Das Erbe des Waldes, den Generationen angepflanzt, gehegt und gepflegt haben, wird nun mit einem Kahlschlag weit unter Wert zunichte gemacht. Seit Frühjahr verlassen mehrere Eisenbahnzüge nach ihrer Beladung den Bahnhof in Kronach. Laut Auskunft von Martin Fiebig von DB Cargo sind dies nicht alles Deutsche-Bundesbahn-Züge, sondern es werden auch Privatbahnen zum Abtransport eingeschaltet.

Ein Eisenbahnzug besteht aus 25 Waggons. Fünf Wagen werden pro Tag beladen, der Zug ist mit mindestens 1300 Festmetern Holz beladen.

Kampf gegen den Borkenkäfer

Forstbetriebsleiter Peter Hagemann informierte am Bahnhof in Kronach zu diesem Thema. In den nordbayerischen Forstbetrieben der Bayerischen Staatsforsten laufe der Kampf gegen den Borkenkäfer auf Hochtouren. Die Forstleute fänden bei ihrer ununterbrochenen Suche immer neue befallene Bäume, die schnellstmöglich aufgearbeitet werden müssen. Auch jetzt im Frühherbst könnten damit noch unzählige Käfer an der Überwinterung gehindert werden - die beste Vorsorge für das kommende Jahr.

Allein in den Forstbetrieben Rothenkirchen und Coburg konnten seit Anfang Juli in den Landkreisen Kronach, Lichtenfels und Coburg jeden Tag rund 1000 Festmeter Schadholz im Staatswald aufgearbeitet werden. Unterstützt wurden die Förster vor Ort dabei durch zahlreiche Forstwirte und Forstunternehmer aus ganz Bayern.

Ebenso wichtig wie eine rasche Aufarbeitung ist der anschließende reibungslose Abfluss des Holzes zu den Sägewerken. Dafür sorgt bei den Bayerischen Staatsforsten die zentrale Logistikabteilung in Zusammenarbeit mit zahlreichen örtlichen Transportunternehmen.

Holzabfluss per Bahnverladung

Nachdem durch das Überangebot an Rundholz auch aus anderen Bundesländern und dem benachbarten Ausland die Abnahme des Käferholzes in Nordbayern vorübergehend stagniert hatte, konnten somit schnell Lieferwege zu Holzverarbeitern in Süd- und Ostbayern gefunden werden. Voraussetzung dafür war das entsprechende strikte Zurückfahren des Einschlages von frischem Nadelholz im südbayerischen Staatswald, was in gleichem Maße auch dem Abfluss von Schadhölzern der anderen Waldbesitzer diente.

Um die Kapazitäten und das Tempo noch zu steigern, kam zum ununterbrochenen Holztransport durch Lastwagen auf der Straße als weitere Variante noch die Bahnverladung hinzu. Vom Bahnhof in Kronach aus gehen seit September neben Holz aus dem Privatwald jetzt auch Käferfichten aus dem Staatswald auf die Reise nach Süden.

Allein das Beladen der zahlreichen Spezialwaggons ist eine logistische Meisterleistung: Die rund 1300 bis 1400 Festmeter Holz pro Zug entsprechen etwa 60 Holz-Lkw-Fuhren und werden innerhalb von nicht einmal zwei Tagen aus jedem Winkel des Frankenwaldes angefahren. Je schneller Organisation und Transport funktionieren, desto besser ist das für die Holzqualität, den Waldschutz und die Zukunft des Frankenwaldes.

Laut Hagemann gibt es schon seit 20 Jahren immer wieder trockene Sommer. Als Beispiel nannte er das Jahr 2003 mit einem heißen, trockenen Sommer, in dessen Folge der Borkenkäfer zur Plage wurde. Allerdings mit dem Unterschied zur Jetztzeit, dass danach wieder häufiger Regen kam und sich der Wald in den darauf folgenden Jahren immer wieder erholen konnte. Jetzt sei es anders: "Wir hatten drei Jahre heiße und extrem trockene Sommer, so dass sich der Borkenkäfer nicht mehr beherrschen ließ und sich schneller vermehrte, als man ihn in der Population eindämmen konnte", erklärte Hagemann. Die Folge sei nun der teilweise Kahlschlag in manchen Revieren, bedauerte er.

"Es wird hier wieder Wald geben"

Olaf Schmidt, langjähriger ehemaliger Präsident und Leiter der Landesanstalt für Wald- und Forstwirtschaft (LWF), stammt aus dem Frankenwald und nahm auf Nachfrage ausführlich zu dem Thema Stellung. "Es stirbt nicht der Frankenwald, es sterben Fichtenbestände!", lautete seine Kernaussage. Das hält er so manchen Schlagzeilen entgegen und bittet um Versachlichung dieses heiklen Themas. Schmidt: "Auf den jetzigen Kahlflächen wird es auch wieder Wald geben. Der wird und muss anders aussehen - nämlich bunter Mischwald", betonte der gebürtige Tettauer und erfahrene Waldexperte. Ein Waldumbau der Fichtenwälder, vor allem der reinen Fichtenwälder (Monokulturen, Reinbestände, die ohne Mischbaumarten bestehen) sei dringend nötig.

Auf die Frage, warum Waldbesitzer nicht schon eher auf Mischwald gesetzt haben, antwortete Olaf Schmidt: Seit vielen Jahren schon hätten der verstorbene Forstdirektor Michael Schneider und der ebenfalls verstorbene einstige Revierleiter Peter Schmittnägel den Waldumbau gepredigt, "doch wie viele sind ihrem Rat gefolgt"?

Veränderung des Waldbildes

Der Frankenwald habe schon zweimal in den vergangenen 500 Jahren eine völlige Veränderung des Waldbildes erlebt. Von Natur aus sei der Frankenwald ein Buchenwald mit Tannen und Steilhangwäldern gewesen.

Durch die Flößerei sei die Buche seit dem 16./17. Jahrhundert bewusst verfolgt und zurückgedrängt worden. Die Tanne habe dann das Waldbild circa 300 Jahre beherrscht.

Im 19. Jahrhundert sei es nach Stürmen und Kahlschlagwirtschaft für rund 150 bis 200 Jahre zu einem Siegeszug der Fichte gekommen. Dem setze nun der Klimawandel ein Ende.

Mischwald als Zukunftsszenario

Nach Meinung von Schmidt ist die Zukunft ein gemischter Wald mit Pionierbaumarten (Birke, Salweide, Vogelbeere, Aspe) sowie mit Buche, Tanne und Fichte, in tieferen Lagen auch mit Eiche, in Steilhanglagen mit Berg- und Spitzahorn, dann noch mit Douglasie, Lärche und eventuell mit Küstentanne und Roteiche.

Die Notwendigkeit einer rechtzeitigen und konsequenten Fichten-Borkenkäfer-Bekämpfung könne man aus dem Geschehen im Frankenwald direkt ableiten. Die Solidarität aller Waldbesitzer (Privatwald, Körperschaftswald, Staatswald) sei bei der Borkenkäfer-Bekämpfung ausschlaggebend, erläuterte Olaf Schmidt, der als Autor mehrerer Fachpublikationen einen guten Namen in der bayerischen Wald- und Forstwirtschaft hat.

Die Witterungssituation durch den Klimawandel sei für die Bäume, aber auch für die Menschen neu: "Daher können wir auch nicht auf Erfahrungswerte der Großeltern zurückgreifen." Keiner habe ein solches Klima, wie es etwa seit 1990 herrscht, früher erlebt. Die Klima-Erwärmung schwäche aber die aus kalten Gebieten (Gebirge in Nord- und Osteuropa) stammende Fichte und auch die Kiefer und begünstige die Entwicklung der Fichten-Borkenkäfer.

Schmidt: "In jedem Fichtenwald sind diese Käferarten, zum Beispiel Buchdrucker und Kupferstecher, vorhanden." Bei günstigen Bedingungen wie einem warm-trockenen Frühjahr, einem schneearmen Winter, einem heißen Sommer sowie Sturm- und Windwürfen könnten sich die Fichten-Borkenkäfer explosionsartig vermehren und hektarweise Fichtenwald abtöten. "Das ist die jetzige Situation."