Beinahe Schlag auf Schlag ging es in Pressig bei der Erschließung des neuen Baugebiets "Martin-Luther-Ring" weiter. Der Auftrag zur Erschließung des ersten Teilbereiches "Martin-Luther-Ring" am Anger wurde am Montag mit 421 627,77 Euro an die Firma STL Sonneberg, vergeben. Es handelt sich um den Straßenbau, Kanal und Wasserversorgung auf diesem Teilstück. Bereits am gestrigen Dienstag konnte dann der symbolische erste Spatenstich zur Erschließung des Baugebiets erfolgen.


Landratsamt muss entscheiden

Zum wiederholten Male musste sich der Bau- und Umweltausschuss des Marktes Pressig mit dem Bauantrag auf Neubau eines Milchviehlaufstalls mit automatischem Melksystem befassen. Das Objekt sorgte schon in vorangegangenen Sitzungen für Emotionen und vor allem Bürger ergriffen das Wort. So auch in der jüngsten Sitzung. Bürgermeister Hans Pietz (FW) wies nochmals deutlich darauf hin, die Gemeinde sei nicht die Entscheidungsbehörde, diese sei das Landratsamt.
Das eingereichte Bauvorhaben in Welitsch sei nach bestehendem Baurecht auch im Außenbereich grundsätzlich möglich. Das Gemeindeoberhaupt fasste die wichtigsten Einwände und Bedenken von Gemeinde und Bürgern zusammen. Durch die Dimension des Baukörpers (38 mal 58 Meter, Höhe acht Meter) sei eine erhebliche Beeinträchtigung des Landschaftsbildes und des Ortsbildes zu erwarten. In Größe und Optik handle es sich um einen Industriebau, der sich markant vom Ortsbild abhebe. Die Lage greife ins Wasserschutzgebiet der Zone zwei, die eigentlich gar nicht bebaut werden darf. Ferner befürchtet die Gemeinde erhebliche Einschränkungen für die kommunale Bauleitplanung im Hinblick auf die Baulandentwicklung. Bauland verliere an Wert und Attraktivität. Aus dem Rathaus wird auch die unzureichende Zufahrt von nur drei Metern Breite und fünf Tonnen Achslast moniert und man erachtet diese Zufahrt als nicht ausreichend und verkehrssicher, da aufgrund der Dimension des Vorhabens mit "Schwerlastverkehr" zu rechnen sei. Die Folge könne eine rasche Zerstörung des Straßenkörpers sein. "Dazu kommen noch erhebliche Emissionen aufgrund der offenen Bauweise des Stalles und der Güllelagerung. Daher erachtet der Markt Pressig ein unabhängiges Emissionsgutachten für zwingend erforderlich", soweit die Ausführungen des Bürgermeisters.
Seitens der Bürger brachte Leonard Dittmann mehrere Bedenken hinsichtlich der Emissionsbelastung und bezüglich des Wertverlustes bestehender Wohnhäuser und zukünftiger Baugebiete vor. Außerdem bestünden große Befürchtungen, dass das Trinkwasser schlechter werde. Er schlug eine Auslagerung vor, denn im Ort gebe es viel Unruhe wegen der Dimension des Bauvorhabens. Waltraud Wachter als eine Nachbarin sprach gar von einer Schande, ihr fehlten die Worte aber in Welitsch nähmen die Todesfälle an Kreb serkrankungen zu.
Die Räte stimmten mit 7:1 Stimmen, bei Gegenstimme von Wolfgang Förtsch (SPD) und unter Ausschluss von Berthold Nickol, CSU (wegen persönlicher Beteiligung) für das gemeindliche Einvernehmen mit Weitergabe der Bedenken seitens der Gemeinde. Reinhold Heinlein sah die Zustimmung als Pflicht nach Baugesetz, denn der Bauwerber orientiere sich an Vorlagen des Landratsamtes und der Gemeinde. Arno Hoffmann meinte, die Räte hätten sich viele Gedanken gemacht und man solle das gemeindliche Einvernehmen erteilen, allerdings mit den protokollierten Bedenken, die von der Gemeinde vorgebracht werden und einem Emissionsgutachten.
Wolfgang Förtsch (SPD) war nicht gegen das Vorhaben aber für ihn seien immer noch zu viele Fragen offen, um zustimmen zu können. Seiner Meinung nach wäre, bei einer so in das Ortsbild eingreifenden Bumaßnahme, eine Bürgeranhörung erforderlich.
Martin Welscher (FW) warf ein, dass sich die Landwirtschaft in den vergangenen Jahren wesentlich verändert habe. Früher sei jedes zweite Anwesen in Welitsch ein Bauernhof mit einem Misthaufen vor der Tür gewesen: "Kein Mensch nahm daran Anstoß." Die Belastung sei heute nicht höher als früher. "Wenn wir unsere Kulturlandschaft weiter erhalten wollen, brauchen wir die Landwirte. Wenn wir solche Bauvorhaben nicht genehmigen, nehmen wir Abschied von der gepflegten Kulturlandschaft, auf die wir alle stolz sind", so Welscher. Er habe großen Respekt vor den Investitionen, die sich Landwirte zumuten, um den ländlichen Raum am Leben zu erhalten. Reinhold Heinlein und Arno Hoffmann schlossen sich der Argumentation voll und ganz an, sodass letztlich der Beschlussvorschlag des Bürgermeisters - wie erwähnt - angenommen und das gemeindliche Einvernehmen mit Bedenken erteilt wurde.


Hilfe für Jagdgenossenschaften

Den Jagdgenossenschaften wurde auf Antrag hin die finanzielle Unterstützung für Instandsetzungen von Wirtschaftswegen genehmigt (Jagdgenossenschaft Förtschendorf 7000 Euro, Rothenkirchen- Brauersdorf 1665,61 Euro, Friedersdorf 6044,71 Euro und Marienroth 3118,77 Euro). Ferner stimmte das Gremium der Übernahme der Trägerschaft für den Bau eines Rückeweges im Vorderen Galgenberg bei Rothenkirchen zu. Der gemeindliche Anteil an den Gesamtkosten von 7500 Euro beläuft sich auf circa 3000 Euro. Diese Finanzmittel werden durch Holzeinschlag erzielt.
Zu großer Verärgerung und Unmut im Gremium sorgten Medienberichte über eine Gemeinschaftsschule, die laut SPD-Landratskandidat Norbert Gräbner in Steinbach am Wald entstehen könnte. Bürgermeister Hans Pietz und Reinhold Heinlein verwahrten sich gegen solche Vorhaben, auch im Namen der Ratskollegen. Man wolle sich die mühsam aufgebaute Schulstruktur mit dem Standort Pressig nicht kaputt machen lassen und werde sich vehement dagegen wehren. Das Thema werde in einer Gemeinderatssitzung behandelt, so Pietz.
Lob gab es von Reinhold Heinlein für die Jagdgenossenschaften, "die stets bemüht sind, alle Wald- und Wirtschaftswege instandzuhalten", welche schließlich von der Allgemeinheit benutzt werden.