Nur mühsam normalisierte sich nach dem Zweiten Weltkrieg das Leben im Frankenwald. Und gerade in Notzeiten hatte es diese Region immer wieder schwer, den Anschluss an die wirtschaftlichen Zentren zu finden. In diesem Klima der Hoffnungslosigkeit waren die Verantwortlichen besonders gefordert, alles daranzusetzen, die Wirtschaft wieder auf Erfolgskurs zu trimmen.

Heute, nach 75 Jahren, ist der Landkreis Kronach ein Wirtschaftsstandort mit qualifizierten und fleißigen Mitarbeitern, mit kreativen mittelständischen Unternehmen, mit Innovationskraft und hoher betrieblicher Dynamik, mit Unternehmen von Weltruf. Hunderte von Handwerksbetrieben spiegeln die Vielfalt an handwerklichem Können wider. Ein Blick in die Nachkriegsgeschichte zeigt uns, dass diese Erfolgsbilanz von heute nur durch einen steten Aufbauwillen, durch weitsichtige Planung, durch hohe Motivation und Risikobereitschaft von Arbeitgebern und Arbeitnehmern sowie durch gewerkschaftliche Besonnenheit möglich war.

Fakt ist natürlich: Man hatte gegen die Totwinkellage infolge der Grenzziehung, gegen die Revierferne der Absatzmärkte und gegen Energieprobleme anzukämpfen. Der Staat stand in der Pflicht und reagierte mit Grenzlandhilfe. Trotzdem: Der Weg zum allgemeinen Wohlstand erwies sich als sehr mühsam. Ende 1949 gab es im Landkreis über 8000 Arbeitslose, befanden sich die Verkehrsadern in einem trostlosen Zustand. Und die Alarmrufe "Not im Frankenwald" hallten bis München.

Schwer gebeutelt wurde 1949 Wallenfels, denn 75 Prozent der arbeitsfähigen Bevölkerung stand ohne Beschäftigung da. Das waren immerhin an die tausend Arbeitssuchende. Verzweifelt forderten die Menschen an der Wilden Rodach: "Wir wollen nicht stempeln! Wir brauchen Arbeit!"

Ein Schlag für Nordhalben

Besonders hart traf der Strukturwandel die Porzellanindustrie, die an die 3000 Arbeitsplätze verlor. So mancher traditionsreiche Betrieb blieb auf der Strecke. Für Nordhalben kam es 1952 ganz dick. Die Bleistift- und Schiefertafelfabrik Rehbach mit ehemals rund 1000 Beschäftigten schloss ihre Pforten. Damit begann ein wirtschaftlicher Leidensweg für die nordöstlichste Bastion des Frankenwaldes.

Landrat Dr. Edgar Emmert, MdL Baptist Hempfling, MdL Christian Müller, die Bürgermeister Konrad Popp, Kronach, und Bürgermeister Louis Welsch, Ludwigsstadt, um nur einige Männer der ersten Stunde zu nennen, nutzten jede Chance, die Infrastruktur zu verbessern.

Bemerkenswertes geschah am Rennsteig. Firmen wie Tettau-Glas, Heinz-Glas und Wiegand-Glas gingen in die Offensive und investierten kräftig. Wiegand-Glas, einer der größten Hersteller von Getränkeflaschen in Deutschland, verkörpert den Wiederaufbauwillen besonders eindrucksvoll.

Das Ende des Zweiten Weltkrieges kündigte sich bei Wiegand mit Tod und Zerstörung an. Am 6. April 1945 wurde durch einen Luftangriff der Amerikaner die Glashütte in Schutt und Asche gelegt, dreizehn Menschen starben im Bombenhagel. Der Wiederaufbau war schwierig: Firmenchef Otto Hugo Edmund Wiegand rieb sich förmlich auf. Die Wiegand-Leute bissen sich hartnäckig durch Materialknappheit, alliierte Verordnungen, Energieprobleme. 1946 entstand eine kleine Produktionsanlage für Grünglas. Bereits 1950 produzierte die Firma mit 300 Beschäftigten über 17 Millionen Flaschen aus 9481 Tonnen Glas.

Die Gewerkschaften, von den Nazis 1933 restlos zerschlagen, organisierten sich relativ schnell. Die örtliche Militärregierung in Kronach genehmigte am 21. Februar 1946 die Gründung der Gewerkschaft. Am 13. Oktober 1949 schlossen sich die 16 Gewerkschaften zum Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) zusammen. Und am 12. Februar 1950 kam es in Kronach zur Gründung der Industriegewerkschaft Chemie-Papier-Keramik, Verwaltungsstelle Kronach. Hugo Ramser wurde zum Vorsitzenden gewählt.

Vertriebene gründen neue Betriebe

Zu den herausragenden Leistungen der Nachkriegsgeschichte der Bundesrepublik zählt insbesondere die Eingliederung der Vertriebenen, die heute materiell, beruflich und gesellschaftlich nicht anders leben als die übrigen Deutschen, die hier schon seit Generationen ansässig sind.

In den ersten Jahren nach dem Krieg stand die materielle Existenzsicherung der "Neubürger" im Vordergrund. Als Starthemmnisse in die Eigenständigkeit wirkten sich in erster Linie das fehlende Kapital, aber auch der Verlust früherer Geschäftsverbindungen aus. Mit den Flüchtlingsproduktivkrediten des Staates sollte die schlechte Finanzlage vornehmlich nach der Währungsreform behoben werden.

1948, als das Kreisflüchtlingsamt Kronach eine Zählung der Flüchtlingsbetriebe der gewerblichen Wirtschaft vornahm, hatten schon 101 Vertriebene eine Zulassung für einen Gewerbebetrieb im Landkreis Kronach erhalten. In der Folgezeit erbrachten die Vertriebenen einen eigenständigen Beitrag zur wirtschaftlichen Belebung des Landkreises, indem über 300 Arbeitsstätten neu gegründet wurden, was die Wirtschaftsstruktur im Frankenwald deutlich verbesserte.