Der Mitwitzer Heinz Köhler (77) ist als Landrat ein Gesicht der Region geworden. Als Abgeordneter hat er die Interessen des Frankenwaldes weithin sichtbar vertreten. Doch während er diese beiden öffentlichkeitswirksamen Stationen hinter sich gelassen hat, lässt ihn eine andere, unscheinbarere Aufgabe nicht vom Haken. Seit 45 Jahren ist er Verbandsvorsitzender der Fernwasserversorgung Oberfranken (FWO). Für weitere sechs Jahre wurde er gerade erst wiedergewählt.

Das Wasser liege ihm inzwischen im Blut, sagt Köhler. Dass diese "Ehe" nun auf ihr goldenes Jubiläum zusteuert, war anfangs keineswegs eine Selbstverständlichkeit. Als Regierungsrat haber er 1971 für den Landkreis Lichtenfels erstmals in die FWO-Verbandsarbeit geschnuppert. Nur zu gut erinnert er sich an diesen Sprung ins kalte Wasser. Im Grunde habe er damals kaum mehr Ahnung von der Materie gehabt als Otto-Normalbürger, gesteht er mit einem Schmunzeln.

Doch schnell durfte er tiefer in die dieses Thema eintauchen. Viel tiefer. "1972 bin ich als Landrat automatisch in die Verbandsversammlung gerückt und im November zum weiteren Stellvertreter des Vorsitzenden gewählt worden", erinnert sich Köhler. Nachdem Gründungsvorsitzender Edgar Emmert Ende 1974 gestorben war, trat der Mitwitzer am 28. Januar 1975 in dessen Fußstapfen. "Also vor 45 Jahren", blickt er zurück. "Damit bin ich einer der dienstältesten Verbandsvorsitzenden in Bayern."

Schnell eingearbeitet

Und das Metier lag ihm ganz offensichtlich, so schnell wie er das Schwimmen in allen möglichen Trinkwasser-Fragen erlernte. "Es ging recht schnell, sich einzuarbeiten. Schließlich musste man anfangs nicht jede Feinheit wissen", stellt er fest. Das sieht mit all seiner Erfahrung nun anders aus. "Heute würde ich mich schon als einen ausgewiesenen Experten bezeichnen", meint er. Und seine Wiederwahl unterstreicht diese Selbsteinschätzung.

Und Fachleute in Wasserangelegenheiten braucht die Region seit jeher dringend. Schließlich gilt Franken im Allgemeinen wie auch der Kreis Kronach im Speziellen als Wassermangelgebiet. Aus dieser Not heraus sei beispielsweise die Talsperre bei Mauthaus (1968 bis 1972) gebaut worden, die immer auch im Zusammenhang mit der Arbeit der FWO gesehen werden müsse, so Köhler.

Dem Zweckverband gehören inzwischen sieben von neun oberfränkischen Landkreisen und alle kreisfreien Städte an. "Damit ist die FWO wohl der größte Zweckverband in Oberfranken."

Vor diesem Hintergrund und angesichts eines neuen monatlichen Rekordwerts bei der Trinkwasserabgabe im Dezember 2019 von 1,46 Millionen Kubikmetern verwundert es nicht, wenn Köhler davon spricht, vorwiegend mit dem Management des Verbandes befasst zu sein. Viele Sonderwünsche seien über die Jahre von den Abnehmern und Interessenten an ihn herangetragen, unzählige Gespräche geführt worden. Und enorme Arbeiten mussten gestemmt werden.

"Der Bau des Bamberger Astes war eine gewaltige Aufgabe", erinnert sich der Mitwitzer an das Jahr 1972 zurück. Gleich danach sei es mit dem Coburger, dem Frankenwald-, dem Hofer und dem Scheßlitzer Ast weitergegangen. 175 Millionen Mark seien in diese Projekte geflossen.

Später sei der Bayreuther Ast realisiert worden. Ein von Bayreuther Seite nicht unumstrittenes Vorhaben. "Es ging hin und her, bis der Oberbürgermeister den Knoten durchschlagen und den Anschluss durchgesetzt hat", denkt Köhler an "äußerst schwierige Verhandlungen" zurück. Anstrengend war aber nicht nur so manche Gesprächsrunde, sondern auch der damalige Alltag des Mitwitzers. "Ich musste das ja neben dem Job als Landrat erledigen." Und da standen mit dem Müllheizkraftwerk, den Auswirkungen der Gebietsreform, dem Schulzentrum und dem Krankenhausbetrieb nicht minder aufwendige Aufgaben an.

Heute schaut Köhler jedoch zufrieden auf die Entwicklung der FWO. Sie sei technisch wie finanziell hervorragend aufgestellt in einer Zeit, in der die Trinkwasserversorgung unbedingt in kommunaler Hand bleiben müsse ("Davon bin ich ein 100-prozentiger Verfechter"). Weitere Interessenten für einen Anschluss stehen bereits auf der Matte. Eine Querleitung von Trainau zum Scheßlitzer Ast sowie der Bau neuer Hochbehälter im Bereich Lichtenfels/Bamberg sollen Versorgungssicherheit beitragen. Schließlich wird auch der Klimaschutz-Aspekt immer fester in die Arbeit des Verbands integriert.

Es gibt also alle Hände voll zu tun. Angesichts all dieser spannenden Entwicklungen hat Köhler jedenfalls noch große Lust, weiter bei der FWO am Haken zu hängen.