehörde in den letzten Jahren erhöht. Und das macht manchen Jägern zu schaffen. "Ein Waldumbau nur mit dem Gewehr funktioniert nicht", so der Revierinhaber aus Förtschendorf, Reinhold Heinlein, der den Vorsitz von einer der insgesamt sechs Hegegemeinschaften im Landkreis innehat.

Wenn er und der Hirschfelder Jagdpächter Michael Russ über die Jagd sprechen, erzählen sie nicht von einem vergnüglichen Hobby, sondern von zeitaufwendiger Arbeit und Verantwortung für das hohe Gut Wild und Natur. Sie berichten nicht über Trophäen, sondern wie sie täglich in ihre Reviere in Förtschendorf beziehungsweise Hirschfeld aufbrechen, um Hochsitzeinrichtungen zu bauen, beziehungsweise zu reparieren, Wild zu beobachten, intensiv Wildschweine bejagen, um Wildschäden zu vermeiden und um das Hegeziel zu erreichen etc. Daneben erfolgen Austausch mit den Landwirten, Naturschutz- und untere Jagdbehörde. Der Jäger sei gehalten, täglich sein Revier zu durchstreifen. "Wie soll das einer schaffen, der nebenbei Job, Familie und Haus hat?"

Seit dem Jahre 1988 geht Heinlein auf die Jagd, seit 1998 ist er Revierinhaber in Förtschendorf. Er spricht davon, dass die Jagdgenossenschaften es mitunter schwer haben, Jagdpächter zu finden. Zu viel Zeit, zu viele Auflagen und immer höhere Abschusszahlen bringt eine Jagdpacht mit. Wenn dann noch Unstimmigkeiten in den Jagdgenossenschaften vorhanden sind, dann wird es richtig schwierig. Er sei froh und dankbar, dass seine Jagdgenossenschaft Förtschendorf gut aufgestellt ist und sein Jagdvorsteher und die Jagdgenossen die Jäger immer wieder gerne unterstützen.

Wenn nun, so erzählt Heinlein, eine Jagdgenossenschaft keinen Jagdpächter findet, dann muss diese in Eigenregie ihren Auflagen nachkommen, dies ist zurzeit beim Jagdrevier Windheim Nord der Fall. Findet sich kein Jagdvorsteher, dann sei die betroffene Gemeinde - die im Frankenwald im Regelfall auch Waldbesitzer ist - in der Pflicht, den Vorsteher, in der Regel ist dies der Bürgermeister oder die Bürgermeisterin, zu stellen.

Sein Jagdnachbar, Michael Russ, geht seit sieben Jahren auf die Jagd. Zusammen mit Wolfgang Hammerschmidt hat er im vergangenen Jahr die Jagdpacht in Hirschfeld übernommen. "Die Abschusszahlen werden immer mehr hochgeschraubt!" Diese Zahlen zu erfüllen und dabei die gesetzlichen Vorgaben einzuhalten, werde immer schwieriger.

Das Wild ist schlau

In diesem Zusammenhang erzählt er von Auflagen, wie beispielsweise, dass das Wild nur zu bestimmten Zeiten geschossen werden kann, dass bestimmte Abstände zu Wohngegenden eingehalten werden müssen. Hinzu komme, wie gerade jetzt der Fall, die schlechte Sicht infolge der Getreidefelder beziehungsweise der zunehmenden Blühwiesen. Zudem sei das Wild schlau. Binnen kurzer Zeit registrieren die Tiere, dass sie an bestimmten Stellen dem Abschuss preisgegeben sind. Sie werden heimlicher, treten erst in der Nacht zum Äsen aus oder suchen sich dann andere Einstände.

Jäger haben auch Absatzprobleme

Ein weiteres Problem sei die Vermarktung. "Was macht ein Jäger, wenn er sein Wild nicht veräußern kann". In diesem Zusammenhang erwähnt Heinlein zunehmende Absatzprobleme auch wegen Corona. Aufgrund dessen, dass wegen der Pandemie die Gastronomie und Hotellerie wochenlang haben schließen müssen, nahm auch der Absatz von Wild stark ab. Die Nachfrage von Privatpersonen nach Wild lasse trotz gesunkener Preise zu wünschen übrig. Dabei sei Wildfleisch reines "Bio". Das Wild ist draußen in der Natur, ernährt sich ausschließlich von der Natur. Die Tiere seien keinem Schlachtstress ausgesetzt. Zudem sei Wildfleisch frei von Medikamenten und Antibiotika, habe einen niedrigen Fettgehalt und sei vitamin- und mineralstoffreich. Und: "Es ist ein regionales Produkt, direkt vor der Haustür", so Michael Russ.